Kalbe l Nach offizieller Lesart ist sie nur eine von Dutzenden Überführungen in der Einheitsgemeinde Kalbe, die nach entsprechender Begutachtung einer Sanierung bedürfen. Und doch verhält es sich mit der Brücke, die auf die Liebesinsel des Kalbenser Kurparks führt, etwas anders. Denn im Gegensatz zu anderen Überführungen hat sie keine verkehrstechnische Relevanz, wohl aber identitätsstiftende und touristische.

In den vergangenen Jahren gehörte die mehrere Meter lange Bogenkonstruktion längst nicht nur für Hochzeitspaare zu den beliebtesten Fotomotiven in der Milde-Stadt. Neben dem Buchsbaumgarten am Schloss von Goßler ist die Grünanlage im staatlich anerkannten Erholungsort, wie sich Kalbe seit Dezember 2007 nennen darf, eines der wenigen touristischen Aushängeschilder.

Die Brücke zur Liebensinsel gehört seit Jahrzehnten dazu. Doch weil ihre Holzbohlen inzwischen morsch sind, ist sie gesperrt worden. Das zieht auch eine Verwucherung der Liebesinsel selbst nach sich. Der Holzpavillon inklusive Pflasterfläche, den es dort einst gab, ist schon vor Jahren zurückgebaut worden.

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Stadt lässt Kosten ermitteln

Aber ist Zurückbauen und Sperren wirkich das einzige, was die Stadt in dem Fall unternehmen kann? „Wir sind gerade dabei, die Kosten für eine Reparatur der Brücke zu ermitteln“, sagte dazu Bürgermeister Karsten Ruth. Erst, wenn genaue Zahlen vorlägen, könne entschieden werden, ob und wie etwas an der Brücke gemacht werde. Denn natürlich müsse jenen Überführungen, die verkehrstechnische Relevanz und die ebenfalls Sanierungsbedarf hätten, Priorität eingeräumt werden, zumal der Stadt nur in begrenztem Maß Mittel zur Verfügung stünden, so der Bürgermeister weiter. Auch der Bauausschuss hatte sich kürzlich schon einmal unter Leitung von Hans-Georg Otte über die Liebesinsel-Brücke unterhalten. Ergebnislos, wie Otte auf Nachfrage sagte. Er gab aber auch zu bedenken, dass die touristische Bedeutung nicht von vornherein jedem klar gewesen sei.

Umdenken erforderlich

Und eben diese Bedeutung unterstreicht im Volksstimme-Gespräch auch Ortsbürgermeister Heiko Gabriel. Er will das Thema deshalb nun in den Ortschaftsrat bringen, damit dort überlegt werden kann, ob sich vielleicht auch ein Teil der Brauchtumsmittel, auch Budet genannt, für die Sanierung der Brücke verwenden ließe. „Aber das würde bedeuten, dass die Vereine zurückstecken und auf Zuschüsse verzichten müssten“, so Gabriel – zumal ja auch schon überlegt werde, ob der Einsatz eines Falkners in der Krähenhochburg Stadtpark mithilfe dieser Mittel finanziert werden sollte. Immerhin sei dies nach Expertenansicht die einzige Möglichkeit, die schwarzen Vögel dauerhaft aus der Grünanlage zu vertreiben (Volksstimme berichtete).

Was den Einsatz der Brauchtumsmittel angehe, so der Ortsbürgermeister weiter, „muss vielleicht in nächster Zeit ein Umdenken stattfinden“.