Jerchel l Ein Mann schleicht nachts durch Jerchel. Er trägt helle Sachen, an der Hose sind Reflektorenstreifen. Er fasst an die Türen von Fahrzeugen, die auf der Straße stehen. Er geht aber auch auf fremde Grundstücke und fasst auch dort an die Türen der auf privaten Einfahrten geparkten Pkw. Zumindest in zwei Fällen wird er in dieser Nacht fündig. Betroffen sind Matthias und Anja Wagner, die das Ganze noch immer nicht fassen können. Die zwei Autos der Familie stehen in einer Doppelgarage. Die Garage steht auf dem Grundstück. Das Tor ist dem Wohnhaus zugewandt. Das Grundstück ist mit einem Tor und Zaun verschlossen.

Autotüren nur angelehnt

Matthias Wagner will am Morgen gegen 6.30 Uhr zur Arbeit fahren. Das Garagentor war auf. Die Fahrertür seines VW war angelehnt. „Ich hatte mich schon etwas gewundert, aber na gut, ich hätte es ja vergessen haben können“, sagt Matthias Wagner. Er setzt sich rein, lässt den Motor an. Am Cockpit wird ihm angezeigt, dass noch eine weitere, nämlich die Beifahrertür, offen und angelehnt ist. „Ich habe mir immer noch nichts dabei gedacht“, räumt der Familienvater ein. Er steigt wieder aus, schließt die Beifahrertür. Sein Blick fällt auf den zweiten Wagen. Auch dort sind beide Türen angelehnt.

Langsam kommt ihm das komisch vor. Er steigt wieder in sein Auto, blickt auf den Beifahrersitz. Das Portemonnaie ist weg. Am Abend vorher war er noch in Mieste einkaufen und hatte die Geldbörse im Auto liegen lassen. Da kommt seine Frau Anja und erzählt ihm, dass im Dorfchat die Kunde von einem Mann, der nachts in Jerchel umherschleicht und alle Autotüren anfasst, umgeht. Da dämmert es den beiden. Offenbar ist der Mann in der Garage gewesen. „Ohne den Hinweis hätten wir niemals mit einem Diebstahl gerechnet. Das Portemonnaie hätten wir heute noch gesucht. Ich wollte schon nach Mieste fahren und im Einkaufsmarkt nachfragen“, sagt Matthias Wagner.

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Selbst Licht schreckte Dieb nicht

Das Garagentor stand offen, räumt Anja Wagner ein. Vermutlich habe man vergessen, am Abend zuvor das Tor zu schließen, aber das Tor zu Straße sei verschlossen gewesen. Am Garagentor sei ein Bewegungsmelder angebracht. „Das ist in der Nacht taghell, wenn das Licht angeht. Wie dreist muss der Mann gewesen sein“, ärgert sich Anja Wagner. Aufgefallen sei ihr, dass in der Nacht sämtliche Hunde im Ort angeschlagen hätten. „Aber wer steht denn immerzu auf und guckt auf die Straße“, fragt die junge Frau.

Was beide besonders ärgert: Mit dem Portemonnaie – drin waren nur etwa 20 Euro – sind eben auch alle Karten, wie Ausweis, Führerschein, Krankenkarte, Kreditkarte, EC-Karte und vieles mehr weg. Alles muss gesperrt und neu beantragt werden. „Diese Rennerei kostet Zeit und vor allem viel Geld“, sagt Anja Wagner. Ein Zweites käme hinzu. „Der Gedanke, dass ein Fremder auf unserem Grundstück in meinem Auto gesessen und dort rumgewühlt hat, das finde ich total eklig“, betont Anja Wagner. „Ich meine, es gibt sicherlich Schlimmeres, aber bei uns wird jetzt alles verriegelt und verrammelt“, ist für die Familie klar. Sie hat Anzeige erstattet. Unterdessen ist der Volksstimme ein zweiter Fall aus der Lunauer Straße bekannt, wo gestern Morgen die Autotüren ebenfalls angelehnt waren.

Fahrzeuge immer verschließen

Die Polizei hat den ersten Fall aufgenommen. Polizeisprecher Frank Semisch kennt die Masche. „Das sind Leute, die Geld brauchen“, sagt Semisch. Die aber das Risiko, durch Lärm, etwa beim Einschlagen von Autoscheiben, entdeckt zu werden, nicht eingehen wollen. „Die gehen gezielt auf Parkplätzen und an Straßen auf die Suche, ob Autotüren offen und Portemonnaies drin sind“, so Semisch. Dann gebe es wieder andere, die gewaltsam in die Pkw einbrechen und alles, was irgendwie von Wert ist, mitnehmen. Er appelliert erneut, Fahrzeuge immer zu verschließen, auch wenn man nur mal kurz aussteigt, und keine Wertsachen im Auto zu lassen. Unterdessen sucht die Gardelegener Polizei Zeugenhinweise. Wer Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich im Revierkommissariat unter 03907/72 40 zu melden.