Zichtau l Im Bereich der Drogenprävention an Schulen „haben wir einen Mangel“, bringt es Juliane Ensminger von der AWO Sucht- und Drogenberatung während der Fachtagung Suchtprävention an Schulen im Altmarkkreis Salzwedel auf den Punkt. „Wir können den Bedarf leider oft nicht abdecken“, erklärt sie. Oft sind es nur einzelne Unterrichtsstunden, die sie und ihre Kollegen aufgrund der Arbeitsstundenzahl an den einzelnen Schulen anbieten können. Um nachhaltig vorzubeugen, wäre allerdings eine intensivere Arbeit, beispielsweise auch über ein langfristiges Projekt, sinnvoll.

Um auf die Notwendigkeit der Drogenprävention an Schulen aufmerksam zu machen, aber auch um Handlungsrichtlinien zu entwickeln und die Möglichkeit der Vernetzung von Akteuren in diesem Bereich zu bieten, organisierten AWO und Netzwerk Schulerfolg gestern die Fachtagung Suchtprävention an Schulen. „Die Zahl der Anmeldungen zeigt, wie wichtig das Thema für die Schulen ist“, so Andrea Friedhoff-Buse, Koordinatorin Netzwerk Schulerfolg.

Oberstes Problem Cannabis

„Die Suchtproblematik ist in der Tat groß“, weiß Schulsozialarbeiter Tobias Kramer vom Projekt Stabil. Er betreut Jugendliche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. „Dann ist Prävention aber schon gar nicht mehr möglich, das Kind schon in den Brunnen gefallen“, erklärt er den Gästen. Oft seien es die Achtklässler, die ihre erste Erfahrungen mit Drogen machen, so Kramer. Als „oberstes Problem“, noch vor Alkohol sieht der Sozialarbeiter dabei den Konsum von Cannabis.

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Frank Semisch, Pressesprecher der Polizei Salzwedel und viele Jahre in der Drogenprävention tätig, macht ähnliche Erfahrungen. Jugendliche, die erstmals wegen Drogen bei der Polizei auffällig werden, seien meist um die 14 Jahre alt. „Das steigert sich bei den 21-bis 25-Jährigen.“ An erster Stelle stehen Cannabis, gefolgt von Amphetaminen. Insgesamt habe die Entwicklung der Drogendelikte im Altmarkkreis Salzwedel, rückblickend auf die vergangenen Jahre, aber eine „gleichbleibende Tendenz“.

Marie Sprössel, Sozialarbeiterin an der Sekundarschule in Mieste, erklärt: „Eine Schule ohne Drogen ist utopisch.“ Auch sie berichtet aus ihrer Erfahrung, dass Cannabis bei Achtklässlern häufig als Einstiegsdroge fungiere. Aber wie damit umgehen, wie reagieren? Den Schüler mit dem Verdacht konfrontieren? Ignorieren? Das Gespräch mit den Eltern suchen? Bei Letztgenanntem reagieren Eltern oft unterschiedlich, die einen nehmen es ernst, andere wiederum konfrontieren die Schule mit einer Verleumdungsklage. Gar die Polizei einschalten? Auch mit dieser Problematik befasst sich die Fachtagung. Als Fazit fasst Sprössel zusammen: „Präventionsarbeit ist das A und O der Schulentwicklung, sie muss ausgebaut werden.“

Zehn Präventionsstellen im Land

Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt zehn Präventionsstellen, wie Bettina Kiefer aus dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt in ihrem Grußwort erklärt. Im Haushalt für das Jahr 2018 sollen Gelder für diesen Bereich aufgestockt werden. So werden dann 357 000 Euro im Haushalt eingestellt. „Rein rechnerisch ist damit in jedem Landkreis eine Präventionsstelle möglich“, sagt Kiefer

Den Vorträgen zur aktuellen Drogensituation durch Polizei und Schulsozialarbeiter folgten am Nachmittag vier Workshops. In diesen ging es um die Frage, wie Schulen mit Suchtkranken umgehen sollen, der Cannabis-Methodenkoffer wurde vorgestellt. Über psychotherapeutische Angebote informierten Mitarbeiter des Fachklinikums Uchtspringe von der Therapiestation für suchtgefährdete und suchtkranke Kinder und Jugendliche. Auch die Arbeit des DROBS Magdeburg, Fachstelle für Sichtprävention, wurde vorgestellt.