Gardelegen l Die zwölfjährige Josefine Malinke aus Gardelegen war im April 2019 auf der Suche nach einem Haustier im Tierheim. Ein Kater sollte es werden, erzählte sie im Volksstimme-Gespräch. Gefunden hat sie eine Katze, die dreifarbig getigerte Minka – und Gleichgesinnte, die sich wie sie um die Tiere im Tierheim kümmern wollen. Dazu gehören die 15-jährige Eva Niemann, die seit bereits acht Jahren ins Tierheim kommt, um mit den Hunden Gassi zu gehen, da sie zu Hause keinen Hund halten kann, und ihre Freundinnen Jasmin Gebbert (16) und Juliette Kulcke (16). Sie bilden seit mehr als anderthalb Jahren die Jugendgruppe des Gardelegener Tierschutzvereins. „Und sie sind sehr engagiert“, wie Vereinsvorsitzende und Tierheimleiterin Carmen Koch lobt.

Die vier Schülerinnen kommen regelmäßig an die Lüffinger Landstraße, um sich unter Anleitung der Tierschützer mit den Vierbeinern auf vielerlei Art und Weise zu beschäftigen. Das sei wichtig, so Koch, um die Hunde zum Beispiel geistig anzuregen, was dazu gehöre, um sie fit zu halten. Die Mädchen bringen sich auch in die Welpenspielstunde mit ein und hatten Anteil am Antigiftködertraining.

Packen überall mit an

Während der Schulzeit kommen sie meist am Wochenende, in den Ferien fast täglich. Dabei haben es Josefine vor allem die Katzen angetan. Sie schafft es durch ihre ruhige und entspannte Art, dass auch sehr scheue Tiere zutraulicher werden. Eva, Jasmin und Juliette kümmern sich zumeist um die Hunde. Alle zusammen packen bei allen anfallenden Arbeiten mit an, füttern die Tiere, machen sauber und helfen auch bei anderen Arbeiten in der Anlage. Und natürlich ist auch Zeit zum Kuscheln. Jasmin und Eva kümmern sich zudem um den Auftritt des Tierheims auf Instagram. Dafür macht Eva auch die Fotos, ein Hobby von ihr.

Die Tierschützer freuen sich über so viel Engagement, das sie gern weiter fördern und unterstützen wollen. „Denn der Gedanke unsererseits ist es, Kindern und Jugendlichen den Tierschutz näherzubringen beziehungsweise sie dafür zu begeistern“, betonte Vereinssprecherin Gisela Kürten. Aus diesem Grund treten die Mitglieder des Tierschutzvereins auch regelmäßig an die Grundschulen heran und fragen gezielt nach, ob die Kinder zum Beispiel im Rahmen einer Projektwoche das Tierheim besuchen und Interessantes über die Tierschutzarbeit erfahren möchten. „Wir halten es für sehr wichtig, Jugendliche für dieses Thema zu sensibilisieren, da der Tierschutz ja leider in großen Teilen der Bevölkerung und auch auf politischer Ebene nicht genug Beachtung findet“, so Kürten.

Arbeit von der Politik gewürdigt

Umso mehr freut es sie und ihre Mitstreiter, dass der Tierschutzverein Gardelegen von der Politik kürzlich eine besondere Anerkennung erfahren hat. Er wurde für seine erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit mit dem zweiten Platz beim diesjährigen Tierschutzpreis 2020 bedacht, mit dem die Landwirtschaftsministerin von Sachen-Anhalt, Claudia Dalbert, die Bedeutung der ehrenamtlichen Tätigkeit der Tierschutzvereine würdigte. Die Übergabe fand in Hundisburg statt. Und das Schönste am Preis ist das daran gekoppelte Preisgeld von 1150 Euro.

Dieses bildet den Grundstock für eine teure, aber dringend notwendige Operation für die englische Bulldogge Jenna, der ein lebenswertes Leben ermöglicht werden soll (Volksstimme berichtete). Die vier Mädchen waren sofort dafür, das Geld dafür einzusetzen, auch wenn es nicht reicht und deshalb weitere Spenden (Spendenkonto: DE 54 810 55555 02000 20889, Verwendungszweck „Jenna“) nötig sind.

Auch über Gaben für die anderen Tiere freuen sich die Tierschützer. Derzeit werden im Tierheim 18 Katzen betreut. Dazu kommen noch sechs Baby-Miezen, die alle zwei Stunden gefüttert werden müssen – und zwei große Felltiger, die in einer Pflegestelle untergebracht sind. Die Hundefraktion besteht derzeit aus sechs Vierbeinern. Auch über weitere Helfer würden sich die zwei festen Mitarbeiter im Tierheim sowie die sieben ehrenamtlichen Tierschützer, zu denen auch Koch und Kürten gehören, freuen.