Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten rufen Kindheitserinnerungen wach

Eiskeller im Gutspark wird freigelegt

Von Donald Lyko

Zichtau l Der Eiskeller im Gutspark Zichtau soll für Besucher sichtbar und erlebbar gemacht werden. In einem ersten Schritt wird der Keller nun freigelegt.

Ein Erdhügel und im Ring angeordnete Feldsteine mitten im Park - das ist derzeit vom ehemaligen Eiskeller des Zichtauer Gutes zu sehen. Herbert Hampl, heute 69 Jahre alt, kennt ihn aber noch anders. Als Junge war er 1946 mit der Familie nach Zichtau gezogen. Im Gutspark spielten die Kinder aus dem Unterdorf gegen die aus dem Oberdorf Räuber und Gendarm.

"Das hier war unser Spiel- und Kampfgebiet", erzählte Herbert Hampl gestern und zeigte mit der Hand auf das Areal rund um den Eiskeller. "Der war für uns eine Art Ritterburg", sagte der Zichtauer, denn mit selbstgebauten Schwertern erlebten die Kinder damals ihre Abenteuer.

Er erinnert sich, dass der Keller aus einem Ring aus Feldsteinen bestand, die Fugen mit Moos ausgefüllt. Das Dach, das damals ebenso wie die Treppe hinein noch intakt war, sei eine Balkenkonstruktion gewesen, darauf lagen Laub und Moos. "Wir mussten ganz schön klettern, um auf den Grund zu kommen", sagte Herbert Hampel. Doch die Größenangabe ist die aus Kindersicht. Ganz so tief sei der Keller wohl nicht gewesen, denn die schweren Eisblöcke mussten ja reingebracht und rausgeholt werden. Gespielt haben die Kinder am und im Eiskeller noch bis weit in die 1950er Jahre hinein.

Eis vom Gutsteich

Das Eis stammte vom Gutsteich. Es wurde in Blöcke geschlagen und in Holzwolle eingepackt, dann vom Gut zum Keller gebracht. Dort hielt das Eis monatelang Vorräte frisch. Wann genau der Zichtauer Eiskeller gebaut wurde, darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. "Die Chroniken und Unterlagen sagen dazu nichts. Aber wir vermuten als Bauzeit Anfang des 19. Jahrhunderts", erklärte Magnus Staehler, Projektleiter für das Zichtauer Gut. Zu jener Zeit hätten die Güter für sich die Eiskeller für die Haltbarmachung von Lebensmitteln entdeckt.

Das Zichtauer Gut plant die komplette Wiederherstellung des historischen Eiskellers. Dafür hat es das Einverständnis von Helge Dienemann bekommen, dem dieser Bereich das Gutsparkes gehört. Der Gardeleger griff gestern Vormittag zusammen mit Magnus Staehler zum Spaten, um offiziell den Startschuss für die Freilegung des Eiskellers zu geben.

Momentan stellt sich der Keller von außen als kleine Kuhle dar, weil vermutlich das Dach ganz oder teilweise eingestürzt ist. Die Feldsteinwände und das Fundament hingegen könnten teilweise erhalten sein - das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Möglich ist, dass sich Wurzeln der benachbarten Bäume durch die Fugen des Mauerwerks gearbeitet haben.

Mitarbeiter der Landesdenkmalbehörde seien schon vor Ort gewesen und hätten ihre Zustimmung für die notwendigen Arbeiten gegeben, informierte Helge Dienemann. Dem äußeren Anschein nach handelt es sich um einen teilweise oberirdisch angelegten, übererdeten Eiskeller. Dafür sprechen der Erdhügel und die nach Norden hin abfallende Eingangsseite.

Das Ziel ist, die historischen Teile des Eiskellers zu sichern und ihn so herzurichten, dass er für Schauzwecke genutzt werden kann. "Wir möchten schon gern den Praxistest machen", sagte Magnus Staehler. Gezeigt werden soll, wie Lebensmittelkühlung im vortechnischen Zeitalter funktioniert hat. Begleitend zu den Bauarbeiten soll das Thema Eiskeller für Interessenten auch theoretisch aufbereitet werden. Unter anderem ist geplant, in der Veranstaltungsreihe Literatur am Kamin einen Abend zu Eiskellern zu gestalten. Denn während der Recherchen haben die Gutshofmitarbeiter erfahren, dass es wissenschaftliche Untersuchungen zu Eiskellern im norddeutschen Raum gibt, sogar eine Doktorarbeit ist darüber schon geschrieben worden.

Per Handschachtung und zum Teil mit einem Minibagger wird nun der Erdhügel von oben bis zum, vermutlich in Teilen eingestürzten, Deckengewölbe vorsichtig freigelegt und baustatisch gesichert. Zudem soll der Eingang freigelegt werden. Der für die Grabung störende Bewuchs wird entfernt, der Altbaumbestand aus vorwiegend Buche, Eiche und Robinie bleibt davon unberührt. Die Baustelle soll so gesichert werden, dass weder Parkbesucher noch Waldtiere in Gefahr geraten. Wenn der Eiskeller freigelegt ist, kommen die Fachleute, um die Bauzeit einzuschätzen und den Bauzustand zu begutachten. Abhängig davon werden die notwendigen Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten festgelegt und umgesetzt. Dann wird auch beraten, ob und wie die Zuwegung vom Hauptweg aus erfolgen soll. Wenn der Eiskeller instandgesetzt ist, wird er wieder übererdet. Zur Sicherung wird eine Tür eingesetzt. Ein Türfenster als Guckloch soll Besuchern die Möglichkeit bieten, ins Innere zu schauen.

"Es gibt sicher noch so einiges im Park zu entdecken", kündigte der Projektleiter des Gutes an. Vor einigen Monaten etwa ist ein Erbbegräbnis der Familie von Alvensleben gefunden worden. "Wir planen, es öffentlich zugänglich zu machen und zu zeigen, wie früher die Begräbniskultur war", sagte Magnus Staehler. Die Parkanlage Gut Zichtau ist als Kulturdenkmal ausgewiesen.