Gardelegen l Eine „Überflug-Ernte“ sieht Christian Mahlow nicht in den Erträgen dieses Sommers. Von der Beschreibung des Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaft Berge (LEG) ausgehend klingt die Ernte dieses Jahr aber immerhin solide – wesentlich besser jedenfalls als nach der schweren Dürre 2018 und 2019.

Gerste hat noch gelitten

In diesem Jahr sah Mahlow vor allem einen Vorteil, was das Wetter anging. Denn auch wenn es eher selten Niederschlag gab, kam er „immer zur richtigen Zeit“. Am vergangenen Wochenende etwa fiel noch dringend benötigter Regen – kurz vor der letzten Erntewoche, am 8. August soll die Saison auf den LEG-Äckern gegenüber von Laatzke nämlich durch sein. Dieses gute Timing hatte der Regen aber nicht immer. Im März und April gab es eine mehrwöchige Trockenphase, unter der vor allem die Gerste gelitten hat.

Mit etwa fünf Tonnen pro Hektar liege der Wert zwar knapp über dem des Katastrophensommers vor zwei Jahren (4,8 Tonnen pro Hektar). Dennoch zeichne sich hier eine Verschlechterung im Vergleich zu 2019 mit 6,4 Tonnen ab.

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„Meine Frau kann das Gejammer übers Wetter schon nicht mehr hören“, nimmt Mahlow die Situation mit Humor.

Raimund Punke, Vorsitzender des Kreis-Bauernverbandes, machte in Sachen Gerste ähnliche Erfahrungen mit seinem Klötzer Betrieb. Von den anderen Bauernverbandsmitgliedern weiß er: „Da bin ich nicht der Einzige.“

Aber das Futter für die Kühe der LEG Berge ist gesichert, alles andere könne weiterverkauft werden. So liegt der Winterroggen zwar knapp hinter dem Vorjahr (von 4,8 Tonnen auf 4,5 Tonnen), das sei aber immer noch mehr als das Doppelte von 2018 (zwei Tonnen), so Mahlow. Der Mais habe sich über die drei Jahre stetig verbessert, von 17 Tonnen 2018 – so schlecht, dass noch Mais teuer dazugekauft werden musste – auf 29 Tonnen und 38 Tonnen (nach Mahlows Prognose) in den Folgejahren. Auch der Weizen verbesserte sich durchgehend.

Vor allem beim Raps zeigt sich Mahlow „hoch zufrieden“. Der blieb mit 2,5 Tonnen in 2018 und 2019 konstant. Mit vier Tonnen pro Hektar habe sich der Ertrag in diesem Jahr fast verdoppelt. Gerade diese Ernte sei jedoch „zweischneidig“ ausgefallen, schildert Punke. Der Ertrag habe von Betrieb zu Betrieb variiert.

Neue Gewohnheiten nach Dürresommer

Die Erfahrungen des Dürresommers wirken weiterhin nach. Damals war die Situation so kritisch, dass das Land mit Fördermitteln aushelfen musste – knapp 292 Millionen Euro gingen an die deutschen Landwirtschaftsbetriebe. Ohne die Hilfe, so Mahlow, hätte sein Betrieb Unterstützung bei den Banken anfordern und sich so stark verschulden müssen.

Seitdem haben sich die Landwirte umgestellt. Die LEG Berge baue mehr Mais an, um nicht wieder nachkaufen zu müssen. Neue Krisen können aber nicht sicher abgewendet werden, da sie sich nicht genau vorhersagen lassen. Diese Unsicherheit ist laut Mahlow „das Los eines Landwirts, dass wir damit leben müssen“.

Dass sich der wenige Regen gut verteilt hat, war zudem reine Glückssache. „Der Wasserhaushalt ist noch lange nicht da“, warnt Raimund Punke. Bis dahin seien noch so einige ergiebige Schauer nötig.