Weteritz l Laute Motorsägengeräusche, herunterfallende Äste und der Krach einer Schreddermaschine – im Weteritzer Park wird ein Baum gefällt. Nicht irgendeiner, sondern die große Rotbuche, die dem Weteritzer Park sein ganz eigenes Bild gab. Ast für Ast nehmen Mitarbeiter einer Forstfirma aus dem Bördekreis vom Baum. Die Hebebühne ist voll ausgefahren – 24 Meter hoch. Unten auf dem Boden wird das Astwerk gleich geschreddert. Die dickeren Äste und Stammteile werden erstmal gesondert gelagert.

Einige Weteritzer schauen zu. Ganz kurz kommt auch Hans-Joachim Mertens vorbei. „Das ist ein schwarzer Tag für Weteritz“, betont Mertens, der sich im gesellschaftlichen Leben des kleinen Ortsteils von Gardelegen seit Jahrzehnten engagiert und sich mit der Heimatgeschichte befasst hat. Und dazu gehörte auch der Weteritzer Park mit seiner markanten Rotbuche. „Das tut weh. Wir haben unter diesem Baum als Kinder gespielt und später getanzt“, sagt Mertens. Über 200 Jahre alt ist der Baum. Er soll sogar schon vor dem Wirken des Potsdamer Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné in Weteritz im Park gestanden haben. Die Weteritzer hätten versucht, den Baum zu retten. „Mit einer Betonschicht ringsum, um die Standsicherheit zu gewährleisten“, so Mertens. Eine Genehmigung dafür gibt es nicht. Der Beton würde aufgrund seiner Wärmeentwicklung den Pilzbewuchs noch verstärken. Gefahr im Verzug, habe die Stadt gesagt. Der Baum muss gefällt werden.

Parkfest wird gefeiert

Auch Dirk Kuke und Helmut Schwarz, ein gebürtiger Weteritzer, gehören zu den Zaungästen. „Hier sind schon so viele Bäume gefällt worden, nur nachgepflanzt wurde bisher nichts“, kritisiert Schwarz. Die Rotbuche musste gefällt werden, bestätigt Bauamtsleiter Ottmar Wiesel. Der Befall mit dem Brandkrustenpilz, ein typischer Buchenschädling, sei schon weit fortgeschritten gewesen. Eine Rettung war nicht möglich. Eine Schalluntersuchung im unteren und oberen Stammbereich habe deutlich gemacht, wie stark der Baum schon geschädigt ist. Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt und dem Kreis sei entschieden worden, aus Sicherheitsgründen den Baum zu fällen. Darüber hinaus gebe es noch etwa zehn weitere trockene Bäume, die zu einem späteren Zeitpunkt gefällt werden sollen. „Die Rotbuche war aber der dringendste Fall“, so Wiesel. Auf jeden Fall werden Nachpflanzungen erfolgen. Welche Gehölze das sein werden, wird im Rahmen einer Parkkonzeption noch festgelegt. Bis zum Herbst wird es im Weteritzer Park noch ein Andenken an die Rotbuche geben. Der Stammrest bleibt vorerst noch stehen – quasi als hölzerne Tischfläche für das Weteritzer Parkfest, das am 24. August gefeiert werden soll. Danach wird das Wurzelwerk der Buche dann komplett entfernt.

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