Gardelegen l Vor drei Wochen erhielt Steffi Ros, die vor zwei Jahren die Leitung des Gardelegener Gymnasiums übernommen hatte, ein Schriftstück von der Firma Regenbogen Kommunales Netzwerk GmbH mit Sitz in Landau in der Pfalz. Ein Schreiben, das sie unterzeichnen sollte, dass die Firma im Auftrag der Schule mit Firmen über eine Zusammenarbeit verhandeln soll. „Das habe ich sofort weggeworfen“, erzählt Ros im Volksstimme-Gespräch, noch spürbar verärgert.

Der Buschfunk bringt's ans Licht

Eine Zeit später erhielt sie dann einen Anruf von einer Mitarbeiterin des Regenbogen-Netzwerkes. Sie erinnerte Ros an das Schreiben und die Unterschrift. „Das werde ich nicht tun, habe ich gesagt. Wir können die Zusammenarbeit mit unseren Firmen selbst aufbauen. Außerdem haben wir bereits eine gute Zusammenarbeit. Eine klare Ansage also“, schildert Ros das Telefonat. Damit war die Sache zunächst für sie auch erledigt. Bis zum 17. Juni.

Eher zufällig erfuhr die Schule von den Aktivitäten des Regenbogen-Netzwerkes in Gardelegen. Der Buschfunk brachte die Sache ans Licht. Wie das so ist, da kennt jemand von der Schule jemanden von einem Betrieb. In diesem Fall war es ein Bekannter der Schulsekretärin. Beide trafen und unterhielten sich.

Der Bekannte erzählte, dass es einen Anruf vom Gymnasium gegeben habe. Ein Mann war am Telefon, und der habe angekündigt, dass gleich jemand von der Schule vorbei käme, um im Auftrag des Gymnasiums eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen.

Die Frau kam dann auch, mit einem Anschreiben und dem offiziellen Logo des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. „Sie als engagiertes Unternehmen der Stadt sind während der gesamten Laufzeit von drei Jahren als unser Premium-Sponsor auf der Vitrine präsent und stets mit Ihrem guten Namen für eine gute Sache in unserer Stadt sichtbar“, heißt es da unter anderem. Außerdem werde die Schule auf ihrer Homepage über „das Projekt berichten und Sie als Sponsor hervorheben“. Eine Unterschrift fehlt.

Für die Zahlung von knapp 1200 Euro würde die Firma also Werbung erhalten für die nächsten drei Jahre.

„Das kommt definitiv nicht von uns“, stellt Ros klar. Eine solche Werbung sei in Schulen nicht erlaubt. Eine Schule dürfe auch nicht so ohne Weiteres Geld annehmen. „Denn es steht ja immer die Frage, was sich die Firma davon verspricht“, so Ros. Das habe schließlich auch etwas mit dem Thema Bestechlichkeit zu tun. Sponsoring und Spenden würden ausschließlich über den autark arbeitenden Förderverein der Schule laufen – und zwar ohne Vermittlung der Schule.

Anzeige ist raus

Bekannt sei, dass drei Firmen aufgesucht worden seien, zwei davon hätten den Vertrag unterschrieben. „Wir haben die zuständigen Behörden sowie andere Gymnasien informiert. Wir wissen nicht, ob weitere Firmen angesprochen worden sind. Wir wollen hiermit die Betriebe warnen“, betont Ros.

Sie hat am 22. Juni Anzeige bei der Polizei erstattet. Das bestätigt Stefan Kurschel vom Polizeirevier Altmarkkreis Salzwedel. Der Fall werde von der Kripo für Betrugsdelikte bearbeitet.

Im Schreiben angegeben war auch der Name einer Frau und eine Mobilfunknummer. Nachgefragt, verwies sie auf einen Vertrag mit der Schule. Sie habe „den Auftrag nur so bekommen“. Mehr könne sie nicht sagen, da müsse sie erst ihren Chef kontaktieren. Überrascht über die Anzeige war sie offenbar nicht.

Das war man auch nicht bei der Regenbogen Kommunales Netzwerk GmbH in Landau. „Ach so?“, der Geschäftsführer sei erst später wieder im Haus, hieß es.

Dann erreichte die Redaktion eine schriftliche Stellungnahme von Jan Meyer, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Regenbogen Kommunales Netzwerk GmbH. Demnach sei Grundlage immer eine vertragliche Vereinbarung. Im konkreten Fall habe man mit dem Gymnasium am 10. November 2006 eine Vereinbarung geschlossen.

Das Gymnasium habe auch eine Vitrine erhalten, die am 22. März 2007 ausgeliefert worden sei. Das Anschreiben sei ein Legitimationsnachweis, dass eine vertragliche Beziehung zur Schule vorliege. Es sei seinerzeit vom Gymnasium zur Verfügung gestellt worden.

Dass es einen Vertragsabschluss mit der Firma vor 14 Jahren gegeben habe, bestätigt Ros. Auch dass die Vitrine existiert mit uralter Werbung von Firmen, die es zum Teil gar nicht mehr gibt. Seit 2013 sei da ihres Wissens nach nichts mehr passiert.

„In dem Vertrag steht, wenn bei der Insertion nicht mindestens drei Firmen erreicht werden, sind beide Parteien berechtigt, vom Vertrag Abstand zu nehmen. Und das haben wir gemacht“, so Ros. Sie habe jedenfalls nichts unterzeichnet. Der Betrugsfall für sie bleibe mit dem Anschreiben, im Auftrag der Schule zu handeln, bestehen. Unterdessen habe es auch Kontakt mit dem Chef des Regenbogen-Netzwerkes gegeben. Er habe angeboten, die Schule solle den Vertrag schriftlich kündigen. Und die nehme im Gegenzug die Anzeige zurück.

Das sei für sie kein Thema, so Ros. Sie habe das Ganze jetzt der zuständigen Rechtsabteilung des Landes übergeben.