Letzlingen l Dieses zweite Jahr mit extremer Dürre ist außergewöhnlich und belastet auch den Wald sehr, erklärte der amtierende Leiter des Betreuungsforstamtes Letzlingen, Stefan Quitt. Denn auch die Winterniederschläge seien nicht so ergiebig gewesen, um die Wasserspeicher wieder aufzufüllen, führte er im Volksstimme-Gespräch weiter aus. Deshalb seien die Auswirkungen in diesem Jahr schon sehr gravierend.

Die Baumarten in der hiesigen Region verkraften die geringen Niederschläge sehr verschieden. Die Fichte als Flachwurzler leidet am meisten und vertrocknet peu à peu. „Sie wird verschwinden“, ist sich Quitt sicher, gerade hier auf den sehr leichten Sandböden, wie in den Bereichen Potzehne, Roxförde und Jerchel, ohne Wasserhaltevermögen.

Fichte leidet unter der Trockenheit

Auch die Lärche habe große Probleme. Und hier komme auch noch der Lärchenborkenkäfer ins Spiel, der geschwächte Lärchen befällt, sich ins Holz bohrt und so dem Baum regelrecht den Saft abdreht. Wird ein Befall festgestellt, so muss nicht nur der befallene Baum, sondern auch alles brutfähige Material des Baumes aus dem Wald entfernt werden, erklärt der amtierende Forstamtsleiter. Denn die Art überwintert entweder als Larve in der Borke des Baumes oder als geschlechtsreifes Insekt im Jungstadium in der Bodenstreu.

Die Kiefer, die Hauptbaum- art in der hiesigen Region, verkraftet die Dürre momentan noch ganz gut, schätzt er ein. Doch ihr droht von anderer Seite Unheil. Denn Waldschädlinge wie Nonne, Kiefernspinner und -spanner, Forleule oder Kiefernbuschhornblattwespe mögen Trockenheit. Das sind ideale Bedingungen für sie, um sich schlagartig und massenhaft zu vermehren. In einem Waldstück im Revier Wannefeld an der Straße zwischen Roxförde und Potzehne wurden große Fraßschäden durch die Nonnen entdeckt.

Winterbodensuche gab keinen Hinweis

Wie der zuständige Revierleiter Ralf Pieper erklärte, wurde vor einigen Tagen erst eine Fraßfläche von rund fünf Hektar festgestellt, auf der die Kronen von den Raupen der Nonnen schon fast kahl gefressen seien. Denn eine Raupe frisst rund 200 Kiefernnadeln und beschädigt beim Abbeißen noch einmal so viele.

Dabei habe sich der Befall in keinster Weise angedeutet. Bei der Winterbodensuche, bei der die Puppenhülsen gesucht und gezählt wurden, wurden nicht außergewöhnlich viele gefunden. Das wiederum deutete auf keine Gefahr durch die Nonne hin. „Wir dachten mehr an Schäden durch die Forleule, was nach den Ergebnissen der Winterbodensuche und den Falterfängen zu erwarten gewesen wäre“, so Pieper. Auch die Kiefernbuschhornblattwespe war laut Pieper mehr im Fokus, obwohl bisher noch kein extremer Fraß festgestellt wurde. Hier könnte aber aufgrund der Trockenheit immer noch eine zweite Generation Raupen schlüpfen, die meist extrem hungrig auf Kiefernnadeln ist und alles kahl frisst. Das war 2016 im Revier Jerchel und in den Randgebieten des Revieres Wannefeld der Fall. Zum Glück konnte schnell reagiert werden. Nach Feststellung des Befalls bis zur Bekämpfung aus der Luft verging gerade mal eine Woche.

Bekämpfung noch nicht notwendig

Der Nonnenbefall wurde in der vergangenen Woche mit einer Probenfällung bestätigt. Dabei wurden drei Kiefern gefällt. Die Kronen wurden auf eine Plane gelegt. Und dann wurden die Raupen eingesammelt, gezählt und bestimmt. Auch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen hat den Nonnenbefall bestätigt.

Eine Bekämpfung muss laut Quitt und Pieper noch nicht erfolgen. Denn der Fraß der Raupen ist derzeit beendet. Wie Pieper erläuterte, frisst der Nonnen-Nachwuchs bis in den Juli hinein, dann erfolgt die Verpuppung, wobei die Puppenhülsen nur lose an wenige Speichelfäden an den Stämmen hängen und so leicht mit ihrer Raupenfracht durch den Wind in benachbarte Waldstücke fliegen können, was eine Ausbreitung des Schädlings begünstigt. Mittlerweile sind die Nonnenfalter geschlüpft und beginnen natürlich nun mit der Eiablage.

Ab sofort engmaschige Überwachung

Was ab sofort erfolgt, sei eine engmaschige Überwachung, zum Beispiel mit Feromonfallen, von denen drei aufgehängt wurden, damit man 2020 keine böse Überraschung erlebt. Innerhalb einer knappen Woche hatten sich darin laut Pieper bereits 160 Falter gefangen. Und auch nach 48 Stunden nach der Leerung und Zählung flatterte es in der Falle schon wieder.

Die fraßgeschädigten Kiefern in dem Gebiet sehen zwar derzeit nicht gerade schön aus, können sich aber wieder erholen, wenn es noch mindestens eine zehnprozentige Restbenadelung gibt. Diese Baumart „ist schon sehr robust,“, erklärte Pieper, „was aber auch seine Grenzen hat.“ Regen tut dem Wald gut.