Gardelegen l „Was ist Freimaurerei?“, fragte Hans-Herbert Müller, Meister vom Stuhl der Johannis-Freimaurerloge, zu Beginn der Feierstunde die geladenen Gäste im Rathaussaal der Hansestadt. „Daheim ist sie Güte, in Gesellschaft ist sie Höflichkeit, bei der Arbeit ist sie Anständigkeit!“, gab Müller die Antwort.

Rund 80 Besucher kamen zur Feierstunde. Darunter waren unter anderem Mitglieder der Logen aus Wolfsburg, Hannover, Halberstadt, Hildesheim, Dresden oder Bielefeld anwesend. Musikalisch untermalte das Mutter- und Tochter-Gespann mit zwei Celli den feierlichen Rahmen. Dietlind und Helena Kreutz spielten beispielsweise Stücke von Joseph Bodin de Boismortier oder Michel Corrett.

Erste Loge in Gardelegen vor 200 Jahren

Müller machte in seiner Eröffnungsrede eine kleine Zeitreise durch die Geschichte der Freimaurerei. Im Jahr 1717 wurde die erste Loge in London gegründet. 20 Jahre später entstand die erste Loge Deutschlands in Hamburg. „Danach wurden in Deutschland viele Logen gegründet“, erzählte Müller weiter. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Jahr 1820 formierte sich eine eigene Loge in Gardelegen. „Diese Loge stellte aber 1839 ihre Tätigkeit wieder ein“, sagte der Meister vom Stuhl. Nach der Wiedervereinigung gab es ein neues Bestreben, eine neue Loge in Gardelegen zu gründen.

Bilder

Am 5. März 1995 wurde die Gründungsurkunde der Loge „Drei Türme im Hopfenfeld“ ausgestellt. „Unsere Grundsätze sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz“, zählte Müller auf. „Hass, Gewalt und Rassismus haben keinen Platz bei uns.“ Müller bekräftigte nochmals am Ende seiner Rede: „Wir sind kein Geheimbund und keine Sekte. Wir sind ein ethischer Männerbund. Freimaurer war, ist und wird es immer geben.“

Aber nicht nur Logenmitglieder, auch Gardelegens Bürgermeisterin, Mandy Schumacher, gratulierte zum Jubiläum. Sie ging in ihrer Rede auf den Namen der Loge näher ein. Die drei Türme stehen noch heute für den Rathausturm, die Nikolaikirche und die Marienkirche. Das Hopfenfeld soll den Hopfenanbau vergangener Tage symbolisieren. „Der Hopfenanbau war eine große Sache in unserer Geschichte“, meinte Schumacher.

Sie wies der Arbeit der Loge am eigenen Selbst im Angesicht der Gesellschaft und der Gemeinschaft eine große Bedeutung zu und betonte die Wichtigkeit der Loge für Gardelegen.

Als Dank überreichte die Bürgermeisterin nicht den Herren der Loge ein Geschenk, sondern den Damen einen Stadtrundgang durch die Hansestadt.

„Warum begehen wir diese Feierlichkeiten?“, begann Alexander Trettin, Vorsitzender des Distriktes Niedersachsen und Sachsen-Anhalt der Freimaurergroßloge, seinen Vortrag. „Ein Jubiläum ist das Trostpflaster des Älterwerdens“, meinte er lächelnd. Freimaurerei stehe für Tradition und Werte. Diese seien ein Kitt der Gesellschaft, meinte er.

Ausgehandelte Kompromisse

„Normen geben vor, wie gehandelt werden muss und sind ausgehandelte Kompromisse.“ Der Mensch müsse sie einsehen, weil sie gesetzesanaloge Verhaltensanweisungen seien. Als Freimaurer möchte man frei sein wollen, aber der Mensch dürfe nicht nur tun, was er wolle. Er müsse Verantwortung zeigen, erklärte Trettin. Ein Freimaurer lebe für die Wahrhaftigkeit und stehe dafür ein, was ein Mensch sein soll. Er trete mit seinem eigenen Sein mit anderen in Beziehung. Für diese Ausführungen erntete der Vorsitzende viel Zuspruch.

Auch Corneluis Rinne, Vorsitzender von Pegasus, dem freimaurerischen Verein für Kunst Kultur und Kommunikation, gab den geladenen Gäste Einblicke in die Ausstellung „Der große Baumeister“. Diese wurde am Freitagabend in den Räumen der Tourist-Information der Hansestadt eröffnet. Rinne hoffe, dass die angereisten Logenmitglieder noch Gelegenheit bekommen, die Ausstellung zu besuchen.

Wie Hans-Herbert Müller in einem Pressegespräch zu diesem Wochenende angekündigt hat, wolle die Loge eine größere Summe an eine humanitäre Einrichtung in Gardelegen spenden. So überreichte die Loge zusammen mit dem freimaurerischen Hilfswerk eine 1000-Euro-Spende an den ambulanten Hospizdienst in Gardelegen.

Nach der Feierstunde wurde mit Sekt auf die Loge angestoßen.