Gardelegen l Um ein Haar wäre der Minibagger samt Fahrer hineingerutscht. Kein schöner Gedanke. Denn vor wenigen Tagen tat sich vor den Grünarbeitern auf dem Gardeleger Friedhof ganz unerwartet ein sehr tiefes Loch auf. Dabei sollten die Männer lediglich eine uralte Grabstätte beräumen.

Keine normale indes, wie sich herausstellt. Denn bei der Grabanlage handelt es sich um eine Gruft, ausgelegt für mehrere Särge. Die Grabstelle war mit Ziegelsteinen gemauert und offenbar auch mit Beton abgedeckt. Und das sei in Gardelegen tatsächlich komplett ungewöhnlich, bestätigt Bettina Bauer, die in der Stadtverwaltung für den Bereich Friedhöfe zuständig ist. „Es gibt zwar ein paar Grüfte. Die sind aber ausschließlich für mehrere Urnen gedacht.“ Gerade zu Kriegszeiten sei das die Lösung gewesen, um viele Tote zu bestatten. Im Gegensatz zu den Urnengruften, deren Vorhandensein bekannt ist, sei man von der Existenz einer Gruft für Särge aber wirklich überrascht worden, betont Bauer. „Auch in den alten Büchern haben wir darüber nichts gefunden.“

Für 60 Jahre gepachtet

Bekannt ist lediglich, dass die letzte Bestattung dort 1908 stattfand. Beerdigt wurde damals Minna Frese. „Wir wissen aber nicht, ob nur ein Sarg oder mehrere in der Gruft stehen.“ Auch einen Eigentümer gebe es nicht mehr. Sicher ist zudem, dass die große Grabstelle direkt neben dem Holzweg damals für 60 Jahre gepachtet worden war. Sie war also 1968 abgelaufen.

Platz wäre darin übrigens für mindestens sechs Särge gewesen. „Heute wäre es ein Wahlgrab dreistellig“, erläutert Bettina Bauer. Nun aber wird es nicht mehr als solches angeboten werden. Dort wird keine Beisetzung mehr stattfinden. „Wir haben nicht viel Federlesens gemacht“, so Bauer. Der Bereich sei zunächst gesichert und wenige Tage später wieder mit Erde zugeschüttet worden. Die Totenruhe sei damit gewahrt. Denn in einer Gruft sei die Verwesungszeit deutlich länger, als in normalen Erdgräbern. Zudem gebe es derzeit auch genügend Platz auf dem Gardeleger Friedhof. Man müsse also nicht in die Tiefe gehen, wie bei einer Gruft.

Generell werde die Totenruhe bei Arbeiten auf den Friedhöfen sehr ernst genommen, macht die Friedhofsverantwortliche abschließend klar. In diesem Fall habe man gar nicht erst weitergemacht mit den Arbeiten. „Wenn wir Überreste gefunden hätten, wären sie aber an Ort und Stelle sofort wieder beigesetzt worden“, versichert Bauer. Und so werde auch in jedem anderen Fall verfahren, wenn Friedhofsarbeiter auf menschliche Knochenreste stoßen.