Jävenitz l Zur Personenrettung mit Löscheinsatz rückte die Kinderfeuerwehr Jävenitz am Angelteich Im Lanken aus. Und was die kleinen Feuerwehrleute bei ihrer Übung während einer Ganztagsausbildung zeigten, konnte sich sehen lassen. Nach etwas Hin- und Her-Gewusel nahmen die 16 Teilnehmer Aufstellung und waren in verschiedene Trupps eingeteilt. Ein Aufklärungstrupp, drei Rettungsteams, zwei Löschtrupps und - ganz wichtig: Die Kleinsten in der Gruppe durften Kegel aufstellen und die Unfallstelle absichern, damit nicht versehentlich noch ein Auto auf die Lichtung am Fischteich fuhr und die Rettungsarbeiten behinderte.

Vorsichtig erkundet der erste Trupp das Gelände. Liegt ein Verletzter vor dem schwarzen Passat? Unter dem Auto? Im Kofferraum? Als die Kinder ins Innere des Autos blicken, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens: Auf dem Rücksitz eine bewusstlose Person, die 15-jährige Fahrerin blutet stark am Kopf, die Beifahrerin hat eine offene Wunde am Bein. Die Opfer, dargestellt von den Jugendwehrmitgliedern Xenia Josefine Richen, Milena Weiss und Kim Köthge, werden aus dem Fahrzeug geholt Ein Einsatzwagen der Johanniter steht schon parat, aber die Verbände anlegen, das müssen die jungen Retter schon selbst. Mullbinden fliegen durch die Luft, landen auch schon mal am Boden, aber dann sitzt der Kopfverband. Und daneben hockt die kleine Lilli Kretzschmann und streichelt ganz sanft die bewusstlose Kim, die noch immer nicht wieder zu sich gekommen ist.

Trupp löscht brennendes Auto

Inzwischen sind auch die beiden Löschtrupps dem Auto zu Leibe gerückt. „Wasser Marsch!“, schreien sie. Dann ergießen sich die Wassermassen über den Passat. Dietmar Kutschker, der Leiter der Jävenitzer Kinderfeuerwehr, nickt zufrieden. Die Übung ist gut gelaufen, und er bekommt sogar noch eine kostenlose Autowäsche. Den Rest des Tages verbringen die Kinder mit einem von den Eltern gestifteten Picknick am Teich, und später geht es zurück zum Gerätehaus, wo sie zusammen übernachten wollen. „Meine Freundin Lilli und ich schlafen nebeneinander“, freut sich Lina Anuk Ziegelski schon.

Die Ganztagsausbildung der Kinderfeuerwehr ist in Jävenitz ein fester Bestandteil des Feuerwehrjahres. „Uns gibt es seit sechs Jahren. Den Ausbildungstag machen wir schon von Anfang an“, berichtet Kinderfeuerwehrwart Dietmar Kutschker. Stolz ist auch und seine Stellvertreterin Ines Richen auf das Können der Mädchen und Jungen. „Die machen das schon richtig gut“, fasst Kutschker seinen ersten Eindruck von der Übung zusammen. „Und es sind auch viele Neulinge dabei“, fügt Richen hinzu. Wie sie einschätzt, braucht ein neues Mitglied der Kinderfeuerwehr ungefähr ein Jahr, um alle für Kinder feuerwehrrelavanten Dinge zu beherrschen. „Die Kinder sind aber auch sehr wissbegierig“, freut sich die stellvertretende Jugendwartin.

Bestandteil der Nachwuchsförderung

Wie sinnvoll eine Kinderfeuerwehr für die Nachwuchsgewinnung einer freiwilligen Feuerwehr ist, machen die Zahlen aus dem vergangenen Jahr deutlich. Sieben Kinder konnten 2017 aus Reihen der Kinderfeuerwehr in die Jugendfeuerwehr übergeben werden, so Kutschker. Und auch aus der Jugendfeuerwehr wechselten zahlreiche Teilnehmer in die Abteilung der freiwilligen Brandbekämpfer.  „Das ist schon toll, wenn man bedenkt, dass wir vor sechs Jahren mit vier Kindern anfingen“, erinnert sich Kutschker. Mittlerweile gehören 18 Kinder von 5 bis 10 Jahren aus Jävenitz, Kloster Neuendorf, Gardelegen, Hottendorf und Seethen der Kinderfeuerwehr an. Weitere Anmeldungen liegen für 2019 vor, dann werden es über 20 sein.