Gardelegen l Zehn Jahre Einheitsgemeinde Gardelegen – das sollte eigentlich groß gefeiert werden. Coronabedingt geht das derzeit nicht. Im Volksstimme-Gespräch gibt Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher einen kurzen Rück- und Ausblick. Die Volksstimme selbst hat mal im Archiv geblättert, denn die Zeichen waren damals alles andere als einheitlich.

Die Stadt Gardelegen hat zweifellos mit der Gebietsreform, die am 1. Januar 2011 offiziell ihren Abschluss fand, ein Alleinstellungsmerkmal erreicht. Wer kann das schon von sich behaupten, quasi über Nacht zur flächenmäßig drittgrößten Stadt Deutschlands geworden zu sein – nach Berlin und Hamburg. Eine Fläche von 632 Quadratkilometern mit 49 Ortsteilen von Taterberg bis Seethen, von Zichtau bis Letzlingen. Ein Riesengebilde und eine Riesenherausforderung, das zu beherrschen. „Zehn Jahre Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen, das bedeutet zehn Jahre Zusammenwachsen und eine Einheit werden“, sagte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Zusammenwachsen mussten zwei Verwaltungen und 49 Ortsteile mit ihren Einwohnern und Besonderheiten.

Viel Streit am Anfang

Das Zusammenwachsen sei durchaus mit „Wachstumsschmerzen“ verbunden gewesen. „Das tat einigen damals weh“, räumte Schumacher ein.

In der Tat, anfangs hatte jeder Ort – auch Gardelegen – die gesetzlich verordnete Gemeindegebietsreform abgelehnt. Kein Ort, kein Gemeinderat, wollte die politische und kommunale Selbstbestimmung verlieren. Und Gardelegen wollte die zum Teil hoch verschuldeten Dörfer nicht aufnehmen. Streit war also vorprogrammiert. Auch nach Abschluss der Gebietsreform, als so das eine oder andere ans Tageslicht kam. Unmengen Unkrautvernichtungsmittel in Breitenfeld für 1600 Euro. „Damit kann man ja die halbe Altmark entlauben“, hatte eine Kommunalpolitikerin seinerseits erschüttert festgestellt. Zumal im öffentlichen Bereich solche Gifte überhaupt nicht verwendet werden dürfen. Die teuren Dorfgemeinschaftshäuser, die vor allem nur eines brachten: Ausgaben, aber kaum Einnahmen. Der Plan, die meisten Häuser zu privatisieren, sorgte ebenfalls für Streit.

Spargelfest-Moderation in Letzlingen von der damaligen Bürgermeisterin Regina Lessing für ordentlich Honorar, auch das sorgte für Zündstoff. Denn in Letzlingen hatte man angenommen, das sie das umsonst übernommen hatte. Kassieck etwa und Jävenitz traten als Rebellen auf. In Jävenitz gab es zum Jahreswechsel 2010/2011 sogar einen Zapfenstreich. Bürgermeister Heinz Baldus holte die Jävenitzer Fahne vor dem Jävenitzer Rathaus ein. Beide Orte haben seitdem keinen Ortschaftsrat mehr, weil die Gemeinderäte seinerzeit eine Ortschaftsverfassung, in der solche Fragen geregelt wurden, abgelehnt hatten. Einen Ortschaftsrat hat auch Jerchel nicht. Dort wurden aber nur Fristen verpasst.

Inzwischen zusammengewachsen

Das alles ist nun gut zehn Jahre her. „Inzwischen ist zusammengewachsen, was 2011 gesetzlich so vorgeschrieben war“, betonte Schumacher. Viele Bauprojekte, viele Wünsche hätten verwirklicht werden können, besonders in den Ortsteilen Estedt, Mieste und Jävenitz. Die Ortschaftsräte und Ortsbürgermeister würden gemeinsam mit Vereinen und engagierten Bürger das Leben vor Ort gestalten. Auch wenn Entfernungen für einige Bürger zum Sitz der Verwaltung länger geworden sind, seien die Drähte in einigen Bereichen kürzer geworden. Das Sag’s-uns-einfach-Portal habe sich als heißer Draht zur Verwaltung bewährt. „Schnell, unkompliziert, nachvollziehbar – so soll das Miteinander ablaufen“, betonte Schumacher. Bürgersprechstunden in den Ortsteilen, Erreichbarkeit der Verwaltung auch außerhalb der täglichen Sprechzeiten, Wir-für-uns-Zukunftsgespräche mit Bürgern, die städtische Website und Social-Media-Kanäle würden Kommunikation und Information bieten.

Kurze Drähte

„Auch im Stadtrat ist der Prozess des Zusammenwachsens zu erkennen. Abstimmungsergebnisse laufen quer durch die Ortsteile über frühere Verwaltungsgrenzen oder Parteilinien hinweg“, so Schumacher. Die Einheitsgemeinde werde lebenswert bleiben, wenn viele Menschen sich einbringen.

Groß gefeiert werden kann das vorerst nicht. Auch der am 9. Mai geplante Bürgerempfang wird wohl nicht stattfinden. „Vielleicht wird es im Sommer eine Feier geben im Freien, wo dann auch die Menschen teilnehmen können“, hofft Schumacher.

 
 
 
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