Gardelegen/Magdeburg l Noch ist es nur ein Entwurf, Änderungen sind durchaus noch möglich. Aber in dem von der Landesregierung erarbeiteten Zahlenmaterial hat der Bau eines Besucher- und Dokumentationszentrum keinerlei Berücksichtigung gefunden. Baustart sollte Anfang 2017 sein, die geplante Einweihung Mitte 2018. Das jedenfalls war das erklärte Ziel bei der Vorstellung des Projektes im April dieses Jahres.

„Im Entwurf des Doppelhaushaltes 2017/2018 ist kein Geld dafür vorgesehen“, bestätigte auf Anfrage Daniel Mouratidis, zweiter stellvertretender Regierungssprecher der Staatskanzlei. Die Staatskanzlei und das Ministerium für Kultur würden aber das Vorhaben durchaus als prioritär einordnen. „Man bemüht sich um andere Möglichkeiten. Wir wollen schauen, dass das auch vor 2019 gelingt. Der Haushalt ist sehr eng gestrickt. Hätten wir unbegrenzt Geld, würden wir alles umsetzen“, so Mouratidis. Welche Möglichkeiten konkret, ließ er allerdings offen. Bisher seien für die Gedenkstätte 800 000 Euro genehmigt worden, so Mouratidis.

Zwei Jahre Aufschub geplant

Sollten für 2017/18 keine Mittel eingestellt werden, „würden die mit der Übernahme der Gedenkstätte durch die Stiftung verbundenen Erwartungen massiv enttäuscht werden“, teilte Dr. Kai Langer, Direktor der Landesgedenkstättenstiftung, dazu auf Volksstimme-Anfrage mit. Er fügte hinzu: „Diese Einschätzung gilt nicht nur mit Blick auf die geschichts- und kulturinteressierte Öffentlichkeit in Gardelegen, sondern auch im Hinblick auf die gesamte Bundesrepublik.“ Darüber hinaus könne auch von den in allen Teilen Europas lebenden Angehörigen der Opfer des Massakers nicht erwartet werden, dass sie mit Verständnis auf eine politisch motivierte Verzögerung des Gedenkstättenausbaus reagieren werden. Langer: „Ein Vertrauensverlust wäre hier wohl die Folge.“

Ende August habe die Staatskanzlei die Stiftung erstmals von ihren Überlegungen in Kenntnis gesetzt, die für 2017/18 geplante Errichtung des Besucher- und Dokumentationszentrums um zwei Jahre zu verschieben, teilte der Direktor auf Anfrage mit. Als Grund seien notwendige Einsparungen im Landeshaushalt geltend gemacht worden. Ende September habe es ein weiteres Gespräch in der Staatskanzlei gegeben. Langer: „Wir wurden darüber informiert, dass man derzeit an einer alternativen Lösung arbeite, die es erlaube, das Bauvorhaben im geplanten Zeitraum, aber haushaltsneutral, zu realisieren. Einzelheiten sind uns dazu bisher nicht bekannt.“

Beschluss erst im Frühjahr

Der Stiftungsdirektor verdeutlicht: „Sollte sich das Bauvorhaben tatsächlich um zwei Jahre verschieben, wäre dies ein schwerer Schlag für entsprechende Bemühungen der Stiftung und der Hansestadt Gardelegen! In diesem Vorhaben steckt sehr viel Herzblut!“ Die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe soll ein zentraler Lernort für die nationalsozialistischen Todesmarsch-Verbrechen werden. Langer: „Ein solcher fehlt bisher nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern bundesweit.“ Ohne den Bau „bliebe der historische Ort zunächst weiter eine reine Freiluftgedenkstätte“, denn ohne Gebäude könne auch nicht die Ausstellung fertiggestellt werden.

Der Entwurf des Doppelhaushaltes wurde vor kurzem im Landesparlament erstmals beraten. Die Beschlussfassung soll im Frühjahr erfolgen.