Meterhoch schrauben sich die Feuersäulen am Sonnabend kurz nach 20 Uhr in den dunklen Abendhimmel. Es lodert aus allen Maueröffnungen. In Winkelstedt, in umittelbarer Nähe des Ortsausganges in Richtung Wustrewe, steht eine altes Stallgebäude lichterloh in Flammen. Als solches wird es allerdings schon lange nicht mehr genutzt. Stattdessen trägt es seit einigen Monaten eine flächendeckende Fotovoltaikanlage. Dafür war es zuvor von seinem Asbestdach befreit und mit Blechplatten belegt worden.

Und genau diese liefern nun auch den Grund dafür, warum die Feuerwehr am Anfang wenig bis gar nichts ausrichten kann. Sie muss das betreffende und aus Betonhohlsteinen bestehende sowie in typischer DDR-Bauweise errichtete Stallgebäude, in dem zu LPG-Zeiten einmal Kälber untergebracht waren, kontrolliert abbrennen lassen. Wasser kommt erst einmal nicht zum Einsatz. Denn vermutet wird, dass noch immer Strom anliegt im Gebäude. Die Blechplatten verhindern zudem ebenfalls, dass ordentlich gelöscht werden kann. Die 52 Einsatzkräfte, die unter der Leitung des Kakerbecker Wehrleiters Ulf Kamith agieren und die aus Winkelstedt selbst, aus Kakerbeck, Wustrewe, Brüchau und Kalbe angerückt sind, können nur verhindern, dass das Feuer auf die benachbarten und ebenfalls mit Fotovoltaikdächern belegten Stallgebäude sowie auf angrenzenden Baumbewuchs übergreift.

Energieversorger muss helfen

Der Versuch, den Eigentümer des Gebäudekomplexes und somit auch den Betreiber der Fotovoltaikanlage zu erreichen, bleibt am Anfang erfolglos. Er ist nicht vor Ort ansässig, sondern in Sachsen. Stattdessen wird der regionale Energieversorger kontaktiert, der dann dafür Sorge trägt, dass der Stromfluss unterbrochen und Schlimmeres verhindert wird. Anschließend kann die Feuerwehr auch umfassender agieren. Sie reißt eine Wand des brennenden Gebäudes ein und stellt fest, das darin, so Einsatzleiter Kamith, rund 80 Kubikmeter Altreifen lagern. Zudem wird ein Landwirt aus dem nahen Faulenhorst um technische Unterstützung gebeten. Er hilft mit einem Traktor samt Frontlader, die Dachkonstruktion abzutragen, so dass die Altreifen schließlich mit Schaum abgelöscht werden können. Die Nacht über gibt es eine Brandwache.

Auch die Polizei ist vor Ort und nimmt Ermittlungen zur Brandursache auf. Außerdem gelingt es ihr schließlich, den Eigentümer zu erreichen, der sich auch umgehend auf den Weg nach Winkelstedt macht und der dort auch am gestrigen Sonntag noch vor Ort ist. Der entstandene Schaden wird von der Polizei auf rund 75 000 Euro geschätzt. Wodurch das Feuer entstanden sein könnte, ist aktuell noch offen. Strom war zum Zeitpunkt des Brandausbruchs nicht in der Fotovoltaikanlage produziert worden, weil es die Witterungsverhältnisse nicht zuließen und es zudem bereits dunkel war.

Im Jahr 2017 war erstmals das Vorhaben, die ehemalige LPG-Immobilie in Winkelstedt für Fotovoltaik-Zwecke zu nutzen, öffentlich kommuniziert worden. Im vergangenen Jahr waren dann die Stalldächer belegt worden, die eigentlich geplante Freiflächenanlage konnte bislang hingegen nicht realisiert werden.

Für die Kalbenser Feuerwehr war es übrigens am Sonnabend bereits der zweite Einsatz des Tages – und überhaupt des neuen Jahres. Am Vormittag hatten Kameraden mithilfe des Drehleiterfahrzeuges die Lichterkette von der Burgruine geholt. Im Gegensatz zu dem, was dann am Abend folgen sollte, aber ein Einsatz ohne negativen Hintergrund.