Verein will Dorfgemeinschaftshaus übernehmen

Große Pläne für den kleinen Saal in Berge

Das Berger Dorfgemeinschaftshaus hat einen Dachschaden. Der Saal ist gesperrt. Der Sanierungsaufwand wäre groß. Die Stadt will den Gebäudeteil abreißen lassen. Die Berger wollen ihn retten.

Von Gesine Biermann
Das Dorfgemeinschaftshaus in Berge: Im Obergeschoss ist eine Wohnung, der Saal ist ein Anbau im hinteren Bereich.
Das Dorfgemeinschaftshaus in Berge: Im Obergeschoss ist eine Wohnung, der Saal ist ein Anbau im hinteren Bereich. Foto: Stefanie Brandt

Berge - Hier treffen sich die Vereine, der Ortschaftsrat oder die Leute privat zum Feiern. Hier tritt zu Weihnachten der Kindergarten vor den Großeltern auf. Seit gut einem Jahr allerdings passiert nichts mehr im Saal. Das Dach ist nicht mehr sicher. Der Raum ist gesperrt. Und die Sanierung wäre teuer. Rund 200 000 Euro schätzen die Fachleute der Verwaltung. Die Crux: Würde der eine Gebäudeteil saniert werden, müsste das Gesamtensemble sicherheits- und brandschutztechnisch ebenfalls den aktuellen Vorgaben entsprechen. Das stehe in keinem Verhältnis zur Nutzung, sagt die Verwaltung. Deshalb wird der Abriss vorgeschlagen.

Damit wollen sich die Berger allerdings nicht abfinden, haben sie sich kurzerhand mit Handwerkern der Region beraten. Ihr Fazit: Die Sanierung wäre – mit einigen Kompromissen machbar. Welche das sind, beschrieb Ortsbürgermeister Paul Berlin gestern im Volksstimme-Gespräch. Würde man zum Beispiel auf die Wohnung im Obergeschoss des Vorderhauses verzichten, die ohnehin nicht den aktuellsten Anforderungen entspräche, könne der teure Treppenumbau wegfallen. Und nach dem Abriss einer angrenzenden Garage wäre im Bereich der Küche auch die Installation einer zweiten Außentür als Fluchtweg möglich.

Zudem habe man sich über das Thema Trägerschaft Gedanken gemacht. Nach Gesprächen habe sich der Verein Dorfleben Berge „einstimmig dafür ausgesprochen, die Verantwortung zu übernehmen“, betont Berlin. Das habe Vereinschef Mario Brune am Montag mit dem Ortschaftsrat besprochen. „Und er hat sich auch schon an die Stadt gewandt“, die wiederum Gesprächsbereitschaft signalisiert habe, freut sich Berlin.

Ich sehe jedenfalls in der großen schwarzen Wand jetzt doch ein kleines Loch.

Ortsbürgermeister Paul Berlin

Wie genau die Verantwortung aussehen soll, die der Verein übernehmen würde, müsste natürlich noch geklärt werden, betont er. Der Verein würde die Leitung des Umbaus übernehmen. Die Stadt könne aber nicht ganz aus der finanziellen Verantwortung entlassen werden. Immerhin gehe es hier um den sozialen Treffpunkt für über 600 Einwohner aus Berge, Ackendorf und Laatzke. Alles was besprochen wurde, sei für ihn derzeit aber sehr ermutigend: „Ich sehe jedenfalls in der großen schwarzen Wand jetzt doch ein kleines Loch.“

Und mit dieser vorsichtigen Einschätzung kann auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher derzeit mitgehen. So ganz im Bilde sei sie zwar noch nicht, machte sie gestern auf Volksstimme-Nachfrage deutlich, aber sie werde sich selbstverständlich mit den Bergern zusammenzusetzen und alles weitere besprechen. „Allerdings müssen wir ihnen auch sagen, was da auf sie zukommt“, betonte Schumacher. Für die Übernahme von kommunalen Objekten gebe es verschiedene Optionen. Und das Grundproblem seien eben immer noch die hohen Grundkosten. Eine städtische Beteiligung wollte sie zwar nicht ausschließen. Sicher allerdings ist: Die Stadt werde keine Vereinskredite abzahlen.