Auftakt für Gemeindliches Entwicklungskonzept

Ideenwettbewerb mit Suche nach einem Logo

Von Cornelia Ahlfeld

Für die Einheitsgemeinde Gardelegen soll ein Integriertes Gemeindliches Entwicklungskonzept erarbeitet werden. Ziel sei es, dem demografischen Wandel zu begegnen und trotz weniger Einwohner und weniger Einnahmen die Lebensqualität im ländlichen Raum zu erhalten und zu verbessern.

Gardelegen l Die Situation sei dramatisch und werde noch dramatischer werden. Weniger Kinder, mehr Sterbefälle, insgesamt weniger Einwohner - das hat Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, auf die Infrastrukturen und auf das Geld. Die Einheitsgemeinde Stadt Gardelegen will die Problematik aber aktiv angehen, Mittel und Wege aufzeigen, wie die Lebensqualität im ländlichen Raum erhalten und sogar noch verbessert werden kann. Und dazu gibt es einen neuen Plan, das sogenannte Integrierte Gemeindliche Entwicklungskonzept, kurz IGEK, das für die Stadt und deren Ortsteile innerhalb des nächsten Jahres erarbeitet werden soll.

Dazu fand jetzt im Rathaussaal die Auftaktveranstaltung statt. Zu den Teilnehmern gehörten neben Bürgermeister Konrad Fuchs, Wilfried Köhler vom Verkehrsministerium, Marcel Heins von der Hochschule Anhalt und Heike Winkelmann und Jan Spielmann von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, die das Konzept im Auftrag der Stadt erarbeiten wird. Gekommen waren zudem viele Interessenten, Vertreter von Vereinen, Stadträte und Kulturschaffende.

Eingangs referierte Fuchs dann über eines seiner Lieblingsthemen, den demografischen Wandel, zugleich auch Ausgangspunkt für das Konzept, das landesweit in zehn Modellstädten entwickelt wird.

Der Einwohnerschwund sei allerdings ein Prozess, der sich schon lange hinziehe, jetzt aber erst wahrgenommen werde, so Fuchs. Waren es Anfang der 1980-er Jahre in der Kernstadt noch um die 240 Geburten pro Jahr, seien es Ende der 80-er Jahre noch 160 bis 180 Geburten gewesen. Mit der Wende sei mit 75 bis 100 Geburten pro Jahr der nächste Einbruch gekommen. Laut den Prognosen des statistischen Landesamtes werden sich die Einwohnerzahlen in die Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen von 24183 auf 19195 Einwohner verringern. "Das sind 5000 Einwohner weniger. Die sind dann einfach so weg", stellte Fuchs klar. Es werden auch künftig weniger Kinder geboren werden. Die Zahl der Sterbefälle werde steigen. "Es sterben doppelt so viele Menschen wie geboren werden", so Fuchs.

"Weniger Menschen, weniger Geld. Wir müssen uns diesen Herausforderungen stellen."

Auf der anderen Seite nehme die Zahl der über 65-Jährigen zu. Diese Gesamtentwicklung werde erhebliche Konsequenzen haben. "Weniger Menschen, weniger Geld. Wir müssen uns diesen Herausforderungen stellen, wie wir mit diesen Fakten umgehen", betonte Fuchs. Eine wichtige Lösung, um auch die Wegzüge zu reduzieren, seien Arbeitsplätze vor Ort, die auch noch ordentlich bezahlt werden.

Wilfried Köhler vom Verkehrsministerium wollte diese Dramatik "unterstreichen und verstärken" und nannte einige Landeszahlen. Ende der 80-er Jahre habe es im Land 35000 Geburten gegegen, jetzt seien es noch 17000. "270000 Menschen haben wir durch Sterbefälle verloren und 250000 durch Wegzüge. Das sind ein halbe Million Menschen, die uns fehlen", so Köhler. Junge Menschen würden in die Ballungsräume der Großstädte abwandern. "Der ländliche Raum ist momentan nicht trendy" so Köhler. In Russland etwa seien durch den Bevölkerungsschwund 12000 Dörfer wüst geworden. "Soll das auch bei uns passieren? Nein, das wollen wir nicht. Unsere Dörfer sind oft über 1000 Jahre alt, und sie sollen eine Zukunft haben", stellte Köhler klar. Gardelegen sei nach der Gebietsreform die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands geworden. "Gardelegen muss sich neu aufstellen, neu finden", so Köhler, und die Stadt müsse ein neues Miteinander mit den 49 Ortsteilen finden. Und das IGEK sei dabei ein roter Faden für die gemeinsame Entwicklung, eine Hilfe zur Selbsthilfe.

In die Konzepterarbeitung sollen vor allem auch die Einwohner einbezogen werden. In den kommenden Monaten läuft die Planungsphase. Im Rahmen der Planung soll ein Ideenwettbewerb stattfinden. Gesucht wird ein Logo für die Einheitsgemeinde als visuelle Dokumentation der Neuausrichtung der Stadt als Einheit. "Es sind alle Bürger der Stadt aufgerufen, ihre Sicht auf die Einheitsgemeinde, auf mögliche Alleinstellungsmerkmale oder auch die persönliche Bedeutung der Stadt grafisch in einem Logo auf Papier oder digital darzustellen", erläuterte Heike Winkelmann von der Landgesellschaft. Eine Jury werde den Preisträger ermitteln. Die Arbeiten können bis zum 15. November eingereicht werden.

Kontakt: Stadtverwaltung, Christina Schneider, Telefon (03907) 716175, E-Mail christina.schneider@gardelegen.info, oder Marion Peist, Telefon (03907) 716177, E-Mail marion.peist@gardelegen.info. Landgesellschaft Sachsen-Anhalt: Heike Winkelmann, Telefon (0391) 7361742, E-Mail winkelmann.h@lgsa.de, Jan Spielmann, Telefon (0391) 7361760, E-Mail spielmannj@lgsa.de.