Zichtau l Wölfe halten sich nicht an Vorgaben. Und sie lassen sich eben auch nicht so einfach zählen. Dennoch gibt es eine offizielle Schätzung: Von 90 Wölfen in Sachsen-Anhalt sprach zumindest Hans-Heinrich Jordan, Präsident des Landesjagdverbandes, am vergangenen Freitag im Zichtauer Ferienpark. Dorthin hatten ihn die Gardeleger Jäger zu ihrer Jahressitzung eingeladen. „Wir als Jäger sind für Artenvielfalt verantwortlich. Und wir stehen auch zu unseren Gesetzen“, erinnerte Jordan die Jagdkollegen in Zichtau. Es müsse eine andere Lösung geben, als den Wolf ins Jagdgesetz aufzunehmen, wie es in Sachsen beschlossen wurde. Dennoch fand Jordan auch deutliche Worte: „90 Wölfe im Land Sachsen-Anhalt sind genug“, betonte er. Das seien rein rechnerisch vier bis fünf Tiere auf 100 000 Hektar.

Auch diese Zahl ist allerdings eine Schätzung. Die Mitglieder der Gardeleger Jägerschaft gehen offensichtlich von deutlich mehr Tieren aus. Darauf ließ zumindest das Protestgemurmel während Jordans Vortrag schließen. Den Ärger der Kollegen konnte der Redner aber auch nachfühlen. Denn „der Wolf bringt eine Vielzahl von Problemen mit sich, die man nicht einfach unter den Tisch kehren kann“. Er sei eine Gefahr für die Hunde oder sorge zum Beispiel auch für eine Großrudelbildung beim Schwarzwild. Er setze deshalb auf eine stärkere Zusammenarbeit von Naturschützern und Jägern. Zum Glück, so Jordan, würden die Argumente der Jäger in den vergangenen Monaten aber immer mehr berücksichtigt.

Drastischer sah allerdings Gerhard Henke, Vorsitzender der Gardeleger Jägerschaft, die Situation um den Wolf. „Die ungehinderte Vermehrung der Wolfspopulation ist nicht mehr hinnehmbar. Die Politik muss endlich aktiv werden!“, forderte er. Andere EU-Länder jagten den Wolf schließlich seit Jahren nach wissenschaftlich fundierten Abschussplänen. Die Probleme mit dem Wolf, die von Jägern in Sachsen oder Brandenburg bereits vorhergesagt worden waren, seien nun auch in Sachsen-Anhalt eingetreten, so Henke. „Vom Muffelwild, dessen völlige Ausrottung in Kürze zu erwarten ist, gibt es nur noch Restpopulationen“, schätzte er ein.

Wild ist "heimlich" geworden

„Wir sollen stärker herangezogen werden für die Begleichung der Wildschäden im Wald.“ Verursacht durch den Wolf sei das Wild insgesamt „so heimlich“, dass eine Bejagung nur noch eingeschränkt möglich sei. Zudem gebe es durch die Flucht des Schalenwildes aus den Waldgebieten in die Feldgebiete deutlich mehr Wildschäden.

Und für letzte sollen, so sieht es offenbar zumindest die Politik, zukünftig die Jäger mehr in die Pflicht genommen werden. „Wir sollen stärker herangezogen werden für die Begleichung der Wildschäden im Wald“, informierte Jordan die Gardeleger Jäger. Solche Nachrichten sorgen natürlich für Unruhe, gab er zu. In Sachen Jagdpolitik müsse man auf die Landtagswahl hoffen. Jeder Jäger könne mit seiner Stimme übrigens darauf Einfluss nehmen, erinnerte Jordan.

Gute Nachrichten hatte der Präsident allerdings auch mitgebracht: Der Entwurf des neuen Bundesjagdgesetzes sehe danach aus, „dass wir gut damit leben können“. Einige Themen seien die bundeseinheitlichen Prüfungen für Neujäger und die Umstellung der Munition „weg von Blei“. Einrichten müssen die Weidmänner sich allerdings darauf, dass künftig bei Gesellschaftsjagden durch den Jagdleiter kontrolliert wird, ob die Teilnehmer mindestens ein Übungsschießen im Jahr nachweisen können.