Gardelegen l Im Grunde sind sich alle einig: Gardelegens Kinderklinik ist wichtig. Darüber gab es beim Besuch des Landeschefs am 6. Juli wohl keine Zweifel – auch wenn Ministerpräsident Reiner Haseloff die Zahl der Betten nicht ganz korrekt auf dem Schirm hatte – es gab da eine kurze Verwechslung mit Havelberg.

Aber das nahm Haseloff gleich zum Anlass für einen Stoßseufzer: „Gott sei Dank“ habe ja hier der Landkreis selbst den medizinischen Versorgungsauftrag – das kürzlich geschlossene Havelberger Klinikum war in privater Hand. Zudem sei die Lage nicht zu vergleichen: „Hier liegt das Krankenhaus mitten im Revier.“ Noch ein Pluspunkt: Im Gegensatz zu Havelberg sei „hier ja auch noch eine langfristige Planung“ möglich. Und an der müsse gearbeitet werden.

Was der Wunsch der Region sei, so Haseloff, könne er sich natürlich denken. Blick auf Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher: „Was Sie wollen, auch.“ Deshalb müsse man nun erst einmal sehen, „was vorhanden ist und was wir aus diesem Mix machen können.“

Und darüber ließ sich Haseloff dann zunächst von Landrat Michael Ziche ins Bild setzen.

Als solcher gab auch der ein starkes Statement ab: „Als Landrat kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass eine Stadt wie Gardelegen keine Kinderklinik hat“, betonte er, aber die Ökonomie spiele nun mal eine große Rolle. „Die Rahmenbedingungen entwickeln sich schlecht.“ Ziche erinnerte vor allem an die Einführung der Pauschalen vor zehn Jahren. „Wir haben Vorgaben des Bundes zu erfüllen, und die entwickeln sich stark in Richtung ambulante Behandlungen.“

Ohne Klinik nicht vorstellbar

Indes wolle man sich nicht nur an den Strukturen festmachen, sondern vor allem am medizinischen Bedarf, betonte Ziche. Und der sei da, in Gardelegen und auch in den Nachbarregionen wie Haldensleben.

Ziche, der auch im Aufsichtsrat der landeseigenen Salus Altmark Holding (SAH) GmbH sitzt, die Träger des Altmark-Klinikums ist, nannte als Beispiel die relativ stabile Entbindungszahlen: Auf etwa 700 Geburten altmärkischer Kinder in beiden Häusern kämen weitere 100 Babys, deren Eltern nicht aus der westlichen Altmark kommen. Und auch die Fallzahlen gingen nicht zurück, bestätigte Ziche auf Nachfrage des Ministerpräsidenten, der wissen wollte, ob wirklich weniger erkrankte Kinder da seien.

Allerdings sei die Sache komplexer, schränkte SAH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Fitz-Mahlow ein: Hohe Zahlen gebe es, aber eben nur „in der Erstversorgung und in Notfällen“, nicht stationär. Das Defizit, das die Kinderklinik verursache, lasse sich deshalb nicht mehr ausgleichen. Auch Fietz-Mahlow räumte aber ein, dass es „wohl kaum ein Krankenhaus in Deutschland gibt, dass in der Pädiatrie ein positives Ergebnis hat.“ Das ambulante Angebot stehe deshalb auch nicht infrage und es werde auch „stationäre Kapazitäten“ geben.

„Auch für Kinder?“, hakte der Landeschef nach. „Auch für Kinder“, bestätigte der Geschäftsführer, „wir sehen ja, dass Bedarf da ist.“

Und darin stimmte er ohne Frage mit den Mitgliedern des Fördervereines Kindertraum überein. Der hatte sich in den vergangenen Wochen nach Bekanntwerden der möglichen Schließung der Klinik nämlich mit aller Kraft für deren Erhalt in Stellung gebracht. In nur einer Woche hatten die Mitglieder mehr als 14  000 Unterschriften gesammelt, und mittlerweile selbst eine Stellenanzeige für die zum Jahresende vakante Chefarztstelle aufgegeben, auf die es offenbar auch schon Reaktionen gab.

In Gardelegen fänden Eltern derzeit mit den Möglichkeiten von der Entbindung bis zur Betreuung älterer Kinder hervorragende Bedingungen für die Gesundheitsversorgung vor, betonte Fördervereinsvorsitzende Christine Schulz denn auch noch einmal gegenüber dem Landeschef und warb mit flammenden Worten für den Erhalt der Klinik. Denn: „Kinder auf der Erwachsenenstation? Das ist nicht das, was wir wollen“, stellte sie klar.

Reiner Haseloffs Worte am Ende der Gesprächsrunde dürften sie und ihre Mitstreiterinnen, wie Sandra Hietel, deshalb wohl besonders optimistisch gestimmt haben. „Aufgabe verstanden“ versicherte der Ministerpräsident nämlich und: „Alle wollen, dass sie erhalten bleibt.“