Jävenitz l „Es gab sehr viele Rückmeldungen seit dem Artikel in der Volksstimme“, erzählt Christian Matthies und blickt auf einen Stapel alter Fotos. Vor allem ein in der Zeitung abgedrucktes Bild einer Christenlehre-Gruppe hat viele Leute bewegt, ihn anzusprechen. Besonders gefreut hat ihn, dass eine ältere Jävenitzerin ihm alle Namen zu dem Foto aufgeschrieben hat. Auch eine ganze Kiste voller alter Dias haben die Brüder erhalten. Außerdem meldete sich ein 90-jähriger ehemaliger Jävenitzer, der nun in der Nähe von Stuttgart wohnt, weil er im Internet den Suchaufruf gelesen hat. Er hat seine Erinnerungen für seine Familie aufgeschrieben und stellte sie den Brüdern zur Verfügung. Besonders über seine Konfirmation im Jahr 1941 konnte er viel erzählen.

Außerdem haben die beiden inzwischen guten Kontakt zum Sohn des Kirchenmalers Fritz Mannewitz, der damals die Decke des Gotteshauses gestaltet hat.

Hinweise auf Gefallene

Viele Hinweise gab es zu den Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg, die auf der Gedenktafel in der Kirche nicht erwähnt werden. Kein Wunder, dass auf der Tafel so viele Namen fehlen, immerhin stammt sie bereits aus dem Jahr 1941. „Es sind tragische Schicksale, oft von sehr jungen Jävenitzern“, sagt Christian Matthies. Einige von ihnen werden in der Chronik des Gotteshauses – stellvertretend für viele ungenannte – mit Bild und einer kurzen Lebensbeschreibung vorgestellt. „Manchmal gibt es keine Bilder mehr dazu, teilweise haben wir nur noch die Namen“, sagt der 35-Jährige bedauernd. Denn es ist ihm ein großes Anliegen, den Menschen „ein Gesicht zu geben“.

Was er noch schmerzlich vermisst: „Wir suchen ein Bild von Pfarrer Dölz“, sagt er. Geforscht hat er nach einer Aufnahme des Geistlichen, der zur Zeit des Kirchenbaus in Jävenitz Dienst tat, in vielen Bibliotheken und Archiven. Handschriften und Urkunden fanden sich viele, es gab viel Schriftverkehr über den Kirchenbau. Friedrich-Wilhelm Dölz muss ein engagierter und energischer Mann gewesen sein, der den Bau des Gotteshauses maßgeblich vorangebracht hat. Er war bis 1925 Pfarrer in Jävenitz. „Das ist lange her, aber es ist schon eine Zeit, in der viel fotografiert wurde“, so Christian Matthies.

Bauarbeiten mitten im Ersten Weltkrieg

Was muss das für ein Akt gewesen sein, mitten im Ersten Weltkrieg eine Kirche zu errichten. Der Chronist weiß von der Inflation zu erzählen, vom Baustopp. Ungewöhnlich auch: „Es gab vorher keine Kirche in Jävenitz. Alle Dörfer hatten eine, nur wir nicht. Wenn sie 1914 nicht angefangen hätten, hätte Jävenitz wahrscheinlich noch immer keine Kirche“, meint der 35-Jährige.

Rund 100 Seiten starke Chronik

Die Chronik, die die beiden Brüder erarbeitet haben, liegt inzwischen in Rohfassung vor. Es wird ein kleines Büchlein von rund 100 Seiten werden. Viel dicker darf es nicht sein, damit es für die Jävenitzer erschwinglich angeboten werden kann. Ganz abgeschlossen ist die Arbeit noch nicht. Jävenitzer, die für das Buch noch Bilder zur Verfügung stellen möchten, können dies bis Ende August tun. Weitere Fotos und historische Abbildungen werden am Festtag, Sonnabend, 7. Oktober, in Form einer Ausstellung präsentiert. Ab 15.30 Uhr wollen dann die Brüder Matthies in einem Vortrag einen kurzen Überblick über die Geschichte der Kirche geben.

Wer mit den beiden Kirchen-Chronisten ins Gespräch kommen möchte, ist herzlich eingeladen zum Besuch auf der Klönbank: Am Jävenitzer Klönbank-Tag, Sonnabend, 19. August, sind Christian und Maik Matthies auf der Bank vor ihrem Haus, Altes Dorf 6, anzutreffen und freuen sich über Besuch.