Gardelegen l „Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an ...“ – dieses bekannte Kinderlied kennt vermutlich jeder, aber nach der bunten Malerei kommt der erste Frost, und die Farbenpracht liegt auf Straßen und Wegen, in Vorgärten – überall da, wo Laubbäume stehen. Die Eigentümer sind verpflichtet, auch vor ihren Grundstücken im öffentlichen Bereich das Laub zu entsorgen. Nicht jeder hat einen Komposthaufen im Garten. Mitunter sind die Laubmengen auch enorm. Also wohin damit? Vor drei Jahren hatte die Stadt Gardelegen mit der Deponie ein Pilotprojekt gestartet. Zunächst mit einem Container im Jägerstieg. Das indes sei keine dauerhafte praktikable Lösung gewesen. „Wir haben dann nach anderen Möglichkeiten gesucht“, informierte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher am Mittwoch vor Pressevertretern.

Testlauf im Jägerstieg und in Theerhütte

Und die andere Möglichkeit fand dann Deponie-Geschäftsführer Steffen Romatschke: den Biolaubsack. „Das ist nicht unbedingt etwas ganz Neues. Das gibt es schon in anderen Kreisen“, räumte Romatschke ein. Aber das habe funktioniert, wie der Testlauf im Rahmen des Pilotprojektes Laubsack gezeigt habe. Im Jägerstieg in Gardelegen, in Letzlingen und in Theerhütte – dort stehen ganz viele große Bäume am Straßenrand – wurden die Laubsäcke verteilt. Die Entsorgung lief im Rhythmus mit der Biotonne. „Das hat sehr gut funktioniert“, betonte auch Schumacher. Und von daher habe man überlegt, das Projekt auszuweiten. Zumal auch in der Runde der Ortsbürgermeister großes Interesse an diesem Verfahren bekundet wurde.

Der neue Bio-Abfallsack hat ein Fassungsvermögen von 120 Liter analog der Bio-Tonne. Damit ist er nur halb so groß wie im Testlauf mit 240 Litern. Im Nachgang sei dann mit dem kreislichen Umweltamt entschieden worden, das Laubsack-Projekt auf den gesamten Kreis auszuweiten. Erhältlich sind die Papiersäcke für zwei Euro in der Kreisverwaltung in Salzwedel, auf der Deponie Lindenberg bei Gardelegen und auf den Abfallwertstoffhöfen in Cheine und Klötze. Unabhängig vom Laubsack könne jedermann Gartenabfälle und Laub auch weiterhin selbst zur Deponie bringen und kostenfrei entsorgen lassen.

Der Laubsack aus Papier sei biologisch abbaubar und werde in der Biokompostieranlage der Deponie mit geschreddert. Die neue Anlage lief im vorigen Jahr noch im Probelauf. „Jetzt fahren wir so langsam mit Volllast“, sagte Romatschke. 2018 wurde aus den Bioabfällen etwa 2500 Tonnen Fertigkompost hergestellt. In diesem Jahr wird es schon mehr sein. Der Kompost ist zertifiziert, das heißt, labormäßig geprüft. Die Inhaltsstoffe können auf der Homepage der Deponie eingesehen werden.

Lieferung an Biobauern und Verkauf an Privatl

Das Interesse an diesem Bioprodukt sei recht groß. „Wir haben gerade vor kurzem erst einen Biobauern mit 400 Tonnen beliefert“, so Romatschke. Der Fertigkompost kann natürlich auch von Privatpersonen gekauft werden – für den eigenen Garten, Blumenkästen oder andere Bepflanzungen. Und das für wenig Geld, denn ein mit Erde gefüllter Einachser-Anhänger kostet gerade mal 6,72 Euro und eine Tonne Erde 8,40 Euro. Damit könnte man sich rein theoretisch also das eigene Laub oder den eigenen Bioabfall als gute Bio-Erde wieder zurückholen.