Gardelegen l Schon mit ihrem ersten Satz hat sie die Sympathie des Publikums im Schützenhaus auf ihrer Seite: „Freuen Sie sich aufs Altwerden“, empfiehlt die 85-jährige Gisela Steineckert schmunzelnd – nachdem ihr Bühnenpartner Dirk Michaelis galant auf den Stuhl geholfen hat –, „denn dann bekommen Sie jede Hilfe und jede Umarmung, die sie haben wollen ...“

Den Rest des Abends geht es dann aber kein bisschen ums Alter, auch wenn die Lebensklugheit der Grand Dame natürlich in all ihren Texten, ob Lyrik oder Prosa, durchschimmert. Und deshalb wird es auch kein bisschen langweilig mit ihr. Zudem erkennt sich – dem Kichern im Publikum nach zu urteilen – in ihren Skizzen über die „Kommunikation in der Ehe“ wohl auch so mancher wieder: „Er: Was wünscht du dir eigentlich zum Geburtstag? Du könntest doch sehr schön mal ein paar Tage weg sein?!“

Es sind die kleinen Geschichten, mit der die Berlinerin an diesem Abend punktet. Liebevoll nimmt sie das „andere“ aber auch das eigene Geschlecht auf den Arm, in Gedichten oder auch in „Wer ist überhaupt Waldemar?“

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Wer das ist, erfährt das Publikum zwar bis zum Ende nicht. Dem Dialog, den Steineckert einem imaginären Pärchen in den Mund legt, folgt es dennoch amüsiert. Irgendwie kennt offensichtlich jeder im Haus einen solchen Typen ...

Ein ganz besonderer Typ sitzt an diesem Abend indes auch an ihrer Seite. Warum der Liedermacher, Sänger, Komponist und einstige Karussell-Frontmann Dirk Michaelis tatsächlich ihr „Seelenverwandter“ ist – so nämlich heißt das Programm – merken die Gäste schnell. Und das nicht nur daran, dass sich die zwei zwischendurch immer mal wieder liebevoll die Hände drücken.

Gesangseinlage mit Gitarre und Klavier

Denn auch Michaelis erzählt Geschichten. Eben nur auf seine Weise, am Klavier, mit der Gitarre auf den Knien, mit seiner Stimme, sanft, rockig, und mit wunderschönen, berührenden oder aufwühlenden Texten, wie in „Eigentlich geht‘s uns gut“, „Halt nicht an“ oder „Es liegt in der Luft“.

Die kann das Publikum zwar nicht mitsingen, doch spätestens, als Michaelis mit der Maultrommel die „Ode an die Freude spielt“ und allerspätestens bei seinem berühmtesten Song „Als ich fortging“, summt und singt im Schützenhaus fast jeder mit.

Als sich das Duo dann nach nur einer Zugabe mit dem gemeinsamen Stück „Atme“ verabschiedet – sie mit den Ratschlägen einer klugen Frau, er mit leisen Tönen am Klavier und schließlich in einer Umarmung – drängelt kein Gast nach mehr. Es ist der Respekt vor einer Künstlerin, die haushalten darf mit ihren Kräften, und Dankbarkeit für einen besonderen Abend.

Nur eine Frage bleibt am Ende offen: Wer zum Kuckuck ist denn nun eigentlich Waldemar?