Brüchau l „Wir haben heute große Aufmerksamkeit erreicht“, betonte Christfried Lenz von der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“. Die BI lud gemeinsam mit Mitgliedern der Salzwedeler Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu einer Kundgebung ein, um auf die notwendige Auskofferung der Bohrschlammdeponie, auch Silbersee genannt, aufmerksam machen. In einem Zwischenbericht des Betreibers der Grube hieß es bereits, dass die Mergelschicht nicht ausreicht, um das Grundwasser vor den toxischen Einlagerungen zu schützen und dass nur die Auskofferung infrage kommt.

Bei der Kundgebung durften aufgrund der Corona-Einschränkungen maximal 15 Teilnehmer dabei sein. Sie rollten Transparente aus. Darauf war unter anderem zu lesen: „Gesundheit ist wichtiger als Geld“ oder „Ohne sauberes Wasser keine Landwirtschaft“. Außerdem wurden Statements von Politikern vorgelesen.

Vertrauen verspielt

Einheitsgemeinde-Bürgermeister Karsten Ruth bemängelt in seinem Statement, dass bei den Verantwortungsträgern offensichtlich durch langwieriges und teils intransparentes Handeln sowie durch nicht immer nachvollziehbare Entscheidungen die Geduld und das Vertrauen der Bürger in einem solchen Maße überstrapaziert wurden, dass Zweifel, Glaubwürdigkeitsverlust und Resignation bei vielen vorherrsche. Ruth erklärt, dass in Kenntnis der bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen als Variante „einzig die komplette Beräumung der Anlage“, infrage komme. Und Landrat Michael Ziche erwartet, dass „diese Maßnahmen nunmehr zügig umgesetzt werden“.

Steffen Lötge vom Ortschaftsrat Kakerbeck geht noch weiter. Er fordert neben der fachgerechten Beräumung der Giftschlammgrube auch eine Sanierung der geschädigten Grundwasserleiter.

Entscheidung hätte früher fallen müssen

Bei der Umsetzung müsse an erster Stelle Sorgfalt stehen, damit weder beim Abtransport noch bei der endgültigen Lagerung der Schadstoffe neue Risiken für die Bevölkerung entstehen, so der SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Barth.

Die Entscheidung zur Schließung der Grube hätte wesentlich früher fallen müssen, sagte der Landtagsabgeordnete Andreas Höppner (Linke): „Meine Erwartung ist, dass nun endlich, unter Berücksichtigung aller umwelt- und arbeitsschutzrechtlichen sowie entsorgungstechnischer Anforderungen, diese Giftmüllgrube vollständig und schnellstmöglich beseitigt wird.“

Öffentliche Entschuldigung erwartet

Dass die von Ministerpräsident Reiner Haseloff genannten 20 Millionen Euro als Obergrenze für die Entsorgung nur einen Richtwert darstellen, davon geht Bundestagsmitglied Eckhard Gnodtke (CDU) aus. „Die ordnungsgemäße und schadlose Beseitigung ... muss aus meiner Sicht in jedem Falle auch stattfinden, selbst wenn die Summe überschritten werden sollte.“ Uwe Harms, CDU-Landtagsmitglied, äußerte: „Ich erwarte vom Landesbergamt eine öffentliche Entschuldigung bei der Bevölkerung … und von der Landesregierung konsequentes Handeln.“

Zu viele Jahre seien in Gutachten verschwendet worden, meint Landtagsmitglied Matthias Lieschke (AfD). „Die Auskofferung hätte schön längst beendet sein können.“ Er dankt der BI für ihr Durchhalten.

Halbstündige Demo

„Die Auskofferung wird sicher eine hochkomplexe und schwierige Aufgabe, die selber wiederum Gefährdungen mit sich bringen wird. Dieser Giftschlammwahnsinn soll uns mahnen, die Dinge immer vom Ende her zu betrachten und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, die auch in der Zukunft noch tragen“, ließ Landtagsmitglied Dorothea Frederking (Grüne) verkünden.

Nach einer halben Stunde löste sich die Veranstaltung friedlich auf.