Kalbe l Wenn einmal eine Unterrichtsstunde ausfällt und Schüler dadurch vielleicht sogar früher nach Hause kommen, ist es klar, dass sie sich über die dazu gewonnene Freizeit freuen. In der Sekundarschule „Johann Friedrich Danneil“ Kalbe freuen sich die Schüler aber schon lange nicht mehr über den Unterrichtsausfall. Seit zwei Jahren kann dort der Unterricht in Chemie wegen Krankenstand nicht mehr gewährleistet werden.

Wie Elternvertreter gegenüber Volksstimme berichten, haben Schüler der siebten und achten Klasse derzeit gar kein Chemieunterricht, obwohl der Lehrplan dies vorsieht. Durch eine Lehrkraft aus Klötze werden zumindest die Neunt- und Zehntklässler in diesem Fach unterrichtet. Allerdings auch nur bis zum Ende dieses Halbjahres.

Ausschreibungen ohne Erfolg

Dem Landesschulamt ist die Situation in der Kalbenser Sekundarschule bekannt. „In der Tat haben wir an der Sekundarschule Kalbe derzeit keine Lehrkraft, die Chemie unterrichten kann. Vielfältige Versuche über Ausschreibungen eine Lehrkraft zu gewinnen, haben bisher nicht zum Erfolg geführt“, antwortet Torsten Klieme vom Landesschulamt auf Volksstimme-Nachfrage. Durch die Unterstützung einer Lehrkraft aus der Sekundarschule Klötze konnte sichergestellt werden, dass die Abschlussklassen ein „epochales Angebot in Chemie erhielten und damit auch eine Zeugnisnote erteilt werden kann. Sofern sich Schülerinnen und Schüler für die mündliche Prüfung in Chemie entscheiden, wird diese Lehrkraft auch die Konsultationen durchführen und für die Prüfungskommission zur Verfügung stehen“, setzt das Landesschulamt den Sorgen der Eltern entgegen.

Der Schule machen die Eltern keinen Vorwurf. „Die Lehrer dort geben ihr Bestes, arbeiten selbst bis zum Limit. Die Bildungspolitik im Land läuft falsch“, so die Meinung der Elternschaft. Das macht sie wütend, aber auch besorgt. Sie fürchten um die berufliche Zukunft ihrer Kinder, dass sie keine guten Voraussetzungen erhalten, um in Berufen, in denen chemische Kenntnisse erforderlich sind, Fuß fassen zu können. Einige Eltern überlegen daher sogar, die Schule zu wechseln, ihre Kinder auf die Private Sekundarschule zu schicken.

Wird Schülern Zukunft vrerbaut?

Die Sorge der Eltern geht sogar noch weiter. Sie befürchten, dass mit unzureichendem Chemieunterricht der erweiterte Realschulabschluss nicht erlangt werden könne. Dieser ist aber Voraussetzung, um das Abitur, zum Beispiel an einem Fachgymnasium, zu erlangen. „Wird unseren Kindern ihre Zukunft verbaut?“, fragen die Mütter und Väter.

Zumindest die Sorge um den erweiterten Realschulabschluss möchte das Landesschulamt nehmen: „Die vorhandenen Schwierigkeiten bei der Abdeckung des Chemieunterrichtes werden nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler den erweiterten Realschulabschluss nicht erlangen können“, heißt es von dort.

Altersdurchschnitt der Lehrer 56 Jahre

Eine Antwort, welche die Eltern nur wenig besänftigt, denn trotzdem haben die Schüler insgesamt gesehen zu wenig Kenntnisse in Chemie erhalten. „Sie kommen also in eine weiterführende Schule oder in einen Betrieb und laut Zeugnis haben sie gute Chemiekenntnisse. Die Praxis sieht dann aber anders aus. Das ist doch demotivierend“, so die Eltern. Sie fordern, dass das Land endlich etwas gegen den Lehrermangel unternimmt: „Wir fühlen uns machtlos.“

Unbefriedigend ist das Unterrichtsangebot in Kalbe nicht nur im Fach Chemie. Auch Englisch kann nicht mehr ausreichend abgedeckt werden. „Durch die Erkrankung einer der beiden Englischlehrkräfte ist auch im Fach Englisch eine schwierige Situation eingetreten. Das Landesschulamt bemüht sich intensiv um eine personelle Kompensation“, so Klieme. Unabhängig davon soll für alle Klassen im zweiten Halbjahr „mindestens ein Grundangebot in Englisch sichergestellt werden“, heißt es aus dem Landesschulamt.

Probleme auch in Englisch

Aber auch wenn das derzeitig akute Problem des Chemie- und Englischunterrrichtes in Kalbe gelöst werden könnte, für die Zukunft wird es weitere Baustellen geben: „Was soll erst in den nächsten Jahren werden? Der Altersdurchschnitt der Lehrer an unserer Schule beträgt 56 Jahre“, so die Eltern.