Engersen l Lautes Quieken dringt aus dem Viehtransporter, der da nahe dem Abzweig Engersen in der Bankette neben der B 71 feststeckt. Er hat 163 Mastschweine geladen und befindet sich nun in Schieflage. Das bedeutet, die Tiere sind einem ungeheuren Stress ausgesetzt – und sie drohen, sich gegenseitig zu erdrücken.

„So ein Schwein hat rund 110 Kilogramm Lebendgewicht“, sagt Einsatzleiter Ramón Rulff, der nicht nur Chef der Kalbenser Feuerwehr, sondern im Hauptberuf Tierarzt ist. Als er gegen 11.30 Uhr von dem Unfall erfährt, informiert er umgehend seine Kolleginnen vom Kreisveterinäramt, die wiederum niedergelassene Tierärzte aus der Umgebung verständigen und sich um einen Ersatz-Lkw kümmern. Außerdem werden die Feuerwehren aus Kalbe, Estedt, Wiepke und Zichtau alarmiert. Denn es muss dafür gesorgt werden, dass die Tiere umgehend aus ihrer lebensbedrohlichen Lage befreit werden. Das jedoch gestaltet sich äußerst schwierig.

Tiere liegen apathisch im Hänger

Mit Steckleitern und Forken bilden die Kameraden und ihre Fahrzeuge eine Art Gatter, in das die Tiere nun hineingetrieben werden sollen. Der Fahrer des verunglückten Lkw öffnet dazu die Ladeluke, an der sich auch eine Rampe befindet, über die die Tiere ins Freie gelangen könnten. Könnten! Die meisten Tiere liegen bereits sehr apathisch im Hänger. Das Quieken ist mit der Zeit immer leiser geworden. Der Lkw-Fahrer kriecht gemeinsam mit den Kameraden Bernd Hinz und Paul Lüttge von der Kalbenser Feuerwehr in den schiefstehenden Transporter – er ist zuvor mit einem Seil an einem Baum fixiert worden – hinein. Gemeinschaftlich versuchen die drei Männer, die Tiere hinauszutreiben. Doch die rutschen teilweise aus, kommen wegen der Schieflage nicht richtig auf die Beine. Also kümmert sich Uwe Schlonsak, Chef der Feuerwehr Wiepke, darum, dass Stroh herangekarrt wird. Es wird von der GbR Becker zur Verfügung gestellt.

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Die Tiere können den verunglückten Lkw nun leichter verlassen und werden in dem aus Mensch und Leitern bestehenden Gatter in Schach gehalten. Auch ein paar Wasserbehälter sind bereitgestellt worden, damit die gestressten Schweine trinken können, während sich ein Ersatz-Viehtransporter im Rückwärtsgang den Weg zur Unfallstelle bahnt. Nach und nach sollen die Tiere dort hinein verladen werden.

Allerdings ist das Heraustreiben der Tiere aus dem havarierten Transporter äußerst mühsam, da dieser gleich drei Ladeböden aufweist. Und auf allen drei Ebenen liegen inzwischen apathische Tiere.

Erst, als ein Spezialkran den havarierten Lkw wieder in die Gerade bringt, gelingt die komplette Rettung der Tiere. Nur ein einziges Tier muss notgetötet werden. 162 haben den Unfall mit ein paar Blessuren überlebt und können nun nach einem Zwischenstopp in einem altmärkischen Stall, wo sie wieder aufgepäppelt werden sollen, doch noch zum Schlachthof gebracht werden.