Feuerwehr

Löschgruppe Dolchau feiert ihr 125-jähriges Bestehen

Viel „Löschwasser“ floss am Sonnabend in Dolchau. Grund war glücklicherweise nicht etwa ein Brand, nein, die Löschgruppe feierte ihr 125-jähriges Bestehen.

Von Stefanie Brandt 01.08.2021, 16:12
Die Löschgruppe Dolchau besteht im Jahr 2021 aus elf aktiven und sieben passiven Mitgliedern. Erfreulich ist, dass Löschgruppenleiter  Thorsten Schäfer im Rahmen  der nachgeholten Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen vier ?Neuzugänge? vorstellen konnte.
Die Löschgruppe Dolchau besteht im Jahr 2021 aus elf aktiven und sieben passiven Mitgliedern. Erfreulich ist, dass Löschgruppenleiter Thorsten Schäfer im Rahmen der nachgeholten Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen vier ?Neuzugänge? vorstellen konnte. Foto: Yvonne Bolle

Dolchau - Eine schmucke Plakette mit der Aufschrift „Einer für alle – alle für einen“ überreichte Ortsbürgermeister Joachim Walter am Sonnabend der Löschgruppe Dolchau als ein Geschenk der Feuerwehr Vienau zum 125-jährigen Bestehen. Ein passendes Präsent, denn in Dolchau wird dieses Motto offensichtlich sehr ernst genommen. Bei nur 69 Einwohnern (Quelle: Stadt Kalbe) ist die Anzahl von aktuell elf aktiven und sieben passiven Mitgliedern der Löschgruppe nämlich wirklich beeindruckend.

Einer für alle - alle für einen

Der Zusammenhalt im Ort zeigte sich auch bei der Organisation der „Geburtstagsfeier“, die coronabedingt um ein Jahr verschoben werden musste. Walter: „Ich bin derart überrascht über die Initiative, die das kleine Dolchau hier veranstaltet hat. Der Spielplatz ist in Ordnung, das Zelt aufgebaut, das Festgelände ist super hergerichtet – mit Unterstützung der Stadt Kalbe. Wir haben alle gemerkt, wie viele Leute sich engagiert haben. Da können andere den Hut davor ziehen.“

Ein Chapeau gab es auch vom extra angereisten Kalbenser Bürgermeister Karsten Ruth in dessen kurzer Rede zur Eröffnung des Festes: „Dass es gelungen ist, über 125 Jahre hinweg ununterbrochen den organisierten Brandschutz aufrechtzuerhalten, ist für ein Dorf wie Dolchau, mit der Einwohnerstärke, keine Selbstverständlichkeit. Es zeugt davon, dass hier nicht nur der Wille zur Nachbarschaftshilfe da ist, sondern auch der Wille, sich als Dorf gemeinsam zu engagieren.“ Ruth dankte allen Kameraden, aber auch den Familien, die diesen den Rücken freihalten und sich zu Hause Sorgen machen, sowie den Sponsoren.

Die Feuerwehr als kultureller Faktor

„Die Feuerwehr ist gerade in unseren Dörfern nicht nur zur Sicherstellung von Brandschutz da, sondern auch immer ein kultureller Faktor und zuweilen der einzige Faktor, der das gesellschaftliche Leben in unseren Dörfern aufrechterhält. Das ist eine Aufgabe, die man nicht unterschätzen darf.“ Ein Kompliment sprach Rut der Löschgruppe und dem Dorf dafür aus, unter schwierigen Bedingungen das Fest ausgerichtet zu haben. „Hier war der Mut da, dass es das wert ist zu feiern.“

Auch im Hinblick auf sich häufende, wetterbedingte Flächenbrände oder aber Starkregen-Ereignisse wie kürzlich in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwies er auf die Bedeutung der örtlichen Wehren – und als solche bezeichnete er auch die Dolchauer: „Ich betone ausdrücklich ,Feuerwehr’, auch wenn sie den organisatorischen Charakter einer Löschgruppe hat, aber tatsächlich ,Feuerwehr’ immer noch als Ehrennamen führt – und das aus meiner Sicht außerordentlich berechtigt.“ Die Wehr sei ein erster Wellenbrecher mit qualifizierten, einsatzbereiten Leuten, die über wichtige Ortskenntnisse verfügen. Er wünschte: „Alles Gute für die nächsten 125 Jahre.“

Ein Blick in die Geschichte

Nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit blickte Löschgruppenführer Thorsten Schäfer in seiner Rede. In einem kurzen, geschichtlichen Abriss erzählte er unter anderem vom Brand einer Scheune in Gölitz 1936 und dem vergeblichen Bemühen, im Februar 1974 die in Flammen stehende Dolchauer Windmühle zu retten. 2004 brannte die Dolchauer Jagdhütte ab. Weitere Einsätze gab es nach Stürmen und in den vergangenen Jahren vermehrt auf den Feldern, so, als 2018 während der Ernte nahezu drei Brände gleichzeitig ausbrachen. 2019 verhinderte man gemeinsam mit anderen Wehren knapp das Übergreifen eines Feuers am Dolchauer Berg auf den trockenen Wald.

„Aber Dolchau ist auch bei den Kraftfahrern sehr bekannt, weil die Blaubasaltstraße bei Nässe sehr gefährlich ist“, wusste Schäfer von mehreren Unfällen zu berichten. Weitaus lieber sind den Dolchauern natürlich Einsätze wie bei der Renovierung des Kinderspielplatzes. Seit er 2006 die Löschgruppe übernommen hat, stünden regelmäßige Treffen zu Gerätediensten und seit einigen Jahren auch zu Übungszwecken als Zug im Bereich Brunau/Packebusch auf dem Programm, so Schäfer. Das Weihnachtsbaum-Verbrennen, Osterfeuer und Maibaum-Aufstellen zählen zu weiteren Aufgaben der Löschgruppe. Erfreut berichtete er, dass mit Sven Kufall (seit 2019) und Steffen Bolle (2021) zwei Kameraden aus der Löschgruppe Mehrin, die sich 2015 aufgelöst hatte, zu den Dolchauern gefunden haben. Neu eingetreten sind zudem Steffen Nelius und Moritz Hobusch.

Ein Dankeschön an die Helfer

„Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Helfern bedanken, die so fleißig mitgeholfen haben beim Aufbau und der Organisation dieses Festes“, betonte Schäfer noch, bevor es dann richtig mit dem Feiern losging. Mit Kuchen und Kaffee und später auch anderen gastronomischen Angeboten, aber auch einer Hüpfburg für die Kinder war für Jung und Alt etwas geboten.