Berge l Es ist ein unscheinbarer grauer Kasten auf der Empore, versteckt hinter der Orgel. Doch in seinem Inneren verbirgt sich die neueste Technik, die das über 400 Jahre alte Gotteshaus in Berge ins digitale Zeitalter katapultiert. Es handelt sich, wie Olaf Sturm, neu gewählter Vorsitzender des Berger Gemeindekirchenrates, berichtet, um die Zentralsteuerung, mit der die Glocken der „Sixtinischen Kapelle der Altmark“ nun per App vom PC oder vom Handy aus von überall auf der Welt bedient werden können, wenn es nötig ist.

Das könnte beispielsweise bei Sterbefällen im Ort der Fall. Dann erklingen von 10 bis 11 Uhr die Glocken. Nun sollen auch die neugeborenen Berger mit Glockenklang von 9 bis 9.30 Uhr begrüßt werden. „Wir warten noch drauf“, schmunzelt Sturm, aber in diesem Jahr wird es noch soweit sein, verrät er.

Ansonsten erfolgt das Läuten automatisch zu festgelegten Zeiten, wie zum Beispiel sonnabends um 18 Uhr zum Einläuten des Wochenendes. Auch die Ereignisse im kommenden Jahr wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten, die in jedem Jahr auf ein anderes Datum fallen, sind schon eingearbeitet. Damit braucht es niemanden mehr, der persönlich und vor Ort Hand anlegen muss, denn diese seien im Gegensatz zu früher heutzutage schwer zu finden.

Steuerung installiert

Anfang November waren Dirk Seiferheld und Tobias Jäsch von der Firma Tarateck Systemlösungen vor Ort, um gemeinsam mit Elektromeister Jens Wede aus Güssefeld einzubauen. Damit ist die Berger Kirche nun nach dem Gotteshaus in Hedersleben im Harz die zweite mit dieser Ausrüstung. Und nicht nur die Glocken können mit der Steuerungs-App bedient werden, sondern auch die neu zu installierende Uhr im Glockenturm – sie ist laut Sturm bestellt und soll am Heiligen Abend der Kirchengemeinde vorgestellt werden – mit ihrem Stundenschlag, die Beleuchtung in der Kirche sowie die Sitzbankheizung.

Damit ist wieder ein großer Schritt auf dem Weg zum Erhalt dieses, aufgrund seiner aufwendigen Malereien Kleinodes sakraler Bauten. Dafür engagiert sich die Kirchengemeinde enorm. Und das kommende Jahr wird ein ganz wichtiges auf diesem Weg.

Neue Glocke wird gegossen

Ursprünglich bildeten drei Glocken das Geläut, wie in der Kirchenchronik, die von Erwin Erxleben geschrieben wurde, nachzulesen ist. So soll es ab Ostern im kommenden Jahr auch wieder sein. Die seit gut 90 Jahren fehlende dritte Glocke wird nämlich am 4. April 2020 neu gegossen, wie Sturm bestätigte, und zwar in Berge, damit alle ihrer Geburt beiwohnen können. Im Zuge ihres Glockenprojektes plant die Kirchengemeinde zudem die zweite Glocke im Turm, die derzeit schweigt, wieder zum Klingen zu bringen, in dem die Aufhängung repariert wird. Am Ende sollen alle Glocken dann wieder an Eichenjochen aufgehängt werden, was auch einen weicheren Klang mit sich bringen würde.

Bestandteil des Glockenprojektes ist auch die Reinigung und Neustimmung der Orgel, die 1885 von der Firma Robert Voigt in Stendal erbaut wurde, denn sie soll am 23. August im nächsten Jahr wieder volltönend erklingen. An diesem Tag gibt nämlich, wie Sturm informiert, der Berliner Domkantor Tobias Brommann, der mit Chor und Orchester anreist, ein Benefizkonzert für das Glocken- und Orgelprojekt in der Berger Kirche.

Berliner Domorchester gastiert in Berge

Auf die Volksstimme-Nachfrage, wie der Berliner Domkantor dazu komme, in Berge ein Konzert zu geben, erzählt Sturm, dass dieser mit seiner Familie Urlaub auf dem Reiterhof in Güssefeld gemacht habe. Als Kantor interessiert er sich für Kirchen und fragte nach, welche in der Region sehenswert wären. Jens Wede, der den Reiterhof mit betreibt, schlug ihm unter anderem Berge vor. Olaf Sturm öffnete das Gotteshaus zur Besichtigung und der Kantor probierte auch die Orgel aus. Dann kam von ihm der Vorschlag, für die Orgelsanierung in Berge ein Konzert zu geben. Sturm sagt begeistert zu.

Denn die Kosten für das gesamte Projekt liegen in einem großen fünfstelligen Bereich. Die Finanzierung erfolgt mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Altmark West. Entsprechende Förderanträge sind gestellt. Auch der Kirchenkreis beteiligt sich. Und die Kirchengemeinde hat für ihren notwendigen Eigenanteil auch schon Rücklagen gebildet.

Spenden sind willkommen

Auch Spenden sind nach dem ersten Aufruf im August bereits geflossen. Dennoch werden laut Sturm noch Spenden benötigt. Die entsprechenden Angaben dazu sind auf der Internetseite der Kirchengemeinde, mit der auch dem medialen Zeitalter Rechnung getragen wird, zu finden. Dort ist zu lesen, dass Spenden für das Glocken-/Orgelprojekt auf der Webseite der „KD-Bank für Kirche und Diakonie“ hier möglich sind. Hinzugefügt wurde ein blauer Button, der jeden Spender nach dem Drücken gleich auf die richtige Seite weiter leitet.