Gardelegen l Zugegeben, sie zählen nicht zu den niedlichen Tieren. Vielleicht sind sie ja deshalb vom Aussterben bedroht? Gerade jetzt leben Kröten am gefährlichsten. Denn in den kommenden Tagen gehen sie auf Wanderschaft, überqueren dabei Straßen und Wege – ein Wagnis mit Risiko. Denn viele Autofahrer nehmen die Tiere in der Dämmerung oft gar nicht wahr.

Genau deshalb bittet der Naturschutzbund NABU in Sachsen-Anhalt aktuell alle Autofahrer um mehr Aufmerksamkeit: „Wärmere Temperaturen lösen nicht nur bei uns, sondern auch bei Kröten, Fröschen, Molchen und Unken Frühlingsgefühle aus und locken sie aus ihren Winterquartieren“, heißt es im Appell des NABU.

Straßen werden zur Todesfalle

„Nachdem sie den Winter in Wald oder Garten in frostsicheren Verstecken zugebracht haben, ziehen die Amphibien nun wieder zu ihren Geburtsgewässern, um sich fortzupflanzen und zu laichen. Speziell der Autoverkehr macht ihnen jetzt das Überleben so schwer“, erinnert NABU-Sprecherin Annette Leipelt. Denn die Straßen zerschneiden die Lebensräume der Tiere. Straßen, die sie auf ihrer Wanderung überqueren müssen, werden zur Todesfalle.

Dagegen helfen auch in der Region derzeit viele Naturschützer mit Krötenzäunen. So hat die Stadt Gardelegen wieder meterlange Netze im Bereich Zichtau installiert. Kröten werden in Eimern gefangen und von freiwilligen Helfern der Verwaltung über die Straße getragen.

Freiwillige Helfer kontrollieren Krötenz

Ebenso agieren die freiwilligen Helfer der ABS –Drömling, die seit vielen Jahren im Bereich Lindenthal die Krötenzäune überwachen. Und zwar morgens und abends, wie ABS-Mitarbeiterin Petra Reisener mitteilt.

Sie appelliert auch noch einmal an die hiesigen Autofahrer: Wichtig sei es gerade jetzt, immer darauf gefasst zu sein, dass die Kröten wandern. Am besten sei es deshalb, besonders langsam und achtsam zu fahren.

Viele Autofahrer, insbesondere die einheimischen, kennen die Krötenwege ja auch bereits und wissen, dass mit den Tieren jetzt irgendwann zu rechnen ist.

Allerdings würden die Kröten leider auch oft mit Laub oder ähnlichem verwechselt, erinnert Petra Reisener. Wer plötzlich feststelle, dass die kleinen Buckel auf der Straße keine Blätter, sondern Tiere sind, sollte aber dennoch Vorsicht beim Ausweichen walten lassen. Denn auf rutschiger Straße kann es auch schnell zu Unfällen kommen.

Die Krötenzäune der Stadt und der ABS schützen somit die Amphibien auf ihrer Wanderung – allerdings nur dort, wo sie auch aufgestellt werden. Neben Zichtau und Lindenthal gibt es schließlich auch noch viele andere Straßen in der Einheitsgemeinde Gardelegen, die die Kröten überqueren müssen. So bei Weteritz oder auch zwischen Letzlingen und Gardelegen nahe Polvitz.

Jeder kann Krötenzäune aufstellen

Die Zäune in Lindenthal seien zum Beispiel in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde aufgestellt worden, informiert Petra Reisener auf Nachfrage. Was die ABS oder die Stadt können, kann allerdings auch jeder Privatmann, betont sie: „Das Aufstellen ist freiwillig , das kann jeder tun. Es gibt keine Antragspflicht.“ Allerdings müssen laut NABU vor der Errichtung eines Amphibienschutzzaunes Genehmigungen bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde, dem Straßenbaulastträger und gegebenenfalls dem Grundstückseigentümer eingeholt werden. „Die behördlichen Genehmigungen werden aber meist unbürokratisch erteilt.“