Gardelegen l Noch ist alles offen, noch ist überhaupt nichts entschieden. Fakt ist nur, eine Diskussion zu einem möglichen Schulneubau in Gardelegen wird es in den kommunalpolitischen Kreisen geben.

Hintergrund ist ein Antrag der Linke-Fraktion zur Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes der Reutter-Grundschule an der Nicolaistraße. Die möchte schrittweise das Haus sanieren. Angefangen werden soll mit der Trockenlegung des Kellergemäuers. Zusätzlich dazu wollte die Fraktion ein Raumkonzept für die Schule erstellen lassen. Beides sollte aus Mitteln, die ursprünglich für die Sanierung der Stadtmauer eingeplant waren, finanziert werden.

Neubau würde zehn Millionen Euro kosten

In den Ausschüssen machte die Verwaltung jedoch klar, dass ein Raumkonzept nicht mit Sanierungsmitteln erstellt werden könne. Daraufhin hatte die Linke ihren Antrag geändert, wonach jetzt erst einmal nur die Trockenlegung des Kellers auf den Weg gebracht werden soll. Das fand auch Zustimmung in den Ausschüssen.

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Allerdings ging Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher im jüngsten Hauptausschuss noch einmal auf einen Vorschlag von Stadtrat Dirk Kuke (Freie Liste) und eine Ergänzung von Stadtrat Gustav Wienecke (Fraktion SPD, Südliche Altmark und Feuerwehr) ein. Beide hatten sich im Bauausschuss für den Neubau einer Grundschule ausgesprochen: Kuke für einen Neubau für die Reutter-Grundschule, Wienecke gar für einen Neubau für die Reutter- und die Goethe-Grundschule.

35.000 Euro je Schüler veranschlagt

Dafür gebe es Kostenhochrechnungen, so Schumacher. Pro Schulplatz werden bei einem Neubau 35.000 Euro veranschlagt. Das bedeute bei den derzeitigen Schülerzahlen beider Schulen eine Investition von etwa zehn Millionen Euro. „Wenn wir das finanzieren würden, wären wir quasi platt“, so Schumacher. Die Verwaltung werde die Entwicklung der Schülerzahlen und entsprechende Bedarfe auflisten. Danach könne weiter diskutiert werden.

Das sei auch ganz wichtig, betonte Gustav Wienecke im Hauptausschuss. Das Gebäude der Reutter-Grundschule müsse schon noch ein paar Jahre genutzt werden. Insofern sei die Kellersanierung schon realistisch. „Aber bevor wir da noch mehr Geld reinstecken, sollten wir andere Varianten überlegen und für die Zukunft über den Tellerrand schauen“, so Wienecke.

Neubau im Nahbereich des Hortgebäudes

Kuke hatte im Nachgang der Bauausschusssitzung – dort hatte er seinen Antrag im Namen der Freien Liste auf Schulneubau mündlich formuliert, das Ganze schriftlich in der Verwaltung eingereicht. Allerdings würde das Schriftstück nicht den Anforderungen eines Antrages entsprechen, erläuterte Schumacher im Hauptausschuss. Da Kuke ohne Fraktion im Stadtrat sitze, brauche er für Themen, die in den nächsten Sitzungsschienen der Ausschüsse auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen, unterstützende Stadträte (ein Viertel der Mitglieder) oder eine Fraktion, die den Antrag mit trage, betonte Schumacher im Nachgang der Hauptausschusssitzung mit Verweis auf das Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt. Kuke selbst hat nun schon einen neuen Antrag erarbeitet, der zur „rechtlichen Prüfung eingereicht“ und um die Goethe-Grundschule erweitert worden sei, informierte Kuke auf Volksstimme-Anfrage.

Er hoffe auf die Hilfe „unterstützender Stadträte“. „Die Freie Liste sieht es als ein Erfordernis an, zeitnah und zukunftsorientiert für die Reutter-Grundschule ein neues, den heutigen und künftigen Erfordernissen angepasstes Schulgebäude zu erreichten“, so Kuke. Hintergrund sind zum einen die Probleme von Sanierungen im Denkmalschutz, zumal räumlich keine Erweiterung der Reutter-Grundschule möglich sei, denn die demografische Entwicklung weise auf einen Anstieg der Schülerzahlen hin. Die Freie Liste plädiere für einen Neubau im „Nahbereich“ des Hortgebäudes und der Karl-Marx-Sekundarschule an der OdF-Straße. Damit könne gleichzeitig auch das Problem des sicheren Schulweges gelöst werden, der aus seiner Sicht mit der Sandstraße nicht gegeben sei. Ein moderner Bildungsstandort Gardelegen könne ein Punkt für den Zuzug junger Familien sein.

Kuke hofft auf Unterstützer im Stadtrat

Für die jetzige Reutter-Grundschule könne man sich eine Nutzung als Ärztehaus oder durch die Verwaltung vorstellen. Da ein Schulneubau nicht von heute auf morgen realisierbar wäre, sei die Neugestaltung und Erweiterung des Schulhofes auch keine Fehlinvestition. Spiel- und Sportgeräte könnten später umgesetzt werden. Somit stünden für eine weitere Nutzung des Reutterschulgebäudes künftig dort auch Parkplätze zur Verfügung.