Gardelegen l Seit Mai laufen wieder Bauarbeiten in der Nikolaikirche. Hauptziel ist diesmal eine Bühnenempore für Konzerte und andere Veranstaltungen – etwa an der Stelle, wo früher die Orgel stand. Aber auch andere Sanierungen sind im Kirchenschiff geplant.

Aktuell werden die Säulen im offenen Mittelschiff restauriert, sowohl mit alten, noch erhaltenen Backsteinen als auch mit neuen als Ersatz für die beschädigten. Außerdem werden sie mit verglasten Steinen geschmückt, die auf den ersten Blick vielleicht aus dem Rahmen fallen, aber nach Vorlage eines Originals gebaut wurden, das wieder auftauchte.

Als Nächstes folgen die Pflasterung und die Metallempore selbst. Dadurch entstehen gleich zwei Bühnen: Eine direkt auf der Empore und eine darunter. Zuvor wurden im vergangenen Jahr noch Sicherungsarbeiten am Turm vorgenommen, etwa eine Erneuerung des Putzes und das Stopfen von Löchern im Mauerwerk. Direkt am Turm soll die Bühne aber nicht hängen, sondern zwischen den Seitenwänden auf verzinkten Stahlstützen.

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Der Zweck des Ganzen ist ambitioniert: „Wir möchten, dass diese Kirche zum Kulturzentrum der Stadt wird“, fasst Anette Bernstein vom Kultur- und Denkmalschutzverein das Vorhaben zusammen. Die erste Veranstaltung zur Einweihung steht auch schon fest: ein Puppenspiel für Kinder.

Eigentlich keine Kirche mehr

Einen genauen Termin gibt es allerdings noch nicht. Die Corona-Verordnungen verhindern solche Planungen derzeit. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, dass bei den Arbeiten kein Zeitdruck herrscht, merkt Bernstein an. Dennoch sollen sie nicht mehr lange dauern: Mitte bis Ende August soll die Empore im Hof stehen.

Die Ruine wird sich also verändern, auch damit sich das einstige Gotteshaus von einem Status loslösen kann, den es schon lange nicht mehr hat, wie Bernstein betont: „Die Menschen müssen sich daran gewöhnen, dass es keine Kirche mehr ist.“ Denn die Nikolaikirche wurde 1945 bei einem Bombenangriff stark beschädigt, 1977 wurde sie wegen ihres schlechten Bauzustandes entwidmet.

Die letzte offizielle Trauung, erzählt Bernstein, hatte ihr Schwager dort gefeiert. Es gab seitdem nur ein paar Ausnahmen, in denen der Kirchenbetrieb kurzzeitig wieder aufgenommen wurde – etwa für einen Gedenkgottesdienst zum 50. Jubiläum der Zerstörung oder für ein junges Paar, das dort 2004 getraut wurde, die Kirche dafür aber selbst herrichten musste (aus dem Volksstimme-Archiv).

Dennoch soll das „Flair der Ruine“ erhalten werden, erzählt Bernstein. So bleibt etwa noch ein Stück zwischen dem gepflasterten Boden und den Seitenwänden frei. Die bewachsenen Streifen zeigen damit, dass sich die Natur jahrelang im nicht überdachten Kirchenschiff breitgemacht hat.

Auch wenn das neue Kulturzentrum im Mittelschiff fertig ist, gibt es noch einiges zu tun, schaut Bernstein voraus: „Falls wir weitere Fördermittel erhalten, werden erst einmal Reparaturarbeiten in der ganzen Kirche durchgeführt.“