Gardelegen l Manchmal geschehen ja in der Vorweihnachtszeit kleine Wunder. Dies ist eins: Im Redaktionskalender steht doch tatsächlich die Telefonnummer vom NIKOLAUS!

Wer sie besorgt hat, weiß keiner. Alle sind verwundert. Schließlich ist der Typ ja sonst eher so ein heimlicher, den niemand zu Gesicht bekommt. Und nun haben wir also tatsächlich die Chance auf ein Interview!

Ein Treffen mit dem Nikolaus

Die Nummer selbst sieht aber eigentlich ziemlich unspektakulär aus. 0176 xxx xx xx (sorry, Datenschutz), und auch die Klingeltöne klingen nicht etwa wie kleine Glöckchen, sondern ganz normal eben. Doch dann geht er ran – bis dahin hatten alle in der Redaktion noch Zweifel – und meldet sich mit „Nikolaus!“ Na gut, wie auch sonst?

Die Stimme klingt allerdings überraschend jung. Und sie sagt sehr freundlich: „Klar machen wir das. Ich bin zur Zeit gerade in Salzwedel. Halb zehn hab ich Frühstückspause. Da können wir uns treffen.“ Perfekt!

Vorname lautet Michael

Und dann wartet er am nächsten Morgen auch wirklich pünktlich an der verabredeten Stelle und macht von innen die Beifahrertür seines Lkw auf. Und da ist er, der Nikolaus ...

Mit Vornamen heißt der übrigens Michael, ist 47, verheiratet, zweifacher Vater, wohnt in Kalbe und ist selbstständiger Fuhrunternehmer. Und auf der Ladefläche seines Brummis liegen nicht etwa jede Menge schön verpackte Pakete, sondern das, was vorher der Straßenuntergrund im Südbockhorn war. Michael Nikolaus ist nämlich gar nicht der „echte“ Nikolaus, sondern er heißt „nur“ so.

Stolz auf den Namen

Aber Mooooment: Damit ist er ja schließlich auch ein echter Nikolaus. „Und zwar seit meiner Geburt“, bestätigt er auf Nachfrage fröhlich. Und „selbstverständlich“ kenne er nach fast 50 Jahren jeden Witz, der mit dem Nikolaus zu tun hat. „Wann krieg‘ ich meine Geschenke?, „Was machst du eigentlich das ganze Jahr über?“ oder „Wieso bist du hier und nicht im Wald?“ „Das fing schon in der Grundschule an“, erzählt der Nikolaus. „Man kriegt ein dickes Fell und gewöhnt sich dran.“ Und für die ganz Frechen hat er natürlich auch immer eine Antwort parat: Mit „Hab‘ mal nicht so‘n großen Hals, sonst überleg‘ ich mir, ob ich zu dir komme“, hat er schon so manchen Spötter zum Schweigen gebracht. Auf den Mund gefallen ist der Nikolaus jedenfalls nicht.

Nur, ist er auch stolz auf seinen Namen? Aber hallo, welche Frage. „Total“, sagt der Nikolaus. Deshalb hatte auch seine Teenagerliebe Monique in Sachen Namenswahl vor knapp 20 Jahren keine Chance: „Ich habe ihr immer gesagt: Wenn du mich willst, musst du Frau Nikolaus werden.“ Sie wurde.

Kniekolaus bei der Bundeswehr

Und auch Tochter Nane und Sohn Dean sind gern Nikoläuse. „Die Große ist 18 und findet es mittlerweile sogar richtig cool.“ Verständlich. Heißt ja schließlich nicht jeder so. Und so ein Name hat natürlich auch einige Vorteile. „Am Telefon sage ich zum Beispiel immer: Ich heiße Nikolaus, wie Weihnachtsmann. Dann ist das Eis meist schon gebrochen und es geht ganz locker weiter.“

In der Menge abtauchen geht mit einem solchen Namen allerdings nicht. Bei der Bundeswehr zum Beispiel kannte ihn jeder in der Kaserne. Wegen eines Knieschadens hatte man den Nikolaus damals nämlich nach Hause geschickt. Bis zum Dienstende war er nur selten da. „Aber wenn, dann war ich immer der Kniekolaus.“

Im Streufahrzeug unterwegs

Und sogar bei großen Motorsportwettkämpfen – der Nikolaus ist mehrfacher ostdeutscher Meister im Seitenwagenrennen – sorgt sein Name immer für Spaß: Da tönt es dann schon mal aus dem Lautsprecher über die ganze Rennstrecke: „Gleich kommt der Nikolaus, wir gucken einfach mal nach dem roten Helm ...“

Und oft, wenn er in seinem – übrigens nicht roten – Lkw unterwegs ist und an der Ampel steht, gucken die Pkw-Fahrer neben ihm hoch und lesen den Schriftzug. Und dann sieht er in lachende Gesichter. „Und das ist doch eigentlich schön“, findet der Nikolaus.

Oder doch der Echte?

Wenn man es genau nimmt, bringt übrigens auch der Michael Nikolaus im Winter Geschenke. Nicht nur am heutigen Nikolaustag. Denn er sorgt im Streufahrzeug morgens, wenn es friert und schneit, für eisfreie Straßen.

Vielleicht ist er ja doch der „Echte“? Nun, das verrät der Nikolaus nicht. Aber wenn man ganz genau hinschaut und sieht, wie seine Augen blitzen, wenn er über seinen Namen spricht ... möglich wär‘s.