Ehrenamt

Ohne sie gibt es kein Weihnachten

Für ihr Engagement in dem Dorf mit 212 Einwohnern erhalten die Wannefelder Theaterfrauen den Blumenstrauß des Monats November.

Von Ilka Marten

Wannefeld l Auch ohne Kostüme gehen sie schon leidenschaftlich in ihren Rollen auf. Seit September proben die Wannefelder Theaterfrauen wieder für das traditionelle Weihnachtsmärchen, das seit mehr als 20 Jahren im Wannefelder Dorfgemeinschaftshaus gezeigt wird. Und dafür erhalten Katrin Ziep, Evelin Plaschke, Maren Schwarzlose, Stefanie Putz, Andrea und Sandrine Richter, Franka Lenz, Nicole Schwarz, Antje Brune, Kirsten Matthies, Elke und Lea Weisbach, Janine Reboné, Babett Janecke, Kathleen Streibel und Sandra Röscher in diesem Monat – stellvertretend für alle Theaterfrauen der vergangenen Jahre ­– den Blumenstrauß des Monats November.

Warum sie ihn verdient haben, fasst der Wannefelder Ortsbürgermeister Gustav Wienecke so zusammen: „Ohne das Märchen gibt es in Wannefeld kein Weihnachten.“ Er sei glücklich darüber, dass sich die Frauen immer wieder zusammenfinden. „Das ist wirklich eine besondere Aktivität im Dorf von Bürgern für Bürger.“ Eine, die auch von Generation zu Generation weitergegeben wird und die weit über Wannefeld hinaus bekannt ist und kleine und große Zuschauer anlockt. 1989 bildete sich aus der Gruppe des Demokratischen Frauenbunds Deutschlands (DFD) in Wannefeld die erste Theaterfrauengruppe (siehe Infokasten). Gespielt wurde Dornröschen, damals noch im Wannefelder Saal.

Von 1989 bis heute dabei ist Evelin Plaschke, die für Regie und Vorhang zuständig ist und ab und an souffliert. „Früher waren die Stücke viel länger, bis zu eine Stunde lang. Da hatten die Theaterfrauen viel mehr Text zu lernen“, sagt die Wannefelderin Katrin Ziep, die inzwischen seit mehr als 15 Jahren aktiv ist. 26 Märchenaufführungen gab es seit 1989, die 27. ist gerade in Vorbereitung. „Aber wir wollen noch nicht verraten, was wir spielen“, betont Ziep.

Jedes Jahr im September durchstöbern die Theaterfrauen ihren Märchenfundus. „Es gibt immer wieder etwas, das wir so noch nicht gespielt haben“, sagt Ziep. Wie viele Rollen? Wie viele Schauspieler sind dabei? Welche Kulissen und Kostüme werden benötigt? All das klärt sich in den ersten Wochen.

Ab November geht es dann richtig zur Sache. Zweimal die Woche wird im Dorfgemeinschaftshaus geprobt – und gerne auch mal improvisiert. Denn die Märchenaufführungen sind nicht nur ein großer Spaß für die Kinder, sondern für die Erwachsenen, weil auch Modernes einfließt. Ein Schneewittchen, das Fructose hat, eine Märchentochter, die aussieht wie Cindy aus Marzahn, eine Fee, die ihren bockigen Zauberstab zum Kundendienst zurückbringen will, und die Stadtmusikanten, die sich nicht in Bremen einnisten, sondern bei der Wannefelder Feuerwehr glücklich werden wollen – all das gab es schon.

Auch so manche Herausforderung mussten die Schauspielerinnen schon bestehen. Beim „Teufel mit den drei goldenen Haaren“ war ein echter Knochen im Spiel, der roch dann nach langen Probenwochen bei der Premiere nicht mehr so appetitlich. Und als die Schneemänner beim Schneemann-Musical Glühwein trinken sollten, ging das nicht – ihre Nasen waren zu groß, da passte kein Tasse drunter.

Es sind übrigens in all den Jahren immer nur Frauen Mitglieder der Theatergruppe gewesen. „Die Männer helfen manchmal bei den Kulissen und tragen die Tische für das Kaffeetrinken“, sagt Katrin Ziep. Denn nach der Märchenaufführung sitzen alle Schauspieler und Zuschauer gemütlich beisammen – und die früheren Theaterfrauen sorgen für eine üppige Kuchenauswahl für die Gäste. Von der aktuellen Besetzung sind Evelin Plaschke, Andrea Richter, Elke Weisbach und Katrin Ziep am längsten dabei. 2010 hatte es einen Generationswechsel gegeben. Die jüngsten Schauspielerinnen sind 2016 wieder Lea Weisbach (18) und Sandrine Richter (19), sie spielten schon als Grundschülerinnen kleinere Rollen beim Wannefelder Weihnachtsmärchen.

Und auch ein Neuling ist dieses Jahr dabei: Franka Lenz aus Letzlingen. Warum alle die ganzen Mühen auf sich nehmen? „Weil es Spaß macht und die Gemeinschaft toll ist“, kommt es wie aus einem Mund der Frauen. „Und weil wir es gerne für die Kinder machen“, fügt Antje Brune noch hinzu. Am 4. Dezember wird das Ergebnis der monatelangen Proben zu sehen sein. Um 14.30 Uhr öffnet sich der Vorhang für das 27. Wannefelder Weihnachtsmärchen.

Haben Sie auch einen Vorschlag, wer für sein ehrenamtliches Engagement den Blumenstrauß des Monats verdient hat? Dann rufen Sie uns unter 03907/80 69 27 an oder schicken uns an redaktion.gardelegen@volksstimme.de eine Mail mit Ihrem Vorschlag.