Gardelegen l Es war der 7. April 1724 in der Nikolaikirche in Leipzig. Wahrscheinlich war die Kirche gut besucht und die Gemeindemitglieder zunächst andächtig, dann beeindruckt, bewegt und tief berührt. Denn an diesem Karfreitag vor fast 300 Jahren wurde die Johannespassion von Johann Sebastian Bach uraufgeführt.

Der 7. April 2019 war ein Sonntag, und bis Karfreitag sind es noch fast zwei Wochen, doch auch die Marienkirche in Gardelegen war gut besucht, als die Kantoreien der Gemeinden Gardelegen und Osterburg unter der Gesamtleitung von Gardelegens Kantorin Monika Wrobel Teile eben jener Johannespassion aufführten und die Missa in G von Josef Gabriel Rheinberger. Letzterer lebte 150 Jahre nach Bach, doch wie das Publikum am späten Sonntagnachmittag erleben konnte, schmiegten sich die Choräle der Johannespassion wunderbar zwischen die lateinischen Teile der Messe.

Blumen und Kerzen

Das Konzert begann mit dem eindringlichen Choral „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ aus der Johannespassion und setzte damit die Stimmung für das Konzert – andächtig, eindringlich und klangvoll. Nach einer kurzen Begrüßung begann das Hauptwerk des Konzertes, die romantische Messe. Die beiden Chöre verstanden es vom ersten Ton an, ihr Publikum mit der ergreifenden Musik in ihren Bann zu ziehen. Zwischen den Chorwerken hörten die Zuhörer Instrumentalstücke. Es spielten Uta Kreuter an der Violine, Isolde Lessing am Violoncello und Kreiskantor Friedemann Lessing an der Orgel Sätze aus zwei Sonaten für Violine und Basso Continuo von Johann Sebastian Bach.

Pfarrerin Margaret Lipschütz aus Osterburg las zwischen den musikalischen Teilen Texte aus der Passionsgeschichte nach Matthäus. Wie schon vor 300 und 150 Jahren berührte auch am Sonntag die Musik die Herzen der Zuhörer, und so herrschte nach dem Verklingen der letzten Töne noch einige Sekunden andächtige Stille, ehe der wohlverdiente Applaus losbrach. Für die Instrumentalisten und die beiden Chorleiter gab es vom Chor Blumen und Kerzen als Dankeschön.