Gardelegen l Einst war er der Hingucker am Salzwedeler Tor und ein beliebtes Fotomotiv, der hölzerne Torwächter am Salzwedeler Tor. Nach einer wechselvollen Geschichte scheint sein Ende nun aber endgültig besiegelt zu sein. Als der Torwächter in privater Initiative jetzt saniert werden sollte, wurde ein riesiges Pilzgewächs am Hals des Gesellen festgestellt. Der aktuelle Besitzer, Thomas Berlin, hatte ihn der Stadt zurückgegeben. Er könne den Gesellen nicht aufarbeiten. Seitdem liegt er nun etwas hilflos und einsam auf dem Gelände der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark. Eine Schuld treffe Berlin indes nicht an der Situation, betonte Dagmar Bauer von der Stadtverwaltung, unter anderem zuständig für die Bewirtschaftung der städtischen Liegenschaften. Denn wegen des Pilzbefalles sei er seinerzeit aus Sicherheitsgründen auch abgebaut worden.

Geburtstagsgeld für Sanierung

Unterdessen sei der hölzerne Geselle noch einmal von Fachleuten begutachtet worden. „Aus unserer Sicht ist der nicht mehr aufbaufähig“, informierte Bauer gestern auf Anfrage. Die Geschichte des Torwächters begann im November 2001. Bis dahin war der Geselle ein etwa 250 Jahre alter Eichenbaum, der am Salzwedeler Tor stand. Der Baum fiel im besagten Jahr einem Sturm zum Opfer. Lange war unklar, was mit dem Eichenholz passieren sollte, gehörte der Baum doch zum Salzwedeler Tor und war damit ein Stück Stadtgeschichte. Eines Tages kam mit dem Holzkünstler Roland Lindner aus Zeitz ein Mann des Weges, der dem Eichenbaum wieder neues Leben einfloss. Er schnitzte daraus den großen Torwächter, der am 28. Februar 2003 feierlich enthüllt wurde.

Gardelegens Alt-Bürgermeister Konrad Fuchs ließ den Gesellen 2012 noch einmal umfassend sanieren, finanziert mit Geldgeschenken, die er zu seinem 60. Geburtstag erhalten hatte. Bis November 2015 hielt der Torwächter Wache am Salzwedeler Tor. Danach musste er wegen eines Pilzbefalles im unteren Bereich abgebaut werden. Die Standsicherheit war nicht mehr gegeben. Lange Zeit war unklar, was damit werden sollte. Als Brennholz wollte man ihn jedoch nicht verheizen. Bürgerideen wurden gesucht. 2016 wurde er versteigert. Den Zuschlag erhielt Thomas Berlin. Der Unternehmer aus Gardelegen wollte den Holzkerl wieder aufarbeiten und ihm zur Seite eine kleine Wächterin geben. Was nun mit dem Torwächter wird, ist noch unklar.