Gardelegen l Die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent, wie von der Bundesregierung als Hilfe für die Gastronomie verkündet, könne nur ein Anfang sein. Das machte Andy Jahn, Betreiber der Alten Feuerwache und der Burgpension in Gardelegen, im Namen seiner Kollegen deutlich. Denn die Verringerung der Mehrwertsteuer beziehe sich nur auf Speisen. Getränke, mit denen in der Gastronomie, in Bars, Diskotheken und Klubs das meiste Geld verdient werde, sei davon ausgenommen. Das müsse ausgeweitet werden, so eine Forderung gestern auf dem Gardelegener Rathausplatz: sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke.

Keine Einnahmen, aber Ausgaben

Mit über 400 leeren Stühlen hatten dort neben Andy Jahn auch die Gardelegener Gastronomen Kevin Schönemann vom Café am Rathaus und Reutterhotel, Dunja Kann vom Restaurant Adria, Doreen Gahrns vom Fischerhof Gahrns, Maik Eulenberg von der Pizzeria Napoli und Wilma Rolletschek von Feinkost mit Genuss sowie Karell Lüders vom Letzlinger Gasthaus Lüders, Peter Fleig vom Landgasthof Berge sowie Ronald und Rick Gaede vom Wiepker Spelunkenwirt auf ihre derzeitige Situation aufmerksam gemacht. Da sie ihre Lokalitäten nicht öffnen dürfen, haben sie keine Einnahmen, die Ausgaben aber laufen weiter. Lieferdienste, die einige von ihnen anbieten, werden relativ wenig angenommen. Die Einnahmen daraus seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Und nicht nur die Gastronomen sehen ihre Existenz bedroht, wie sie mit der Beteiligung an der bundesweiten Aktion, initiiert vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), deutlich machen wollten, sie haben auch ihre Angestellten im Blick, die die meisten von ihnen in Kurzarbeit schicken mussten. Und die Neuregelung, dass das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat und dann noch einmal ab dem siebten Monat um jeweils zehn Prozent angehoben werde, sei für viele von ihnen, so Jahn, eindeutig zu spät.

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Lukrative Zeit verloren

„Wir brauchen eine Perspektive, einen Anhaltspunkt, wie und wann wir wieder öffnen dürfen“, fasste Jahn die Hauptforderung der Gas- tronomen zusammen. Die Tische weiter auseinander, um mehr Abstand zu gewinnen, Mundschutz tragen, bei dem schönen Wetter die Außenbereiche mehr nutzen – „Wir sind doch gewillt, was zu machen, um das Virus einzudämmen.“ Doch große Hoffnungen machen sich die Frauen und Männer auf eine baldige Öffnung nicht. „Vom Gefühl her, wird das wohl erst nach Pfingsten sein“, erklärte Maik Eulenberg und die anderen nicken. Damit würden sie Ostern, 1. Mai, Muttertag, Vatertag und Pfingsten als lukrative Tage verlieren. „Das war es dann für uns“, so Eulenberg, zudem auch Konfirmationen, Jugendweihen, Hochzeiten, große Familien- und auch Dorffeste nicht stattfinden. Dabei, erklärte Doreen Gahrns, „werden gerade jetzt die Einnahmen für den Winter verdient.“

Dass das ein großes Problem ist, sieht auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher, die sich gestern zu den Gastronomen auf die vielen leeren Stühle setzte. Als Stadt könne man nur die Stundung der Gewerbesteuern anbieten. Ansonsten könne man nur an die Bürger appellieren, wenn alles vorbei sei, ordentlich in den Gaststätten zu konsumieren, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Das sei ja auch die Intention des Gardelegen-Gutscheins auf dem digitalen Marktplatz „Wir für uns“ auf der Homepage der Stadt unter www.gardelegen.de.