Kakerbeck l Informationen zum Windpark lautete der Tagesordnungspunkt der Ortschaftsratssitzung am Dienstagabend in Kakerbeck. Dieses Thema zog auch Einwohner an. „Sonst sitzen wir meist allein hier. Ich freue mich, dass Ihr Interesse zeigt“, sagte Ortsbürgermeister Ulf Kamith, obgleich von den mehr als 500 Einwohnern des Ortes „nur“ fünf den Weg ins Dorfgemeinschaftshaus fanden. Günter Mastalka, Geschäftsführer des Windparks, und Jens Schöttler von der Geschäftsführung der Erneuerbare Energien Europa 3 GmbH (e3), die mit Projektentwurf, Erstellen des Genehmigungsverfahrens und dem Bau des Netzanschlusses betraut ist, stellten das Vorhaben, Repowering des Windparks, vor.

Repowering bedeutet, dass der Windpark, der 2000 errichtet wurde, nun erneuert werden soll. Dazu sollen alte Anlagen durch neue, höhere ersetzt werden. So ist vorgesehen, dass 13 Altanlagen mit einer Nabenhöhe von 70 Metern abgebaut werden. In einem ersten Bauabschnitt sollen sieben neue Anlagen errichtet werden. In einem zweiten Bauabschnitt können drei bis vier weitere Mühlen hinzu kommen. Dann werden im Gegenzug nochmals vier bis fünf Altanlagen abgebaut.

Höher, aber auch leiser

Der Mindestabstand zum Wohngebiet betrage bei der Errichtung mindestens 1000 Meter. Ins Genehmigungsverfahren geht Jens Schöttler, Geschäftsführer der e3, mit dem Vorhaben der Errichtung von Anlagen des Typs E-147 mit einer Nabenhöhe von 126 Metern. Eine Umplanung zu Anlagen des Typs E-138 mit 160 Meter Nabenhöhe könne zu jedem Zeitpunkt möglich sein, wie Schöttler mitteilte. Diese Anlagen seien für die Anwohner angenehmer, da die Rotorenblätter kleiner sind.

Voraussetzung für die Errichtung dieser neuen Anlagen ist, dass die Windräder, die am dichtesten zum Ort gelegenen sind, nachts abgeschaltet werden. Von den neuen Windkrafträdern profitieren die Anwohner auch dadurch, dass neue Richtwerte eingehalten werden. Die Betreiber garantieren eine geringere Schallbelastung aufgrund gesetzlicher Regelungen. Auch der Schattenwurf werde sich verringern. Die Grenze von acht Stunden im Jahr, in denen durch Sonneneinstrahlung Schattenwurf vorkommen kann, werde laut Schöttler nicht überschritten: „Das ist der absolute Grenzwert.“ Außerdem werden die neuen Mühlen keine Dauerbeleuchtung erhalten. Sie werden so ausgestattet, dass nur im Bedarfsfall, also wenn beispielsweise ein Flugzeug vom Kurs abweicht und sich den Rädern zu sehr nähert, befeuert. Weiterhin ist vorgesehen, dass nach circa sechs Jahren der Rückbau aller Bestandsanlagen erfolgt.

Beteiligung der Bürger

Interessiert folgten die anwesenden Einwohnern den Ausführungen der Redner. Dennoch wurden Stimmen laut, die ansprachen, dass mit einer Erneuerung des Windparks der Wert des eigenen Grundstücks nicht gerade steige. Vor 20 Jahren sie den Anwohnern schon geringer Schattenwurf und eine geringe Geräuschkulisse versprochen worden.

Günter Mastalka verwies noch einmal auf das Einhalten der gesetzlichen Regelungen. Zudem betonte er, dass eine Unterstützung der Anwohner durch die Windparkgesellschaft gewollt ist. Beide Ortsteile sollen vom Windpark profitieren, denn „die Vorteile sollten dort sein, wo auch die Belastung ist“.

Vorranggebiet für Windkraftanlagen

Für diese Unterstützung gebe es drei Möglichkeiten. Das wäre zum einen ein vergünstigter Strombezug für Kakerbecker und Neuendorfer. Außerdem könne ein Ortschaftsverein unterstützt werden. Ein dritten Punkt ist die Beteiligung der Bürger an der Windparkgesellschaft. „Wir stellen eine Mühle den Bürgern zur Beteiligung bereit“, so Mastalka. Für einen Mindesteinzahlbetrag von 1000 Euro können Einwohner Anteile erwerben. Üblich seien 3000 Euro. Um auf diese 3000 Euro zukommen, werden die Erträge nicht sofort ausgeschüttet, sondern sie verbleiben bis die 3000 Euro erreicht sind. Erst dann erfolgen Ausschüttungen. ,Beteiligt sind die Bürger mit ihrem Einsatz am Gewinn, bei einem späteren Rückbau der Anlage werden sie nicht zur Kasse gebeten, versicherte der Geschäftsführer. Von den genannten drei Möglichkeiten, könne sich aber nur für eine entschiedenen werden. Welche dies sein werde, darüber wird der Ortschaftsrat entscheiden.

Schöttler gab zu bedenken, dass in der Gemarkung Kakerbeck ein Vorranggebiet für Wind vorhanden ist. Wenn das Unternehmen dort nicht baut, können anderen kommen, die dort bauen wollen. „Und wir wollen alle Strom aus der Steckdose haben“, argumentierte Ortschaftsratsmitglied Steffen Lötge.

Genehmigungsverfahren kurz vor dem Start

Vorgesehen ist, dass der Betreiber innerhalb der nächsten acht Wochen ins Genehmigungsverfahren geht. Der Baubeginn werde für 2021 geplant, so Schöttler.