Gardelegen l Dienstagnachmittag vergangene Woche: Gegen 15 Uhr wird es im sonst so beschaulichen Gardeleger Stadtzentrum plötzlich laut. Ein Hubschrauber nähert sich und landet direkt neben dem Rathaus. Viele Bürger lassen sich das Schauspiel nicht entgehen. Dicht heran können sie indes nicht. Die Gardeleger Feuerwehr hat den Bereich weiträumig abgesperrt. Auch der Durchgangsverkehr muss warten.

Kein Notarzt vor Ort verfügbar

Grund für den außergewöhnlichen Einsatz: Ein Mann ist auf dem Parkplatz der Stadtverwaltung hinter dem Haus II umgekippt. Das Team der Rettungswache in Gardelegen ist zu diesem Zeitpunkt allerdings ohne Notarzt. Der ist zu einem anderen Einsatz gefahren. Und auch die Notfallmediziner in der näheren Umgebung sind nicht verfügbar. Die Rettungsleitstelle in Stendal informiert deshalb eine Rettungswache aus dem angrenzenden Bundesland Niedersachsen. Der Arzt kommt schließlich per Hubschrauber, wird von Lüneburg nach Gardelegen geflogen.

Ein Fall, wie er tatsächlich einige Male im Jahr eintreten kann, erklärt Kreisdezernent Hans Thiele, der im Altmarkkreis für den Bereich Gefahrenabwehr zuständig ist. Genau für solche Situationen gebe es aber natürlich einen Notfallplan. In der Rettungsdienstleitstelle in Stendal haben die Mitarbeiter zu jeder Zeit den Überblick darüber, welche Ärzte wo im Einsatz sind. Ist tatsächlich keiner verfügbar, wird dann unverzüglich der nächstgelegene Mediziner ermittelt und gerufen – „und der kommt dann eben auch einmal durch die Luft und nicht auf der Straße zum Einsatzort.“ Ein Grund zur Sorge bestehe deshalb nicht, betont Hans Thiele.

„Zu dieser Zeit war, wie an sieben Tagen die Woche, jeweils 24 Stunden am Tag, ein Notarzt am Notarztstandort Gardelegen in Bereitschaft“, versichert auch Pressesprecher Bernd Franke von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV)Sachsen-Anhalt, die für die Notärzte zuständig ist. „Die Rettungsdienstwachen, in denen sich auch die Notärzte aufhalten, befinden sich in Salzwedel, Gardelegen, Klötze und Kalbe-Kahrstedt.“ Teile des Altmarkkreises würden zusätzlich von Notärzten aus benachbarten Bereichen versorgt, informiert Franke.

Hilfsfrist 20 Minuten

Wie genau die Retter eingesetzt werden, lege schließlich der Landkreis als Träger im Rettungsdienstbereichsplan fest. „Planerisch verlangt das Gesetz dabei, die Standorte der Rettungsmittel so zu bestimmen, dass unter gewöhnlichen Bedingungen die Hilfsfrist für Notärzte von 20 Minuten in 95 Prozent aller Notfälle eingehalten werden kann.“

Hierbei werde auch die Einwohnerdichte berücksichtigt, „so dass die Wahrscheinlichkeit von sogenannten Duplizitäten, also dem zeitgleichen Zusammentreffen mehrerer Notfallereignisse in einem Versorgungsbereich, berücksichtigt wird“. Falls schließlich doch eine Duplizität eintrifft, wie eben am vorigen Dienstag, tritt der Notfallplan in Kraft – der Notarzt landet dann auch mal mit dem Hubschrauber mitten in der Stadt.