Gardelegen l Eine gute Visitenkarte ist es nicht – das Gardelegener Bahnhofsgebäude, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde und jahrzehntelang von großer Bedeutung für die Stadt war. Das ist mittlerweile Geschichte. Baulich verfällt das als Einzeldenkmal geführte Gebäude immer mehr. Es besteht dringender Handlungsbedarf, wobei an erster Stelle die Sicherung des Gebäudes steht.

Das sieht auch die Stadt so, obwohl sie nicht Eigentümerin der Immobilie ist. Aus diesem Grund hat sie die Sicherung des Empfangsgebäudes als Fördermaßnahme im Rahmen des Landesprogrammes „Stadtumbau Ost Aufwertung, Sicherungsmaßnahmen an historischen Gebäuden“ in den Doppelhaushalt der Stadt 2019/2020 eingestellt.

Allerdings war die Position bisher mit einem Sperrvermerk versehen, da bestimmte Voraussetzungen noch nicht gegeben waren. Der Fördermittelbescheid lag noch nicht vor, und es gab keinen Investor.

Investor steht in den Startlöchern

Unterdessen sind diese Voraussetzungen aber vorhanden, wie es in der entsprechenden Beschlussvorlage für die nächste Stadtratssitzung heißt, so dass der Sperrvermerk aufgehoben werden könnte. Und genau das haben die Mitglieder des städtischen Finanz- und Bauausschusses positiv beschieden, und zwar ohne größere Diskussionen.

Durch das Landesverwaltungsamt wurde bereits Ende des vergangenen Jahres der Bewilligungsbescheid zur Förderung der Maßnahme in Höhe von 1,5 Millionen Euro erteilt. Es gibt zudem einen privaten Investor, der laut Beschlussvorlage ein Nutzungskonzept einschließlich einer Kostenschätzung erarbeitet hat. Dessen Eigenanteil für die Sicherungsmaßnahmen beträgt 15 Prozent.

Die Kosten für die Stadt belaufen sich laut Vorlage auf rund 6700 Euro. Dabei handelt es um die Vergütung der jährlichen Leistungen, die vom Sanierungsträger, der Saleg mbH, für die Stadt geleistet werden. Ein Kostenanteil für die Stadt bei der Realisierung der Baumaßnahme ergibt sich in diesem Zusammenhang nicht.

Zur konkreten Umsetzung der geplanten Gesamtmaßnahme, also zur Sicherung des Bahnhofsgebäudes, zur weiterführenden Sanierung sowie zur künftigen Nutzung des Bahnhofgebäudes, wird die Stadt mit dem Investor einen „Ordnungsmaßnahmenvertrag“ abschließen.

Die Chancen stehen gut, dass das Bahnhofsgebäude aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wird, obwohl das derzeit noch schwer vorstellbar ist, denn gegenwärtig steht das Gebäude leer. Es ist für Bahnreisende unzugänglich und nicht nutzbar. Auch den Besuchern des Busbahnhofes wird dort kein Service geboten. Baulich verfällt das Gebäude, so dass „sich Besuchern ein trostloses Bild bietet“, wie es in der Beschlussvorlage steht.

Eigentümer noch immer Havelinda

Zur Vorgeschichte: Vor gut zehn Jahren hatte die Stadt Gardelegen die Chance, den Bahnhof von der Bahn AG zu erwerben – mit einer 80-prozentigen Förderung über das Revita-plus-Programm des Landes, ein speziell für die Wiederbelebung von Bahnhöfen aufgelegtes Förderprogramm. Nach langen Diskussionen hatte der Stadtrat damals einen Kauf abgelehnt.

Wieder vergingen Jahre, und der Verfall des denkmalgeschützten Gebäudes mit seinem berühmten Palmensaal ging weiter. Im März 2009 griff dann die Havelinda GmbH mit Sitz in Saarbrücken zu und kaufte den Gardelegener Bahnhof – nach Volksstimme-Informationen für 75 000 Euro.

Der Besitzer hatte eine stückweise Sanierung zugesichert, je nach Interessenlage, etwa Kioskbetreiber oder Gastronom für den Palmensaal. Passiert ist seitdem nichts, genau wie in anderen Bahnhöfen auch, die die Havelinda gekauft hat. Dazu gehört auch der Zerbster Bahnhof (Volksstimme berichtete).

Die Havelinda GmbH ist immer noch Eigentümerin des Bahnhofes, informierte Bürgermeisterin Mandy Schumacher auf eine entsprechende Anfrage von SPD-Stadtrat Peter Wiechmann im Finanzausschuss. Es gebe aber einen ernstzunehmenden Investor aus der Region, der sich in Kaufverhandlungen mit der Havelinda GmbH befinde.

Der war auch zu Gast im Bauausschuss am 4. Juni und stellte sich im nichtöffentlichen Sitzungsteil vor. Nähere Details wollte Schumacher mit Blick auf Grundstücksfragen, die nichtöffentlich behandelt werden müssen, nicht nennen.

Die endgültige Entscheidung über die Aufhebung des Sperrvermerkes fällt der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am Montag, 15. Juni, ab 19 Uhr im Letzlinger Kulturhaus.