Gardelegen l Dass er ein Schandfleck ist, darüber sind sich alle einig. Der Gardeleger Bahnhof steht seit vielen Jahren leer. Das Haus bröckelt vor sich hin. Die Fenster sind vernagelt.Schalterhalle, Imbiss-Kiosk, Fahrkartenstand – all das ist längst Geschichte.

Die Bahn AG wollte ihn irgendwann nicht mehr. Kein Bedarf, zu teuer, nutzlos. Vor rund zehn Jahren bot sie das Gebäude zum Verkauf an. Die Stadt lehnte dankend ab. Trotz verschiedener Vorschläge, die das Bauamt immer wieder machte, sahen die Stadträte keinen Nutzen für die Bürger.

Heute sieht wohl mancher die Sache anders, wünschte sich eine ansprechende Eingangshalle für die Stadt, denn der erste Anblick für alle, die per Bahn nach Gardelegen kommen, ist verheerend.

Handhabe hat die Stadt aber schon lange nicht mehr: Seit Ende März 2013 ist das Gardeleger Bahnhofsgebäude nämlich in Privatbesitz. Passiert ist unter der Regie der Eigentümer allerdings nichts.

Immer mal wieder musste sich der Gardeleger Stadtrat zwar mit der Anfrage nach finanzieller Unterstützung beim Ausbau beschäftigen. Etliche Male, wurde die auch zugesagt – aber nur unter der Bedingung, dass die Eigentümer denn auch investieren. Das jedoch blieb aus. Bis heute.

„Der Eigentümer hat kein Geld“, bringt es Bauamtleiter Engelhard Behrends am Mittwochabend im Finanzausschuss mal auf den Punkt. Deshalb wolle er das Objekt auch wieder verkaufen. „Für einen hohen Preis.“

Empfangshalle im Investitionsplan

Dass der Bahnhof an diesem Abend wieder mal Thema ist, liegt am Entwurf des Investitionsplanes 2019/2020. Darin nämlich findet sich unter „Investitionszuweisungen vom Land, 100 Prozent Förderung“ der Eintrag: „Sicherung der Empfangshalle am Bahnhof“. 1,5 Millionen Euro (mit Sperrvermerk).

Um was es dabei geht, wollen vor allem Frank Rossberg (Fraktion Die Linke) und Rüdiger Wolf (Freie Liste-Feuerwehr) genau wissen. „Der Bahnhof gammelt ja nun schon ewig vor sich hin.“ Vielleicht, so Rossberg, sollte die Stadt das Gebäude kaufen.

„Und dann vermieten wir es an die Bahn?“, fragt Bürgermeisterin Mandy Zepig nach. Das sei nicht möglich. Allerdings gebe es derzeit einen Hoffnungsschimmer: „Wir haben einen neuen Interessenten, der da was machen will.

Rüdiger Wolf hat da aber offensichtlich seine Zweifel: „Dann steht doch wieder der Denkmalschutz da. Wir sollten den (Bahnhof) kaufen und abreißen“, schlägt er vor. „Oder sie sagen klipp und klar, was sie damit machen wollen.“

Denkmalsschutz verhindert Abreißen

Abreißen, das macht Zepig deutlich, gehe aus Denkmalschutzgründen ohnehin nicht. Der Interessent habe aber „Erfahrung mit solchen Objekten“, auch was den Denkmalschutz angehe. Und der Mann komme aus der Region. Ein „Heuschreckenprinzip“, wie beim aktuellen Eigentümer zu vermuten, habe man also nicht zu befürchten.

Beide, der aktuelle Eigentümer und der neue Interessent kennen sich auch schon, bestätigt Zepig gestern noch einmal auf Nachfrage. Letzterer habe sich vor Ort auch schon alles umgesehen.