Gardelegen l Wenn ein Schüler in der Reutter-Grundschule in Gardelegen ein dringendes Bedürfnis verspürt und gerade in der obersten Etage Unterricht hat, muss er flink sein. Denn sein Weg führt von ganz oben im Schulgebäude nach ganz unten. Die sanitären Anlagen befinden sich nämlich im Keller. Und das riecht auch jeder, der sich der Kellertreppe nähert, wie die Mitglieder des städtischen Bauausschusses – die Stadt ist Schulträger – mit eigenen Nasen am Montagabend erfahren konnten. Auch die Inaugenscheinnahme aller Räume im Keller zeigte, dass dort aufgrund aufsteigender Feuchtigkeit ein dringender Sanierungsbedarf besteht. Dazu kommt, dass der Einbau der Anlagen Anfang der 1990er Jahre für Sekundarschüler erfolgt war, diese für Grundschüler also eigentlich ungeeignet sind.

Der Wunsch der Schulleitung wäre zudem, die sanitären Anlagen eine Etage nach oben ins Erdgeschoss zu verlegen, erläuterte Leiterin Sylvia Straßburg, die die Ausschussmitglieder durchs Haus führte. „Das wäre für die Kinder eine Erleichterung im Schulalltag.“ Der Platz wäre durch Umverlegung und Umnutzung einiger Räume vorhanden. Gemeinsam mit dem Planer Matthias Lofing wurde ein erster Entwurf zur Sanierung und Umgestaltung des Keller- und Erdgeschosses erarbeitet, mit dem auch die bis dato nicht nutzbaren Kellerräume wieder zu nutzen wären. Dazu kommt die Schaffung von Barrierefreiheit im gesamten Schulgebäude mit dem Anbau eines Fahrstuhls, der aber eine Extra-Maßnahme darstellt.

Arbeiten bei laufendem Schulbetrieb

Die Idee sei laut Lofing, die neuen Sanitäranlagen im großen Essenraum im Erdgeschoss unterzubringen, der genügend Platz für die separaten Bereiche und sogar auch noch für einen Hauswirtschaftsraum, den es noch nicht gibt, bietet. Der Essenraum könnte nach einer Übergangszeit während der Bauphase in der Aula in den Kellerbereich des Anbaus verlegt werden, wo sich früher das Schwimmbad befand.

Derzeit wird der große, sehr tief liegende Raum als Werkraum genutzt, der aber nach der Sanierung und Trockenlegung der Kellerräume im Hauptgebäude einen neuen Platz finden könnte. Im Anbaukeller würde durch den Einbau eines Zwischenbodens eine große Ebene entstehen, die genügend Platz für Küche, Essenausgabe und Essenraum bieten würde. Wie Lofing erklärte, können die Umbauarbeiten sogar während des laufenden Schulbetriebs erfolgen, denn die betreffenden Bereiche werden nicht ständig genutzt. Das sei händelbar. Und er plädierte für die Maßnahme, um den Schulstandort zu erhalten.

Schulstandort in Innenstadt halten

Denn „leere Objekte gibt es in der Innenstadt schon genug“, so Lofing. Eine Umnutzung wäre schwierig, da das Gebäude 1871 als Schule gebaut wurde. Als erste Kostenschätzung sind 1,5 Millionen Euro angeben, für die laut Ottmar Wiesel, Leiter des Fachbereiches Baudienstleistungen, Fördermittel aus der Städtebauförderung beantragt werden sollen, wenn der Bauausschuss und in letzter Instanz der Stadtrat zustimmen. Von den Bauausschussmitgliedern gab es schon einmal ein einstimmiges Ja. Wie Andreas Höppner (Linke) sagte, sei man sich einig, „dass wir es, wenn wir das anpacken, im Ganzen tun. Die Stückwerkelei muss aufhören.“ Auch er sieht die Sanierung der Schule für den Innenbereich als wichtig an. Man müsse nicht alles nach außen verlagern.

Ins selbe Horn blies Oliver Stegert (SPD). Das Konzept sei keine Flickschusterei, sondern eine gute Idee und Qualitätssteigerung. Und auch Gustav Wienecke (Wählergemeinschaft Südliche Altmark) sprach sich fürs Vorhaben aus, obwohl er sicher sei, dass sich die Summe verdoppeln werde und er sich noch 2019 dem Vorschlag von Dirk Kuke (fraktionslos) angeschlossen hatte, der für einen Neubau der Reutter-Grundschule plädiert hatte. Und das wiederholte Kuke auch Montagabend: „Ich bin immer noch für einen Schulneubau, man sollte nicht an alten Gebäuden festhalten.“ Er hätte sich eine andere Lösung gewünscht.