Gardelegen l Das kostenloses Schülerticket für alle Schüler bis zur zwölften Klasse hat Stadtrat Dirk Kuke (Freie Liste, fraktionslos) aufs Tapet gebracht. Er schlägt vor, ein Pilotprojekt zu entwickeln, und zwar für die Flächenstadt Gardelegen. Wie allerdings die Finanzierung erfolgen könnte, lässt Kuke offen. Auf dem Schirm hat Stadtrat Dirk Kuke die Idee schon lange. Spätestens seit der ersten Ideenkonferenz mit Schülern ab der achten Klasse im Rathaussaal am 1. Oktober 2019 hätten sich die Vorstellungen thematisch verfestigt. Denn seinerzeit war von den Schülern der Wunsch nach einem kostenlosen Schülerticket für alle Schüler geäußert worden.

Mit der Einführung des Azubi-Tickets in Sachsen-Anhalt hat Kuke, der für die Freie Liste im Stadtrat sitzt, allerdings fraktionslos, und für die Regionalvereinigung Freie Wähler Altmark bei den Landtagswahlen ein Mandat erwerben möchte, ein Grobkonzept dazu erstellt. Die meisten Schüler aus dem Einzugsbereich der Einheitsgemeinde Gardelegen seien von der Grundschule, der Sekundarschule bis zum Gymnasium auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen. Allerdings seien nur die Fahrschüler berechtigt, für den Schulweg den ÖPNV zu nutzen. Elft- und Zwölftklässer müssten sich allerdings mit 100 Euro pro Jahr daran beteiligen, beziehungsweise deren Eltern, da die Jahrgänge noch kein eigenes Geld verdienen würden.

Ticket ist nur eingeschränkt nutzbar

Außerdem gelte der Schülerausweis für Fahrschüler nur für den eigentlichen Schulweg. Fahrten, beispielsweise zur Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften oder Jugendveranstaltungen der Kernstadt oder in den Ortsteilen, seien davon ausgeschlossen. Ebenso könnten Schüler, die in Orten mit Schulen wohnen, das auch nicht nutzen.

„Die Teilnahme an Jugendveranstaltungen, die Nutzung von kulturellen oder sportlichen Angeboten in der Kernstadt ist dann nur mittels käuflich zu erwerbenden Fahrscheinen oder mit dem Taxi von Papa und Mama möglich“, betont Kuke. Ganz abzusehen von Fahrten mit Moped oder Auto, und den damit höheren Kosten und Unfallrisiken und zusätzlichen Belastungen des Straßenverkehrs und der Umwelt. Das alles steigere nicht unbedingt die Attraktivität des ländlichen Raumes, so Kuke. Die Freie Liste schlage zwei Möglichkeiten vor: einen Schülerausweis für alle Schüler bis zur zwölften Klasse, mit dem sie den ÖPNV zu jeder Zeit unentgeltlich und zeitlich uneingeschränkt nutzen können. Oder mit der Einschränkung für alle Schüler, dass außerhalb der Schulzeit (ab 16 Uhr) ein verminderter Fahrpreis, beispielsweise 50 Cent oder ein Euro, zu veranschlagen ist. Mit einbezogen werden sollte dabei auch der regionale Bahnverkehr. Was die Finanzierung betrifft, sei die Landesregierung gefordert. „Auch auf kommunaler Ebene wird das sicherlich nicht ohne Folgen bleiben“, so Kuke.

Umsetzung wird schwierig

Keine Frage, die Umsetzung wird schwierig sein. „Aber wir sind eine Flächenkommune. Da muss es andere Lösungen geben“, stellt Kuke klar. Wer soll das auf den Weg bringen? „Wir als Lokalpolitiker mit dem Draht zur Landes- und Bundespolitik. Wir haben doch Vertreter in diesen Gremien“, so Kuke weiter.

Es gelte die Devise, „nicht nur reden, sondern gemeinsam dran arbeiten“. Schließlich gehe es darum, junge Familien hier zu halten und junge Familien in die Region zu locken. Es sei schließlich auch gelungen, das Pilotprojekt Gardelehrer zu etablieren, unterstützt von Gardelegens Bürgermeisterin und den Stadtratsfraktionen.

Bedarf muss ermittelt werden

„Grundsätzlich finde ich Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche unterstützen, immer gut“, betont Bürgermeisterin Mandy Schumacher auf Volksstimme-Anfrage. Der ÖPNV und der Schülerverkehr würden über den Landkreis laufen. Und der könne sich nur über die Zuweisungen des Landes und der Kreisumlage von den Kommunen finanzieren. „Für eine konkrete Einschätzung der Sachlage bräuchte ich also Kenntnis über den Finanzbedarf“, so Schumacher. Die Stadt Magdeburg wird das einführen. „Das wird aber teuer. Wenn das gemeinsam finanzierbar ist, wäre das sicher eine interessante Sache“, meint Schumacher.

In Magdeburg werden alle Schüler bis zu 18 Jahren ab dem Schuljahr 2021/2022 kostenlos Bus und Bahn im Stadtgebiet nutzen können. Das hatte der Stadtrat am 17. Oktober des vorigen Jahres auf Antrag der SPD-Fraktion beschlossen. Oberbürgermeister Lutz Trümper, Gegner des Projektes, geht von Kosten von bis zu sieben Millionen Euro aus. Der Finanzbeigeordnete der Stadt, Klaus Zimmermann, rechnet in einer Stellungnahme zum kostenlosen Ticket für etwa 22 000 Anspruchsberechtigte mit 9,8  Millionen Euro jährlich (Volksstimme berichtete).