Gardelegen l Es gibt viele Gründe, wenn Schüler nicht regelmäßig zur Schule gehen. Nur den einen, den viele zu kennen glauben, den gebe es eigentlich kaum, versichert Christin Schulze: „Kein Bock? Das ist fast nie der Grund.“

Zahl der Schulschwänzer sinkt

Die 29-Jährige ist Schulsozialarbeiterin an der Gardeleger Karl-Marx-Schule. Die Schulschwänzer gehören auch zu ihrem Aufgabenbereich. Viele sind es aber eigentlich gar nicht. Zumindest ist die Zahl der Schüler, die unentschuldigt der Schule fernbleiben, seit gut einem Jahr spürbar zurückgegangen. Seit geraumer Zeit gibt es an Gardelegens einziger Sekundarschule nämlich ein einfaches aber sehr effektives System: „Täglich nach der ersten Stunde gehen bei mir die Anwesenheitslisten aller Klassen ein“, erzählt Schulze. Und dann setzt sich die junge Frau sofort ans Telefon und fragt mal nach. Und zwar bei all jenen, die nicht da und auch nicht entschuldigt sind. Keine lange Bank, keine Hin- und Herschieberei von Verantwortlichkeiten. An der Karl-Marx will man sofort wissen, was los ist – das schreckt sicher schon manchen potenziellen Schwänzer ab. So ein Anruf aus der Schule ist schließlich nicht angenehm.

In den allermeisten Fällen gibt es aber ohnehin gleich Entwarnung, erzählt Christin Schulze: „Meist sind die Schüler tatsächlich krank, und die Eltern haben es nur versäumt, anzurufen.“ Aber natürlich gebe es auch die anderen Fälle. Und denen geht die junge Frau dann auch konsequent auf den Grund. „Denn es steckt eigentlich immer was dahinter.“ Genau das versucht sie dann zu ergründen. Und meist gelingt das auch.

Regelmäßige Treffen

Denn schon dass sie es ist, die als erste anruft, und nicht einer der Lehrer oder gar die Schuldirektorin, nimmt schon mal den Druck von den Bummlern. Natürlich seien die Pädagogen aber von Anfang an eingebunden, versichert Christin Schulze. „Wir haben hier kurze Wege an der Schule, das ist wirklich prima.“ Zudem gibt es regelmäßige Treffen der Beratungsgruppe, zu der neben Schulleiterin Solveig Lamontain und Christin Schulze auch die Beratungslehrerin Ilona Sauer und eine Mitarbeiterin des Jugendamtes gehört.

Oft reiche aber schon ein Gespräch mit dem Klassenleiter, um die Gründe für das Fernbleiben herauszufinden. Die sind nämlich so verschieden, wie die Schüler selbst. Überforderung könne ein Grund sein, aber auch Mobbing, ein Konflikt mit dem Lehrer oder Sorgen zu Hause. Es sei erstaunlich, sagt Christin Schulze, mit welchen Problemen schon Schüler klarkommen müssten.

In den meisten Fällen könne die Schule dann aber auch tatsächlich helfen, und auch das meist „super unbürokratisch“, zum Beispiel mit Förderangeboten oder innerhalb des ersten Schulhalbjahres auch mal mit einer Rückstufung. In anderen Fällen sei ein Gespräch mit den Eltern, Mitschülern oder Lehrern hilfreich. Wichtig sei vor allem, den Druck rauszunehmen, sagt Schulze. „Und zum Glück gibt es ganz viele Stellen, wo man ansetzen kann, damit jeder Schüler gern zur Schule kommt.“ Und das funktioniert an der Karl-Marx-Schule offenbar super.