Gardelegen/Solpke l Manchmal hat offenbar auch eine Krise am Ende etwas Gutes. Der Bau einer neuen Kindertagesstätte in Solpke war zwar ohnehin geplant, allerdings komplett finanziert aus dem Stadthaushalt. Die Stadt hatte zwar für dieses Projekt Fördergeld beim Land beantragt, aber keine bekommen. Zu viele Anträge, zu wenig Geld, hieß es.

Da der bauliche Zustand der jetzigen Kita in Solpke aber sehr schlecht sei, hatte der Stadtrat am 1. April, also kurz nach Ausbruch der Corona-Krise, in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, die Kita zu bauen – mit eigenen Mitteln. In dieser Sitzung war man sich auch relativ einig, dass es aufgrund der Corona-Pandemie und der erheblichen finanziellen Ausfälle auch in absehbarer Zeit keine Förderung für solche Projekte mehr geben wird.

Doch genau das wird es jetzt geben, und zwar über das große Konjunkturprogramm des Bundes, das am 29. Juni beschlossen wurde – mit einem Gesamtumfang von 130 Milliarden Euro. Ein Teilpaket trägt die Bezeichnung „Zukunftspaket“.

„Zukunftspaket“ mit einer Milliarde

Und darin enthalten ist eine Förderung von Bildung und Forschung mit folgendem Unterpunkt: „Um im Bereich Kindergärten, Kitas und Krippen den Kapazitätsausbau sowie Erweiterungen, Um- und Neubauten zu fördern, werden eine Milliarde Euro zusätzlich für Ausbaumaßnahmen bereitgestellt, die 2020 und 2021 stattfinden.“ Und Sachsen-Anhalt soll davon 23 Millionen Euro erhalten.

Das Thema spielte am Rande eines Gespräches mit dem Linke-Bundestagsabgeordneten Matthias Höhn und Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher im Rathaus eine Rolle. Denn derzeit noch völlig unklar sei die Vergaberegelung, „gibt es eine Gießkannenförderung oder eine richtige Förderung?“ so Schumacher.

Die Stadt habe einige Einrichtungen, die „brandschutzmäßig unterirdisch“ seien. Dazu gehöre auch die Solpker Kita. Es sei also dringend Handlungsbedarf gegeben, so dringend, dass die Stadt auch ohne Förderung gebaut hätte.

Nun könnte sich mit dem Corona-Paket eine Änderung ergeben. Auch den engen Zeitplan von 2020 und 2021 könne die Stadt einhalten, denn derzeit werden bereits die Planungsunterlagen erstellt. „Das wäre für uns also kein Problem, denn wer nichts in der Schublade hat, kann solche Projekte in diesem Zeitrahmen ja ohnehin nicht schaffen“, so Schumacher.

Einen Umbau alter Bausubstanz wie in Estedt werde es allerdings nicht wieder geben. Dort wurden zwei Gebäude, 50 und 60 Jahre alt, zu einer modernen Kita mit großem Glasverbinder ausgebaut. Sämtliche Kita-Neubauten werden künftig ebenerdig sein so wie die neue Kita in Jävenitz.

Bei der Kapazitätsplanung wird man etwas großzügiger schauen, um im Nachgang teure Containerlösungen zu vermeiden. „Diese ebenerdigen Bauten sind auch kostenkünstiger“, so Schumacher. Man rechne mit Baukosten zwischen 20 000 und 30 000 Euro pro Platz.

Erstmals wieder mehr Zuzüge als Wegzüge

Die Entwicklung der Kinderzahlen sei durchaus positiv im Bereich der Stadt Gardelegen. Erstmals wieder seit langem sei im vorigen Jahr auch die Zahl der Zuzüge (783) höher als die der Wegzüge (765) gewesen. Keine wesentlichen Änderungen gebe es dagegen bei den Geburtenzahlen und Sterbefällen. 2019 wurden im Standesamt 347 Geburten und 316 Sterbefälle beurkundet. Die Vorjahre würden auch in diesem Durchschnitt liegen.

„Aber wir tun auch eine ganze Menge, damit wir junge Leute hier in der Region halten und sich junge Familien von außerhalb für unsere Region interessieren“, betonte Schumacher. Die Stadt erschließe in eigener Regie Eigenheimbaugebiete. Erschlossenes Bauland werde zum Selbstkostenpreis verkauft. Seit Jahren seien auch die Elternbeiträge für Krippe, Kindergarten und Hort nicht erhöht worden.

Beim Neubau in Solpke will die Stadt unabhängig von der Corona-Förderung insgesamt neue Wege gehen. Gebaut wird nicht auf herkömmliche Weise unter der Regie des Bauamtes. Ein Bauunternehmen wird das Projekt einschließlich der Planung in einem vertraglich festgesetzten Kostenrahmen realisieren. Und genau diese Summe werde die Stadt am Ende auch bezahlen.

Mögliche Risiken trägt bei diesem Modell das Generalunternehmen. Erfolgreich realisiert worden sei das Verfahren der sogenannten Totalunternehmerverträge bereits in Magdeburg mit 18 Kitas und 20 Schulen. Die Baukosten für Solpke werden auf drei Millionen Euro geschätzt (Volksstimme berichtete).