Letzlingen l Fünf große Tische waren aufgebaut. An jedem hatten die 23 Letzlinger, die der Einladung gefolgt waren, in Gruppen zehn Minuten Zeit, die Stadt- und Ortschaftsräte sowie berufene Bürgern, die per Los den Tischen zugeordnet wurden, kennenzulernen und sich zu verschiedenen Themen auszutauschen.

Ortsbürgermeisterin Regina Lessing freute sich, „dass mehr Letzlinger als Stadträte da sind“. Sie sehe die Veranstaltung als wichtig an. Es zeige, dass hier an der Basis das gemacht werde, was in der großen Politik nicht so sei. „Dass man sich kennt und miteinander, nicht übereinander spricht.“

Kaufhalle großer Wunsch

Natürlich wurden an jedem Tisch auch immer Wünsche der Heidedörfler für ihren Ort genannt, obwohl das am Tisch fünf, an dem auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher und Lessing Platz genommen hatten, das zentrale Thema war. Hier stand die Schaffung einer Einkaufseinrichtung im Dorf ganz oben auf der Wunschliste, die Schumacher am Ende vorstellte. Allerdings sei das, wie sie ausführte, eine marktwirtschaftliche Entscheidung, die nicht in der Hand der Politik liege. „Gespräche haben wir mehr als genug geführt“, so Schumacher rückblickend.

Weitere Herzensthemen waren unter anderem auch die Reaktivierung des Springbrunnens auf dem Marktplatz und das Kopfsteinpflaster in diesem Bereich, der Stellplatz für die Glascontainer, Radwegbau in Richtung Gardelegen, Parkmöglichkeiten vor der Kita und die Begrenzung der Geschwindigkeit auf der B 71 davor auf 30 Stundenkilometer, das Aufstellen von Großplakaten, Dellen in den Fußwegen und die Reinigung der Straßenränder. Die Bürgermeisterin werde, wie sie sagte, die Themen mitnehmen und von der Verwaltung als Protokoll, versehen mit den zuständigen Ämtern und Mitarbeitern, für den Ortschaftsrat aufarbeiten lassen. Sie machte zudem deutlich, dass sie von der oft angesprochenen Politikverdrossenheit heute nichts spüre. Sie freue sich schon auf weitere Veranstaltungen.

Es wurden aber auch zahlreiche Anregungen zu den anderen Themen zusammengetragen, die sich zum Teil auch überschnitten. So ging es nicht nur, aber auch am Tisch eins darum, wie Informationen aus dem Stadt- und Ortschaftsrat zu den Bürgern kommen sollten. Denn seit der Gebietsreform, so hatte es sich auch laut Jens Heßler, berufener Bürger im Sozialausschuss, am Tisch vier zum Thema Stadtratsarbeit und Erreichbarkeit der Stadträte herauskristallisiert, sei der Informationsfluss versiegt. „Das Gefühl ist da.“

Um diesen wieder zum Fließen zu bringen, wurde unter anderem am Tisch eins, wie Stadträtin Petra Müller am Ende zusammenfasste, der Wunsch nach einer „Stadtzeitung“ von der Verwaltung für die gesamte Einheitsgemeinde genannt, in der über Veranstaltungen in den Dörfern und Neuigkeiten aus der Stadt komprimiert informiert werde. Auch sollten die Info-Bretter wieder aktiviert werden, was die Stadtverwaltung laut Schumacher bereits vorbereite. Jedes Dorf soll ein „Schwarzes Brett“ erhalten, an dem jeder Informationen für seine Mitbürger anbringen kann.

Weitere Dates gewünscht

Diese beiden Wünsche wurden unter anderem auch am Tisch drei angesprochen, an dem Ideen für Veranstaltungen „Politik – trifft – Bürger“ gefragt waren. Hier wurden laut Stadt- und Ortschaftsrat Thomas Genz aus Letzlingen auch deutlich, dass weitere Speeddatings, unter welchem Namen auch immer, gewünscht werden. Zudem wurde angeregt, dass Ausschüsse noch öfter auch in den Ortschaften tagen, im Sommer vielleicht ein Bürgerfrühstück ausgerichtet und Bürgersprechstunden angeboten werden.

Das kam ebenfalls am Tisch zwei zur Sprache, wo es um Ideen für das weitere Zusammenwachsen aller Ortsteile ging. Aus den Gesprächen fasste Jan Dittrich aus Letzlingen, berufener Bürger im Finanzausschuss, die Erkenntnis zusammen: „Das Zusammenwachsen ist durch die gewachsene Historie der Dörfer schwierig. Man braucht grundsätzlich den Willen dazu.“ Man sei aber sicher, „die Zeit wird es irgendwann richten.“ Die Jugend habe heute schon andere Strukturen und sei anders vernetzt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl werde sich „auswachsen“.

Als Möglichkeiten des Zusammenwachsens wurden Veranstaltungen als Plattformen für die Ortsteile genannt, wobei das Hansefest nicht als geeignet angesehen wurde. In dem Zusammenhang ging es auch darum, wie die Bürger aus den Ortsteilen, die kein Auto fahren, an die Veranstaltungsorte gelangen können. Ein Shuttleservice, scherzhaft auch „Lumpensammler“ genannt, wurde vorgeschlagen.