Jerchel l Volles Haus zur Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Hohes Feld Jerchel. Gut 50 Prozent der privaten Waldbesitzer waren der Einladung dazu gefolgt – von 108 Mitgliedern mit einer Gesamtwaldfläche von knapp 943 Hektar immerhin 53 Mitglieder.

Die gestellten Stühle im Saal der Gaststätte Zur Tanne reichten nicht aus. Es musste nachgeholt werden. Kein Wunder, ging es doch um wichtige Themen, die vor allem auch finanzielle Auswirkungen für die privaten Waldbesitzer haben. Kiefernbuschhornblattwespe, Blauer Kiefernprachtkäfer, Buchdrucker, Großer brauner Rüsselkäfer, Lärchenborkenkäfer und jetzt noch der Diplodia, ein Pilz, der vor allem Kiefern befällt und unter „Diplodia-Triebsterben“ zusammengefasst wird. Der Pilz habe im vorigen Jahr ganz schlimm in der Annaburger Heide gewütet. „In Colbitz ist er auch schon angekommen“, sagte Stefan Quitt, amtierender Leiter des Betreuungsforstamtes Letzlingen, in seinem Waldschutzbericht. Dazu komme eine Mäuseplage in vielen Laubholzkulturen und der Eichenprozessionsspinner, kurz ESP. Die FBG Jerchel sei von der Mäuseplage nicht betroffen, ebenso nicht vom ESP, wohl aber die ganze Region ringsum, so Quitt. Hier müssten andere Bekämpfungsmaßnahmen möglich sein.

Schädlingsbefall muss beobachtet werden

Was den Schädlingsbefall im Bereich der FBG Jerchel betreffe, sei es noch nicht so dramatisch wie etwa 2016, aber es müsse aufmerksam beobachtet werden. Dramatisch sei die Situation allerdings bundes- und landesweit. Von 2015 bis 2017 seien über 2,5 Millionen Festmeter Schadholz zusammengekommen und über 5 Millionen Festmeter Kalamitätsholz. „Bundesweit werden es 2019 bestimmt 30 Millionen Festmeter sein“, schätzte Quitt ein. Es hätten allerdings noch nicht alle Länder, etwa das stark betroffene Hessen, gemeldet. Das wirke sich natürlich auf die Holzpreise aus. Bei der Kiefer etwa würden noch 75 Prozent des zehnjährigen Mittels gezahlt – 39 Euro pro Festmeter. „Das ist kein guter Preis“, so Quitt. Beim Industrie- und Palettenholz seien die Preise komplett im Keller: 11 Euro für Industrieholz und 14 Euro für Palettenholz. Die Frischholzpreise seien auch gefallen. Hier zeige sich aber eine leichte Stabilisierung. „Wir hoffen, dass die Katastrophen vorbei sind und sich das Preisgefüge wieder nach oben bewegt. Aber das wird nicht schnell gehen“, prognostizierte der Revierleiter.

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Dürrekatastrophen, Schädlinge, Holzpreise im Keller – das sind nicht allein die Themen, die die Waldbauern belasten. Auch die Betreuung des Privatwaldes wird teurer, kündigte Quitt an. Zumindest nach jetziger Sicht für vier Forstbetriebsgemeinschaften im Bereich des Betreuungsforstamtes Letzlingen. Für sechs FBG könnte es günstiger werden, aber Jerchel gehöre zu den ersten vier FBG. Bisher würden die Waldbesitzer 50 Prozent der Betreuungskosten tragen, 2021 sollen es 100 Prozent sein. Ende November habe es dazu eine Info-Veranstaltung im Umweltministerium gegeben. Der Plan sehe vor, dass bis zum 30. Juni die Betreuungsverträge zum 31. Dezember 2020 gekündigt werden sollen.

Änderungen bei den Betreuungskosten

Die derzeit geltende Privatwaldverordnung soll zum 31. Dezember 2020 aufgehoben und den Waldbauern neue Verträge zum Vollkostensatz angeboten werden. „Es soll die tatsächlich bearbeitete Fläche berechnet werden, das heißt, wenn wir beispielsweise im ersten Quartal auf 20 Hektar tätig werden, dann rechnen wir auch die 20 Hektar ab“, erläuterte Quitt. Zeitlich sollte alles schon etwas weiter auf dem Weg sein. Die neue Verordnung bedürfe nämlich zunächst noch der Genehmigung durch die Hausspitze des Dalbertschen Ministeriums und auch eines Kabinettsbeschlusses. „Wir tappen da noch etwas im Dunkeln“, räumte Quitt ein. Sowie alles geklärt ist, will er die Vorstände aller FBG einladen.

Revierförsterin Luise Eichhorn informierte dann über Waldschutz, Pflege, Holzeinschlag und Verkauf im Bereich der FBG Jerchel. 5200 Festmeter sollten 2019 geschlagen werden. Letztlich waren es nur 4100 Festmeter – auch bedingt dadurch, dass die entsprechende Technik nicht ausreichend zur Verfügung stand. In diesem Jahr sieht der Plan vor, 4100 Festmeter auf 140 Hektar Waldfläche zu schlagen. Gewählt wurde auch ein neuer Vorstand. Günter Hakenholz, der 25 Jahre Vorsitzender der FBG Jerchel war, stand für eine erneute Amtszeit in dieser Funktion nicht mehr zur Verfügung. Er freue sich, dass er das Zepter in die Hände eines erfahrenen Forstmannes legen könne. Denn einstimmig gewählt zum neuen Vorsitzenden der FBG Jerchel wurde der langjährige Leiter des Letzlinger Forstamtes, Gerhard Henke. Er überreichte dann Hakenholz auch ein Abschiedsgeschenk. „Blumen wollte er nicht haben. Aber da er weiterhin aktiv als Waldarbeiter tätig sein will, kann ich ihm heute einen Pflanzspaten überreichen“, sagte Henke. Er wird die nächsten drei Jahre in diesem Amt bleiben. Und die werden nicht einfach werden, betonte Henke in seiner kurzen Antrittsrede.