Gardelegen l Zwei Jahre lang werkelten hier die Handwerker – übrigens die allermeisten aus der näheren Umgebung. Nun sind sie fast fertig. Lediglich Kleinigkeiten fehlen noch, da ein Geländer oder hier eine Abschlussleiste. Und auch der Fahrstuhl muss noch eingebaut werden. Wer sich beim Tag der offenen Tür hier umschaute, musste also das Treppenhaus nehmen.

Das störte aber keinen, denn selbst das ist – hell freundlich und extrem breit – einen zweiten Blick wert. Vom angestaubten DDR-Charme des einstigen Lehrlingswohnheims ist im ganzen Haus ohnehin nichts mehr zu spüren. Klare Farben, klare Kanten dominieren auf allen Etagen.

Vier sind es insgesamt. Zu DDR-Zeiten wohnten hier auf zwei Etagen die Lehrlinge vom Gut Isenschnibbe. Nun werden auf vier Etagen Familien, Singles und Paare einziehen. Denn die Technik- und Wirtschaftsräume im Untergeschoss hat Haus- und Bauherr Marko Schmicker ebenfalls in schmucke Wohnungen umgebaut. Und er hat auch noch eins drauf gesetzt – besser gesagt zwei –, denn wo früher ein staubiger Dachboden war, gibt es jetzt ein Obergeschoss mit zwei großen Wohnungen mit umlaufender Dachterrasse und einem herrlichen Ausblick auf die Stadt und ins Grüne.

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Glückszahl: 13 Wohnungen

Den hat man aber eigentlich aus allen Wohnungen. 13 sind es insgesamt. Abergläubisch ist Bauunternehmer Marko Schmicker also offensichtlich nicht. „Manchmal ist die 13 ja schließlich auch eine Glückszahl“, sagt er beim Durchgang durchs Haus augenzwinkernd. Und das kann er auch gut gebrauchen. Denn schließlich soll sich das Bauvorhaben ja auch rechnen. Rund zwei Millionen Euro hat Schmicker investiert. Ein kühnes Projekt. Das war dem Gardeleger allerdings klar. „Ich hab es vor allem für mich gemacht“, sagt er. Denn das stadtbekannte Gebäude, das jahrzehntelang leer stand, hatte ihn schon lange zuvor gereizt. Als Profi hatte er das Potential erkannt. Dennoch bleibt so ein Bauprojekt natürlich immer ein Risiko. Ohne Mut geht dabei nichts.

Und natürlich nicht ohne Engagement, zumal der Ausbau parallel zu seinem Kundenaufträgen laufen musste, „ein Full-Time-Job, so quasi immer nebenbei.“

Deshalb ist er jetzt auch sehr froh, dass es geschafft ist, gibt der Bauherr erleichtert zu. Fast alle Wohnungen sind bereits vermietet. Auch darum hat sich Schmickers Team selbst gekümmert, das ihn am Wochenende auch tatkräftig unterstützt. Im Foyer gibt‘s Kuchen und Kaffee für die Besucher. Selbst seine Lebensgefährtin schenkt Tassen voll und plaudert mit den Gästen.

Und das macht der stolze Chef natürlich auch. Überall muss er stehenbleiben und Fragen der neugierigen Besucher beantworten. Und das sind viele. „Ich bin völlig baff“, sagt Schmicker. „Ich hätte nie gedacht, dass die Leute das so interessiert.“

Doch das tut es. Der Besucherstrom reißt jedenfalls nicht ab. Und mancher staunt dabei ein bisschen mehr, als andere: „Ich kenne das noch von früher“, sagt Edith Lindecke. Seit 1978 hat sie hier gearbeitet. „Unten in der Küche.“ Jetzt kann sie nicht fassen, wie schön ihre alte Wirkungsstätte nun aussieht. Am liebsten, sagt sie, wäre sie hier selbst eingezogen.