Gardelegen/Trüstedt l Über Jahrzehnte haben die Teichanlagen in den Dörfern kaum Beachtung gefunden. Ölspuren auf der Straße, Streusalz, Dieseltropfen, Düngemittel, Reifenabrieb – die Teiche sind Endabnehmer für alle Stoffe, die bei Regen in die Gewässer gespült werden. Dazu kommt Laub, verrottetes Wurzelwerk, Futterreste, wenn Enten oder Schwäne gefüttert werden. Das alles hinterlässt Spuren in den Teichen, konkret im Schlamm. Im Laufe der Jahre entwickelt sich eine Schadstoffbelastung, zumeist handelt es sich um polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Die Stadt hat jetzt einige Teiche beproben lassen. Und Ausgangspunkt dafür war der Trüstedter Teich. Dort finden jährlich die Teichfeste mit Bootsfahrten auf dem Teich statt. Da käme man schnell mit dem Wasser in Berührung, betonte Daniel Langer vom städtischen Bauamt auf Volksstimme-Anfrage. Die Trüstedter hätten intensiv darauf gedrungen, dass das Wasser kontrolliert und der Teich gegebenenfalls saniert wird. „Da muss auch was passieren“, betonte Langer. Ein Ingenieurbüro habe die Proben genommen. Unter anderem finden sich eben auch Stoffe wie Arsen und Quecksilber im Gewässer. „Das klingt zwar dramatisch, aber ganz so schlimm ist es nicht“, stellte Langer klar. Vor 20 Jahren hätte man den Schlamm aus dem Teich noch auf den Acker gebracht. „Heute haben wir aber ein anderes Umweltverständnis, dass so etwas nicht mehr auf landwirtschaftliche Nutzflächen ausgebracht, sondern deponiert oder gereinigt wird“, erläuterte Langer.

Haben heute anderes Umweltverständnis

Dabei gebe es mehrere Möglichkeiten: eine Verrottung des Schlammes auf der Deponie, der könne landwirtschaftlich genutzt werden, eine dauerhafte Deponierung, ein Waschen der Erde, das sei ein sehr aufwändiges und teures Verfahren, oder ein Verbrennen etwa in Rothensee. Für den Trüstedter Schlamm käme laut Analyse eine dauerhafte Deponierung in Frage, ebenso für den Schlamm des Miester Dorfteiches.

Um eventuell Kosten zu sparen, habe die Verwaltung auch die Teiche in Mieste, Miesterhorst, Dannefeld und Jeggau prüfen lassen. Denn die Teiche liegen räumlich nicht weit voneinander entfernt. Sollte eine Entschlammung erfolgen, könne man möglicherweise gleich drei oder vier Teiche zusammen ausschreiben.

Dannerfelder Teich am teuersten

Doch dazu seien noch keinerlei Entscheidungen getroffen worden. Wohl aber liegen nach den Analysen erste Kostenschätzungen vor. Der Jeggauer Dorfteich würde 30 000 Euro kosten, der Miesterhorster 41.000 Euro und der Miester Teich etwa 60.000 Euro. Am teuersten wird die Entschlammung des Dannefelder Dorfteiches, der mit einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern und einer geschätzten Schlammmenge von etwa 1800 Kubikmetern zu den größten Anlagen in den Ortsteilen zählt. Da würde eine Entschlammung und Entsorgung mit 153.000 Euro zu Buche schlagen. Für den Trüstedter Teich wären etwa 35.000 Euro erforderlich.

Die Verwaltung hat Fördermittelanträge gestellt: Für den Dorfteich in Jeggau, Dannefeld und Miesterhorst über ein Artensofortprogramm, für den Miester Teich über die Leader-Aktionsgruppe Rund um den Drömling und für den Trüstedter Teich über die Leader-Aktionsgruppe Colbitz-Letzlinger Heide. Ob es Fördergeld gibt und wenn ja, wann, sei noch völlig offen. Eventuell könne man im März/April 2020 konkreteres sagen.

14 Dorfteiche gehören zur Hansestadt

Im Zuständigkeitsbereich der Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen befinden sich etwa 14 Dorfteiche und mit dem Planschbecken, dem Stadtgraben und der alten Mildebadeanstalt drei teichähnliche Anlagen.