Letzlingen l Graue Wolken zogen über den Himmel. Der Wind wehte heftig, und es war kühl. Doch Gustav Wienecke und Ronny Arnold vom Vorstand des Letzlinger Angelvereines, die auf dem Vereinsgelände „Faule Breite“ am Schlosspark zugange waren, froren nicht. Im Gegenteil. Sie schippten eifrig Beton, um das von Friedhelm Gennrich aus Wannefeld vorgefertigte Metallgestell fest im Boden zu verankern.

Damit schafften sie am Freitagnachmittag die Voraussetzung für ein großes Vereinsprojekt. Der ehemalige Gardelegener Torwächter, der im vergangenen Juli zum Letzlinger Teichwächter wurde, soll nämlich wieder auferstehen und den Letzlinger Angelteich auch bewachen. „Der Grundstein dafür ist gelegt“, erklärte Wienecke mit einem Augenzwinkern.

Mit Blick zum Schlosspark

„Wir haben Angst, dass er verfault“, erläuterte er angesichts des seit einem Jahr halb schräg liegenden Holzmannes die Intention des Vereines. Erste Anzeichen seien bereits sichtbar. Aus diesem Grund hatte der Vereinsvorstand während der Jahreshauptversammlung im Januar dieses Jahres dieses Problem angesprochen. Und die Mitglieder seien sich laut des Vorsitzenden Arnold schnell einig gewesen, ihn sozusagen wieder auf die Füße zu stellen.

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Gesagt, getan, auch wenn sich die Umsetzung coronabedingt verzögerte. Gemeinsam mit Gennrich wurde das Metallgestell entwickelt, auf dem der Teichwächter nun wieder festen Stand erhalten soll. Eine spezielle Spannvorrichtung soll ihn dann künftig aufrecht halten – im Eingangsbereich zum Vereinsgelände mit Blick auf den Schlosspark, damit er auch vom Weg dort sichtbar ist. Das sei laut Wienecke aber erst der zweite Schritt. Am Freitagnachmittag galt es erst einmal, die Voraussetzung für die Auferstehung zu schaffen und das Metallgestell fest im Boden zu verankern.

Mit tatkräftiger Unterstützung

„Es sind knapp 1,6 Kubikmeter Beton“, erklärte Wienecke dazu. Und diese Menge füllten er und Arnold per Hand und Schippe in zwei, mit maschineller Hilfe vorbereitete, Schächte – 1,60 Meter lang, 50 Zentimeter breit und ein Meter tief. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie in der Vorbereitung dieser Arbeiten von Steffen Wolf, Gonthard Wöge und Heino Michelmann. Nun muss der Beton abbinden und aushärten, um den schweren Holzkerl auch tragen zu können.

Die Geschichte des Torwächters begann im Jahr 2001, als ein 250 Jahre alter Eichenbaum am Salzwedeler Tor in Gardelegen einem Sturm zum Opfer fiel. Ungenutzt sollte das Eichenholz nicht bleiben. Und auch die Lücke, die der gestürzte Baum am Salzwedeler Tor hinterließ, sollte wieder geschlossen werden.

Zwölf Jahre am Salzwedeler Tor

Deshalb kam die Idee des Holzkünstlers Roland Lindner genau zur richtigen Zeit, dem Stamm neues Leben einzuhauchen. Er schnitzte daraus den Torwächter, der Ende Februar 2003 feierlich enthüllt wurde. 2012 wurde er mit dem Geburtstagsgeld von Alt-Bürgermeister Konrad Fuchs noch einmal umfassend saniert.

Zwölf Jahre bewachte er stolz das Salzwedeler Tor in Gardelegen, bis ihn ein Pilzbefall in die Knie zwang. Im November 2015 musste der hölzerne Geselle abgebaut werden, da seine Standfestigkeit nicht mehr gegeben war. Das Vorhaben, den Holzkerl nach einer Versteigerung wieder aufzuarbeiten, scheiterte.

Vom Tor- zum Teichwächter

So lag der vom Pilz befallene hölzerne Geselle längere Zeit auf dem Gelände der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark am Hopfentunnel und bot jedem Vorbeikommenden einen sehr traurigen Anblick. Es gab mehrere Angebote an die Stadt, dem hölzernen Kerl eine neue Heimstatt für seinen Lebensabend zu geben. Die Entscheidung fiel im vergangenen Jahr zugunsten der Letzlinger Petrijünger, die ihm nun wieder auf die Füße helfen wollen.