Gardelegen l Aufmerksam, diszipliniert und vor allem auch interessiert zeigte sich die Jugend im altehrwürdigen Rathaussaal, seit jeher Sitzungsort der städtischen Regierungsgremien. Dort hatten sich gut 35 Schülervertreter ab der Klassenstufe acht aller Schulen im Bereich der Stadt Gardelegen eingefunden, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie sich Jugendliche verstärkt in die Kommunalpolitik, in die Entwicklung und Gestaltung ihrer Heimatstadt und ihrer Heimatdörfer einbringen können und wollen.

Einzigartig in der Region

Eingeladen dazu hatte die Stadt Gardelegen. Das Thema Jugend und Politik war vor Monaten Gegenstand einer Diskussionsrunde im Sozialausschuss. Aus dieser Runde heraus wurde die Idee geboren, die Klassensprecher zur Konferenz einzuladen. „Warum sollten wir immer nur mutmaßen, was junge Leute wollen, wenn wir sie doch selbst befragen können“, sagte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Mit ins Boot geholt hatte sich die Stadt die Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie des Altmarkkreises Salzwedel, die dem Verein zur Förderung der beruflichen Bildung mit Sitz in Salzwedel angegliedert ist. „Wir unterstützen schon sehr viele Projekte und Jugendgruppen, aber das Projekt hier in Gardelegen, die Jugendarbeit auf die kommunalpolitische Ebene zu holen, ist einzigartig in der Region“, betonte Anna Stein von der Koordinierungs- und Fachstelle. Und das sei schon eine Herausforderung.

Im Rathaussaal waren große Tische aufgebaut. In Gruppen konnten die Jugendlichen dann gemeinsam mit Vertretern des Stadtrates aus allen Fraktionen ins Gespräch kommen. Drei Fragen waren zu beantworten: „Wie engagieren sich die Jugendlichen bereits, bei welchen Themen wollen sie sich mit einbringen, und welche Ideen haben sie für Gardelegen?“ Auf einem großen Plakat wurden nach einer Stunde Tischarbeit farbige Zettel mit den jeweiligen Antworten, Wünschen und Ideen geklebt. Ein Vertreter jeder Tischrunde stellte die Gruppenarbeit vor.

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Offensichtlich sind viele junge Leute schon ganz fleißig unterwegs, um das kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Leben in ihren Orten mitzugestalten: Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine des Gymnasiums, Chor, Jagdhornbläser, Jugendfeuerwehr, Sportverein, Einsatz bei der ersten World-Cleanup-Week und vieles mehr wurden aufgezählt. Auf einem großen Plakat wurden nach einer Stunde Tischarbeit farbige Zettel mit den jeweiligen Antworten, Wünschen und Ideen geklebt. Ein Vertreter jeder Tischrunde stellte die Gruppenarbeit vor.

Fortsetzung gewünscht

Weitere Ideen: Ein Open-Air-Kino im Bürgerpark, Jugendtreffs, einen zentraleren Standort für den Club Mood, öffentliche Treffpunkte (Subway oder McDonalds), kostenlose Schülerfahrkarten für die Oberstufe, ein Kino, eine Schwimmhalle, eine Kletterhalle, frei nutzbares Internet an den Schulen oder auch mehr Blumen und Grün in der Innenstadt. Die Schüler würden beim Pflanzen auch helfen. Mehr Umweltaktionen wie die World-Cleanup-Week, individuell gestaltete Müllbehälter, längere Öffnungszeiten in der Gardelegener Bibliothek. Der Parkplatz am Gymnasium sei sanierungsbedürftig. Dort fehle eine Ampel oder ein Überweg. In Mieste könnte die alte Sporthalle wieder hergerichtet werden als Jugendtreffpunkt.

Die Jugendlichen wollen einbezogen werden, wenn es etwa um Freizeitangebote oder um die Standortfrage beim Bau neuer Schulen und oder um die Sanierung von Schulen geht. Und sie wünschen sich mehr Informationen seitens der Stadt über Instagram oder andere soziale Netzwerke. Und sie wünschen sich eine Fortsetzung der Gesprächsrunden im Rathaus. Die wird es auf jeden Fall geben, versicherte Mandy Schumacher. Die Verwaltung werde jetzt ein Protokoll mit allen Wünschen, Vorstellungen und Ideen erarbeiten. Noch in diesem Jahr wird es eine zweite Runde geben. „Dann werden wir uns zwei bis drei Projekte für das nächste Jahr aussuchen, die wie gemeinsam angehen können“, so Schumacher.

Denn es seien viele Ideen und Vorschläge darunter, die umgesetzt werden können – „aber eben gemeinsam“, betonte Schumacher. McDonalds oder Subway – da habe die Stadt keinen Einfluss, auch nicht beim Bahnhof, der gehöre nicht der Stadt. Ein Stadt-Auftritt auf Instagram sei für 2020 geplant. Ein Open-Air-Kino im Bürgerpark sei beispielsweise überhaupt kein Problem. „Wir müssen konkret festlegen, wie sich jeder einbringen kann. Beim Open-Air-Kino würde ich dann die Popcorn-Maschine bedienen“, versicherte Schumacher.