Ackendorf l Dass sein Jahr mit einer Silbermedaille und einem sechsten Platz bei der Weltmeisterschaft der fünfjährigen Fahrpferde im ungarischen Staatsgestüt Mezöhegyes endet, „hätte ich nie gedacht“, so Finkler, der im Ausbildungsstall am Weinberg in Ackendorf tätig ist. Die Weltmeisterschaft „hatte ich gar nicht auf dem Plan“.

Seine Medaillensammler allein in diesem Jahr sind die Schweren Warmblüter Tara und Tito Heedegard, Haflingerstute Merle und Trakehnerhengst Esperanto. Merle ist eine echte Altmärkerin, sie gehört Christiane und Andreas Wachtel aus Estedt.

Doch die vier sind nicht nur höchst unterschiedliche Pferde, sondern auch ganz spezielle Charaktere – Musterschüler und Diven.

Bilder

Guten Ruf erworben

Als Reit- und Fahrausbilder hat sich Karl-Heinz Finkler über viele Jahre nicht nur in der Altmark einen exzellenten Ruf erworben. Die Pferde sind stets auf den Punkt vorbereitet und bestens herausgebracht. Dabei wird ihnen bei der Ausbildung ausreichend Zeit gegeben.

Auf jedes Pferd und seinen Charakter gehen Finkler sowie seine Mitarbeiterinnen Sarah Winkler und Michaela Nieswandt ein. Das Ziel sind stets gelassene, arbeitswillige Pferde, mit denen auch die jungen Frauen im Stall gut arbeiten können. Darauf wird im Ackendorfer Ausbildungsstall Wert gelegt.

Bei Bundeschampionaten vorn

Immer wieder gelang es Finkler in den vergangenen Jahren, bei Bundeschampionaten ganz nach vorn zu fahren. Die erste Medaille holte er sich 2004, 2008 folgte der zweite, 2010 und 2011 war er Doppelbundeschampion mit Sir Lausitz, dazu eine Bronzemedaille, 2013 der Vize-Titel.

Seit 1996 ist der gelernte Gestütswärter bis auf eine kurze Unterbrechung in der Altmark als Ausbilder für junge Pferde tätig, seit 2011 auf der Reitanlage am Weinberg von Dietmar Mewes.

Krankenhausaufenthalt

Vom Moritzburger Bundeschampionat vor wenigen Wochen ging es direkt weiter zum Bundeschampionat nach Warendorf, zum Vize-Titel mit dem fünfjährigen Trakehner-Hengst Esperanto an den Leinen.

Aufgrund einer Operation hatte Finkler im Sommer sogar pausieren müssen, die Fahrpferde wurden in dieser Zeit nur regelmäßig geritten. Dazu die zahlreichen Pferde, die im Ausbildungsstall auf Stutenleistungsprüfungen, Vorauswahlen, Auktionen und Championate vorbereitet wurden.

„Mein Team und meine Familie haben mir den Rücken freigehalten“, betont Finkler nach seiner Super-Saison. Ehefrau Claudia sowie die Töchter Maria (9) und Julia (6) mussten oft zurückstecken und viel abfangen.

Wie groß die Freude im Hause Finkler über die Erfolge ist, ist im Stall allerdings auch zu sehen. An Taras Box hängen nämlich zwei gemalte Bilder der Mädchen für den Titel in Moritzburg und die WM-Silbermedaille in Ungarn. Am liebsten haben die zwei jungen Reiterinnen ihren Papa allerdings als Trainer am Abend mit ihren Ponys.

Freundliche Gastgeber

Nach Esperantos Silbermedaille in Warendorf gab es nur eine Nacht Pause in Ackendorf, ehe mit Tara und Tito die 20-stündige Reise zur Weltmeisterschaft der jungen Fahrpferde nach Ungarn zum Staatsgestüt Mezöhegyes begann. Gemeinsam mit seinem Beifahrer Danny Warko (Mansfeld), Pony-Zweispänner-Fahrer und ehemaliger Lehrling aus Finklers Zeit beim Haupt- und Landgestüt Neustadt, erlebte er die WM. „Unglaublich freundliche Gastgeber“, so Finklers Fazit.

Mit Tara lag der Ackendorfer nach der Finaldressur der Fünfjährigen sogar an der Spitze, mit Tito auf Rang drei.

Dann folgte das Kegelfahren mit zwei Geländehindernissen. Finkler bedauerte, dass kein Wasserhindernis dabei war, denn das hatte er viel mit seinen Pferden trainiert: „Meine Pferde hatten alle ihr Seepferdchen, das hätte noch Punkte geschafft.“

Knapp geschlagen

Ganz knapp mussten sich Finkler und Tara am Ende geschlagen geben, nur zwölf Hundertstel fehlten zum Weltmeistertitel. Hengst Tito belegte Platz sechs von 21 Gespannen.

Und mit all diesen Erfolgspferden würden ihn auch die Championate und die Weltmeisterschaft 2018 reizen, schließlich gilt es die Medaillen zu verteidigen.

Mit Eurostar Heedegard, einem derzeit noch vierjährigen Schweren Warmbluthengst, hat Finkler einen weiteren Medaillenkandidaten im Training. Oder wie es der Fahrausbilder schmunzelnd formuliert: „Das ist auch so ein Musterschüler, der Klasse eins und zwei übersprungen und gleich in der dritten angefangen hat.“